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Auch Väter leiden an postnataler Depression

von Gina Buhl

14 AUGUST 2018

Health

Frischgebackene Papas sollen nach der Geburt ihres Babys ähnlich häufig von einer Wochenbettdepression betroffen sein wie Mütter.

Dass manche Mamis nach der Geburt ihres Babys in eine Depression stürzen, ist bekannt. Bei etwa 15 Prozent von ihnen setzt die sogenannte postnatale Depression im Laufe des ersten Jahres nach der Geburt ein und macht den betroffenen Müttern das Leben zur Hölle.

Jeder zehnte Mann leidet

Was die wenigsten wissen: Auch Väter sind davon betroffen – und zwar häufiger als wir denken. Das gab der US-Forscher und Psychologe Dan Singley bei einer Tagung der American Psychological Association in San Francisco vergangene Woche bekannt. "Es wurde viel geschrieben über die Erfahrungen von Frauen mit Schwangerschaft und der Zeit nach der Geburt – hauptsächlich über negative Reaktionen, von klinischer Depression bis hin zu postnataler Psychose", so der Psychologe. "Aber die Vorfallsrate von Müttern und die von Vätern ist durchaus vergleichbar." 

Konkret heisst das: Etwa zehn Prozent aller Väter sind nach der Geburt ihres Kindes von Depressionen betroffen. Ganze 18 Prozent würden sogar eine Angststörung entwickeln, so der Forscher. "Das sind sehr ähnliche Werte wie bei Müttern. Die Zahlen zeigen eindeutig, dass es sich nicht um ein medizinisches Problem handelt, von dem ausschliesslich Frauen betroffen sind", ergänzt Psychologin Sara Rosenquist vom Center for Reproductive Health Psychology im veröffentlichten Paper. Interessant: Bei Männern äussert sich die postnatale Depression im Gegensatz zu Frauen weniger durch Traurigkeit oder Niedergeschlagenheit – sondern durch überhöhte Aktivität. Sie stürzen sich also eher in Arbeit und vermeiden die Auseinandersetzung mit der Partnerin. 

Hormone und Schlafmangel 

Die Gründe für die Entwicklung dieser Symptome sind allerdings noch nicht ganz geklärt. Ein Ansatz könnten hormonelle Veränderungen bei den Vätern sein: In ihren Untersuchungen stellten die Forscher einen Anstieg des Hormons Prolaktin fest, was durch den erhöhten Stress nach der Geburt des Babys ausgelöst werden könnte. Während Prolaktin bei Frauen in der Schwangerschaft für die Milchproduktion sorgt, lässt es bei Männern den Testosteronspiegel sinken – und das kann die Wochenbett-Depression verursachen. Alles könne man aber nicht auf die Hormone schieben: "Ein wesentlicher Faktor ist sicher der Schlafmangel." 

Die Forscher schlagen deshalb vor, nach der Schwangerschaft nicht nur ein Auge auf die Mütter zu werfen, sondern auch wachsam mit der psychischen Verfassung von Vätern umzugehen. Also liebe Papas, traut euch offen mit dem Thema umzugehen.

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