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Darum liebe ich es, alleine zu wohnen

von Janine Heini

24 NOVEMBER 2019

Life

Praktikantin Janine ist vor Kurzem in ihre erste eigene Wohnung gezogen – und fragt sich, warum sie so lange damit gewartet hat.

In mehr als einem Drittel der 3.8 Millionen Schweizer Haushalte wohnen Einzelpersonen. Tendenz steigend. Und nachdem ich nun seit einigen Monaten in meiner eigenen Bude wohne, verstehe ich auch sehr gut, warum: Alleine wohnen ist einfach das Beste. Du kannst tun und lassen, was du willst – und zwar die ganze Zeit. Nackt herumspazieren und auf dem Sofa essen zum Beispiel.

Ich habe schon diverse Wohnsituationen hinter mir: Hab bei meinen Eltern gewohnt, mit meiner Mutter und Schwester, im Studenten-Wohnheim, oder in dreckigen Model-Appartements. In einer wunderschönen Stadtwohnung mit meiner Kollegin, in einer WG mit vier Mitbewohnerinnen und Mitbewohner, ganz kurz noch mit meinem letzten Freund: Und jetzt: endlich in meiner ersten eigenen Wohnung.

Ich kann ins Badezimmer, so lange ich will

Ich liebe, dass ich auf niemanden Rücksicht nehmen muss. Ich kann meine Smoothies jetzt mixen, wann ich will – und muss nicht wie früher in der WG frühmorgens auf den Balkon stehen (ja, auch bei Minusgraden) damit ich niemanden aufwecke. Ich kann ins Badezimmer, wann ich will und so lange drin bleiben, wie ich will. Es ist niemand da, der in den Ausgang will, obwohl ich eigentlich geplant hatte, ins Gym zu gehen.

Ich werde nicht versehentlich aufgeweckt oder darauf aufmerksam gemacht, dass meine Schuhe das Entrée versperren. Ich muss zu keiner Zeit irgendwelche Kompromisse eingehen, sondern besitze die Freiheit, alles selber entscheiden zu dürfen. Zum Beispiel wann, was, wo und wie ich zu Abend essen will.

Alleine wohnen macht mich produktiver

Ausserdem bin ich in meiner Single-Wohnung produktiver: Wenn ich abends noch etwas arbeiten möchte, kann ich das in Ruhe tun. Da ist niemand, der mich ablenkt.

Weitere Pluspunkte betreffen Einrichtung und Ordnung. In meiner Wohnung sieht jetzt einfach alles haargenau so aus, wie es mir gefällt – auch wenn es ein rosaroter Mädchentraum ist. Und endlich ist alles so ordentlich und sauber, wie ich es möchte. Nie mehr muss ich mich wegen irgendwelchen Spuren, die jemand hinterlassen hat, ekeln. Denn ich putze schliesslich nur meinen eigenen Dreck weg.

Meine Freundschaften schätze ich seit meinem Umzug in die eigene Bude noch mehr: Ich verbringe die Zeit mit meinen Freunden nämlich ganz bewusst und entscheide selbst, wann ich Gesellschaft haben möchte.

Wenn ich alleine sein will, mir die Stille aber zu still ist, höre ich Musik oder Podcasts. In der Zeit, in der ich mich mit Wissenswertem berieseln lasse konnte ich mir bisher sogar eine neue Sprache aneignen. Nicht schlecht, oder?

Selbstreflektion ist der Schlüssel zum Glück

Das ist es doch, wovor so viele Angst haben: alleine sein. Doch alleine sein bedeutet ja nicht zwingend einsam sein. Ich habe meine Me-Time jedenfalls zu schätzen gelernt. Die intensive Beschäftigung mit mir selbst führt nämlich dazu, dass ich meine Handlungen konstant hinterfrage – und Selbstreflektion ist für mich der Schlüssel zum Glück. Ich habe schon viel über mich gelernt und in der Zeit in meiner eigenen Wohnung gemerkt, dass ich mich immer auf mich selbst verlassen kann. Und das ist ein unglaublich schönes Gefühl.

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