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Lukasz Wierzbowski

Darf ich beim Arbeiten fehlen, weils mir psychisch schlecht geht?

von Stephanie Vinzens

23 SEPTEMBER 2019

Health

Eine riesige schwarze Wolke schwebt gerade über euch, doch ihr wisst nicht, ob ihr euch in so einem Fall krank melden dürft? Wir haben bei einer Expertin nachgefragt.

Wenn der Magen verrückt spielt oder die Grippe zuschlägt, ist der Fall klar: Im Geschäft Bescheid geben, dass der Kopf brummt und sich Zuhause verkriechen. Was aber, wenn unsere mentale Gesundheit leidet? Sollte der Arbeitgeber davon auch erfahren?

Diese Frage stellen sich mittlerweile wahrscheinlich immer mehr Menschen. Wie aktuelle Zahlen der Schweizer Versicherungen zeigen, nehmen Krankschreibungen aufgrund psychischer Leiden nämlich konstant zu.

Mehr Stress, mehr psychosoziale Risiken

Vergangenes Jahr hat etwa die Krankenkasse Swica bekannt gegeben, dass Arztzeugnisse aufgrund psychischer Leiden innerhalb von fünf Jahren um ganze 35 Prozent gestiegen sind. Eine in diesem Jahr veröffentlichte Befragung des Bundesamtes für Statistik zeigt zudem, dass Stress und psychosoziale Risiken am Arbeitsplatz zunehmen. Ein weiterer Faktor für die gestiegenen Zahlen sei, dass wir heute offener mit psychischen Erkrankungen umgehen und Ärzte stärker darauf sensibilisiert sind, so Arbeitspsychologen.

Wie aber geht man hier am besten vor? Wie offen sollten wir dem Arbeitgeber gegenüber sein? Wir haben bei Christine Michel, Fachsekretärin für Gesundheitsschutz bei der Unia, nachgefragt.

Frau Michel, darf ich mich krank melden, wenn ich eigentlich gesund bin, aber gerade eine persönliche Krise durchmache? Krisen und Verstimmungen gehören zum Leben. Entscheidend ist, ob jemand wirklich krank und damit arbeitsunfähig ist. Nur dann ist es richtig, zu Hause zu bleiben. Arbeit kann zudem auch eine stabilisierende Funktion haben, wenn der Grund für die Erkrankung nicht in der Arbeit liegt.

Bei psychischen Leiden ist es aber schwierig selbst abschätzen zu können, ob man Zuhause bleiben sollte. Ist man unsicher, lohnt es sich, eine Ärztin oder einen Arzt aufzusuchen. Diese können beurteilen, ob eine kurze oder längere Auszeit geeignet ist, um wieder gesund zu werden. So oder so: Psychische Erkrankungen gehören genauso in Behandlung wie körperliche.

Muss ich meinen Vorgesetzten beim Krankmelden sagen, was mir fehlt? Nein, dazu sind Sie nicht verpflichtet. Für den Arbeitgeber ist bedeutend, ob die Person ganz oder teilweise arbeitsunfähig ist – und bis zu welchem Zeitpunkt diese Arbeitsunfähigkeit voraussichtlich dauern wird.

Was, wenn eine psychische Erkrankung diagnostiziert wird? Dann ist es immer noch kein Muss. Sind Anpassungen in der Arbeitsorganisation nötig, ist es allerdings empfehlenswert. Ob man den Betrieb darüber informieren will, hängt aber stark vom Arbeitsklima und der Arbeitskultur ab. Psychische Erkrankungen sind leider immer noch mit Vorurteilen behaftet.

Brauche ich jedes Mal ein neues Arztzeugnis, wenn ich trotz Diagnose weiter arbeite, aber hin und wieder ausfalle? In den Anstellungsbedingungen ist jeweils geregelt, ab welchem Tag man ein Arztzeugnis vorlegen muss. Auch im wiederholten Falle muss dann wieder eines eingereicht werden.

Kann mir mein Arbeitgeber wegen einer psychische Erkrankung kündigen? Nicht während einer Krankschreibung. Allerdings herrscht in der Schweiz ein liberales Arbeitsrecht: Es kann ohne Angabe von Gründen gekündigt werden. Wenn jemand psychisch bedingt häufiger fehlt, sollte er oder sie also gemeinsam mit der behandelnden Fachperson schauen, ob eine Krankschreibung oder aber Anpassungen am Arbeitsplatz hilfreicher wären.

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