lohngleichheit
Anna Tea

"Von Lohngleichheit profitieren auch Männer"

von Marie Hettich

20 SEPTEMBER 2018

Life

Am Samstag findet in Bern eine Demonstration für Lohngleichheit statt. Nicolas Zogg vom Dachverband der Schweizer Männer- und Vaterorganisationen erklärt, warum es sich auch für Männer lohnt, auf die Strasse zu gehen.

Viele Frauen haben sich den kommenden Samstag schon vor Wochen fett in ihre Agenden eingetragen: Der Schweizerische Gewerkschaftsbund veranstaltet in Bern eine Demo für Lohngleichheit und gegen Diskriminierung. Um 13.30 Uhr gehts auf der Schützenmatte los, mehr Infos gibts hier. Warum sich Frauen für das Thema einsetzen, liegt auf der Hand – aber was hätten Männer davon, wenn die Höhe des Gehalts keine Frage des Geschlechts mehr wäre? Wir haben mit Nicolas Zogg, Leiter Politik und Medien bei maenner.ch, telefoniert.

Nicolas, auf Facebook habt ihr Männer dazu aufgefordert, am Samstag ebenfalls demonstrieren zu gehen. Warum? Weil wir für gleiche Rechte und Pflichten in allen Bereichen sind. Und weil Männer ohne Lohngleichheit ganz schnell in der Ernährerfalle landen.

Will heissen? So bezeichnen wir das, was passiert, wenn ein Paar ein Kind bekommt, die Frau beim Kind bleibt, und der Mann fortan das Geld nach Hause bringt. Der Mann wird plötzlich auf die Ernährerrolle reduziert – und nimmt diese auch sehr ernst. Das hat zwar oftmals mit dem traditionellen Rollenverständnis zu tun, aber auch die Ökonomie spielt eine riesengrosse Rolle: Wenn das Gehalt des Mannes höher ist, liegt die Entscheidung nahe, dass er im Job bleibt und die Frau eine Zeit lang aussetzt. Und dass Männer tendenziell mehr verdienen als Frauen, ist leider Fakt.

Aber wieso ist von einer Falle die Rede? Die Falle besteht darin, dass sich ein Paar aus vermeintlich pragmatischen Gründen für die traditionelle Rollenteilung entscheidet, obwohl es sich als gleichberechtigt versteht. Wenn die Rollenteilung aber so einseitig stattfindet, hat dies schwerwiegende Konsequenzen: Der eine Elternteil macht Karriere und vernachlässigt dafür die Familienarbeit und die Bindung zu den Kindern. Der andere Elternteil verzichtet auf ein eigenständiges Einkommen, und wird dafür unbezahlter Care-Spezialist. Dabei ist diese einseitige Aufteilung weder fair noch sinnvoll. Wenn die Partnerschaft zerbricht, zeigen sich die Konsequenzen am deutlichsten: Väter werden dann teilweise zu blossen Zahlvätern degradiert und Mütter finden oftmals nur schwer ins Berufsleben zurück.

Würden nicht auch Kids davon profitieren, ihre Väter mehr um sich zu haben? Definitiv. Es ist belegt, dass Kinder weniger zu Gewalt- und Suchtverhalten neigen, wenn die Väter im Alltag präsent waren. Zudem muss man auch ganz klar sagen, dass das Familiensystem aus ökonomischer Sicht viel stabiler ist, wenn es sich auf mehr als eine Säule abstützt: Falls ein Einkommen mal wegfallen sollte, kann das andere kompensieren.

Allerdings hat kürzlich eine Studie ergeben, dass Männer – auch Väter – am glücklichsten sind, wenn sie Vollzeit arbeiten. Das klingt nicht, als hätten sie grosse Sehnsucht danach, mehr Zeit mit ihren Kindern zu verbringen. Das ist eine Realität und das dürfen wir auch nicht schönreden. Viele Männer sind zufrieden mit der ungleichen Rollenteilung – genauso wie es auch viele Frauen gibt, die alles beim Alten belassen möchten. Aber man muss auch schauen, wie so ein Ergebnis zustande kommt. Männer werden darauf getrimmt, Leistung zu erbringen und die Familie finanziell zu versorgen. Und es gibt auch klare politische Aussagen – der fehlende Vaterschaftsurlaub und zu wenige Teilzeit-Stellen für Männer beispielsweise. Ausserdem schrecken sicher auch manche vor der Arbeit zurück, die bei der Kindererziehung und im Haushalt anfällt. Es braucht dringend ein Umdenken: Care-Arbeit muss geteilt werden, auch wenn es für Männer nicht immer die angenehmere Option ist.

Wo sind die Männer, die sich eine Veränderung wünschen? Wir hören immer wieder von Männern, dass sie keine Wochenend-Daddys mehr, sondern im Familienalltag präsent sein möchten. Aber es gibt nach wie vor sehr viele Widerstände, die Männer daran hindern, den Wunsch nach Gleichstellung auch wirklich umzusetzen – im eigenen Kopf und im Umfeld.

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