Luciana Animation
Collage: Sofie Erdardt

"Bei einer Anti-Foodwaste-Stelle holen wir gratis Salat und Brote"

von Luise Philine Pomykaj

12 OKTOBER 2018

Cashflow

In "Cashflow" veröffentlichen wir jeden Freitag ein Geld-Tagebuch einer Leserin oder eines Lesers. Heute von Luciana aus Zürich (Name geändert).

Luciana, 32, Redaktorin 80% und freischaffend in Kommunikation und Illustration

Gehalt: Fr. 4'100 netto (für 80%-Pensum)

Miete: Fr. 800.– (3-Zimmer-Mietwohnung mit Partner)

Krankenkasse: Fr. 317.–

Haftpflicht-/Hausratversicherung: Fr. 10.–

Handyvertrag: Fr. 22.– (vergünstigt durch Arbeitgeber)

Internet: Fr. 32.– (insgesamt Fr. 74.–, geteilt durch 2 Personen)

Billag: Fr. 19.– (insgesamt Fr. 38.–, geteilt durch 2 Personen)

ÖV-Ticket: Fr. 321.– (GA, zu rund einem Viertel finanziert durch Spesenabrechnung im Beruf)

Monatliches Sparen: Fr. 1'500 (für Reisen, Unvorhergesehenes, Steuerrechnung, Familiengründung)

Säule 3a: Fr. 560.–

Mitgliederbeiträge Vereine und Organisationen: Fr. 20.–

Totale Ausgaben: Fr. 3'601

Zur Verfügung: Fr. 499.–

Freitag

Wegen eines Familientreffens am Vorabend habe ich bei meinen Eltern übernachtet. Zum Frühstück gibts Apfelwähe und Kaffee. Anschliessend gehts zu Fuss ins nahe Museum – dort steht ein Interviewtermin an. Am Mittag hole ich Falafel im Taschenbrot für Fr. 10.– an einem Imbissstand, dazu trinke ich Hahnenwasser, das ich in eine PET-Flasche abgefüllt habe. Nach dem Essen fahre ich im Zug (ich habe ein GA) an meinen Arbeitsort. Im Büro bleibe ich nicht lange, denn ich muss zu einem weiteren Termin ausser Haus. Unterwegs komme ich an einem Hofladen vorbei, wo ich für Fr. 1.– eine grosse Rande kaufe. Nach der Arbeit gehe ich kurz ins Brocki, wo ich einen Schal für Fr. 5.– finde. Anschliessend fahre ich im Zug an meinen Wohnort und treffe am Bahnhof meinen Partner. Wir gehen zur Abgabestelle eines Anti-Foodwaste-Projekts, wo wir kostenlos einige Brote und Salate erhalten, die in den Läden nicht mehr verkauft werden können, aber noch immer geniessbar sind. Für unser Abendessen, Spaghetti und Salat, verwenden wir Nahrungsmittel aus unserem Vorrat. Nach dem Znacht schauen wir uns via Website eines Fernsehsenders eine Serie an. Ein TV-Gerät besitzen wir nicht, wir nutzen einen Beamer.

Ausgaben heute: Fr. 16.–

Samstag

Gemeinsam mit einem befreundeten Paar verbringen mein Partner und ich das Wochenende in einer Selbstversorgerhütte in den Bergen. Wir haben aufgeteilt, wer was mitbringt. Mein Partner und ich packen Esswaren vom Anti-Foodwaste-Projekt ein, zusätzlich ist ein Einkauf im Coop fällig, da wir unter anderem Grillwürste, Raclettekäse und Wein benötigen. Mein Partner bezahlt an der Kasse Fr. 34.35, ich übernehme die Hälfte, also Fr. 17.–. Für die anschliessende Zugfahrt brauche ich dank des GAs einmal mehr kein Einzelticket.

Ausgaben heute: Fr. 17.–

Luciana Einzelnesbild

Den Einkauf fürs Raclette-Essen teilen sich Luciana und ihr Freund

Sonntag

Nach einem ausgiebigen Frühstück in der Hütte brechen wir zu einer Wanderung auf. Den Proviant haben wir bereits dabei. Auf der Heimreise im Zug, mittlerweile ist es früher Abend, gibts kühles Bier. Die Dosen für je Fr. 1.70 haben wir zuvor am Bahnhof gekauft – mein Partner hat mich netterweise eingeladen. Zu Hause kochen wir Älplermakronen mit Zutaten aus unserem Vorrat. Das Apfelmus stelle ich aus Fallobst selbst her.

