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Darum streiten so viele Paare in ihren Ferien

von Marie Hettich

28 JULI 2019

Life

Viele Pärli haben in der Ferienzeit Krach – laut einer US-Studie schnellt danach sogar die Scheidungsrate nach oben. Wir haben eine Paartherapeutin gefragt, woran das liegt.

Frau Uhlich, was kann man tun, wenn in den Liebesferien die Stimmung kippt? Oft kann schon helfen, es anzusprechen – dann werden beide wachsam. Wenn man schon drinsteckt, und merkt, wie der Ärger in einem hochkocht, hilft ein Time-out: Jeder macht sein Ding, lenkt sich ab, versucht runterzukommen. Ein Konflikt löst ja eine Stressreaktion im Körper aus – es braucht 20 bis 30 Minuten, um die Stresshormone wieder runterzuregulieren. Danach startet man einen neuen Versuch und geht wieder ins Gespräch.

Warum knallts bei so vielen Paaren in den Ferien überhaupt? Wenn die Ferien beginnen, haben viele eine superstressige Arbeitsphase hinter sich – hinzu kommt noch die Ferienorganisation. Wenn das Stresslevel hoch ists, dann knallt es halt schneller. Man ist weniger tolerant – auch den Macken des Partners gegenüber.

In den Ferien angekommen, kann man aber doch gemeinsam die Füsse hochlegen? Naja, bei einigen Paaren kommt die Erholung zu kurz, weil sie ihre Ferien so effektiv wie möglich nutzen möchten und die ganze Zeit über Pläne haben. Gerade wenn man im Alltag sehr wenig Zeit füreinander hat, wird oft auch erwartet, dass die Ferien total romantisch und harmonisch werden. Meistens funktioniert es genau dann aber eben nicht.

Wieso nicht? Weil sich viele Paare im Alltag aus den Augen verlieren. Vor allem für Eltern ist es schwierig, connected zu bleiben, da sie sich in einem riesen Spagat zwischen allen möglichen Anforderungen befinden. In den Ferien fällt dann plötzlich auf, dass man sich gar nicht mehr so viel zu sagen hat.

Sind das dann die Paare, die sich im Resti den ganzen Abend anschweigen? Da würde ich mal nicht so schnell urteilen (lacht). Gerade in den Ferien, wenn man sowieso sehr viel Zeit miteinander verbringt, kann es doch wunderbar entspannend sein, auch mal miteinander zu schweigen.

Wenn man aber tatsächlich merkt, dass man nicht mehr so richtig klickt – was dann? Dann weiss man, dass Handlungsbedarf besteht – und man künftig im Alltag etwas anders machen muss. Die Ferien allein sind nie schuld am Konflikt, sie zeigen bloss auf, was sowieso schon da ist. Es kann deshalb auch gut sein, dass die Ferien den letzten Anstoss zur Trennung geben. Für Aussenstehende sieht das dann nach einer Kurzschlussreaktion aus, aber oftmals haben sich da Probleme jahrelang angesammelt – so lange, bis es zu spät ist.

Maximiliane Uhlich ist Paarforscherin und Psychologin, sie praktiziert emotionsfokussierte Paartherapie in Zürich.

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