Ausgaben heute: Fr. 0.–

Montag

Wie meistens unter der Woche stehe ich um 6.40 Uhr auf. Im Büro gibts eine freudige Überraschung: Eine Arbeitskollegin hat Gipfeli für alle mitgebracht. Dazu trinke ich einen Kaffee für Fr. 1.–. Am Mittag verspeise ich die Reste des gestrigen Abendessens, die ich in der Mikrowelle aufgewärmt habe. Nach Feierabend kaufe ich im Lidl für Fr. 10.35 verschiedene Lebensmittel ein, unter anderem Süssigkeiten, die ich der Nasch-Box im Büro spende. Zum Znacht mache ich mir ein Sandwich und esse dieses auf dem Weg in die Musikprobe, dazu gibts Hahnenwasser. Auf dem Heimweg kaufe ich im Bahnhofs-Coop einen Choco Drink für Fr. 0.95. Nach 23 Uhr komme ich endlich zu Hause an.

Ausgaben heute: Fr. 12.30

Lucianas Ausgaben im Überblick:
Dienstag

Zum Frühstück gibts unterwegs einen zuckerfreien Energy Drink, den ich daheim aus dem Kühlschrank genommen habe, sowie ein übrig gebliebenes Gipfeli vom Vortag. Den Morgen verbringe ich schreibend im Büro. Zu Mittag esse ich Salat und ein Käseküchlein, beides von zu Hause mitgebracht. Am Nachmittag steht ein Interviewtermin an. Die Zugfahrt zum Treffen dauert zwei Stunden, die ich zum Arbeiten am Laptop nutze. Später kaufe ich in einer Bäckerei ein Sandwich und einen Berliner für total Fr. 6.60. Ein Getränk brauche ich nicht, denn am Bahnhof werden zu meiner Freude kostenlose Eistee-Flaschen verteilt. Wieder folgt eine Zugsreise. Dieses Mal lese und picknicke ich während der Fahrt. Den Abend verbringe ich an einer Pfadi-Sitzung. Freiwilligenarbeit wie diese leiste ich regelmässig, weil es mir Spass macht und ich es sinnvoll finde.

Ausgaben heute: Fr. 6.60

Mittwoch

Aus Zeitgründen fällt das Frühstück aus. Im Büro trinke ich einen Kaffee für Fr. 1.–. Gemeinsam mit vier Arbeitskollegen gehe ich am Mittag ins Migros-Restaurant. Dank einer Aktion kostet der üppige Salatteller vom Buffet heute nur Fr. 12.50. Am Nachmittag arbeite ich weiter an meinen Texten. Zurück in Zürich kaufe ich im Coop für Fr. 30.95 Lebensmittel ein. Ich habe Glück: Mehrere Produkte, die ich brauche, werden mit Rabatten angeboten. Unter anderem kaufe ich eine Fonduemischung im Doppelpack mit 40% Rabatt. Anschliessend koche ich daheim ein vegetarisches WOK-Gericht für meinen Partner und mich. Vor dem Zubettgehen schauen wir uns einen Dok-Film an.

Ausgaben heute: Fr. 44.45

Donnerstag

Heute ist mein freier Tag. Ich bin Teilzeit angestellt und nutze diese Stunden in der Regel für ehrenamtliche Tätigkeiten, zum Haushalten oder einfach zum Plausch. Dieser Luxus bedeutet mir sehr viel. Am frühen Morgen jogge ich eine Runde im Wald, danach putze ich das Badezimmer und erledige allerlei Organisatorisches am Laptop. Zum Zmittag esse ich Reste vom gestrigen Abendessen. Am Nachmittag fahre ich – dank des GAs ohne zusätzliche Kosten – mit dem Dampfschiff von Rapperswil nach Zürich. Danach begebe ich mich zur Abgabestelle des Anti-Food-Waste-Projekts, weil ich Brot brauche, doch die Box ist wider Erwarten leer. Ich kaufe Brot in der Migros und erledige dort auch gleich einen vorgezogenen Wochenendeinkauf für Fr. 33.10. Daheim essen mein Partner und ich Fondue, im Kerzenschein auf dem Balkon – unbezahlbar!

Ausgaben heute: Fr. 33.10

Ausgaben total: Fr. 129,45

Was meint ihr zu Lucianas Ausgaben? Wie geht ihr mit eurem Geld um und habt ihr Lust, auch bei "Cashflow" mitzumachen? Dann schreibt uns eine E-Mail an community@friday-magazine.ch mit kurzen Infos zu euch.

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