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Alkohol trinkende Frauen werden als sexuell verfügbar wahrgenommen

von Gina Buhl

20 MAI 2019

Life

Eine neue Studie zeigt: Frauen, die in der Öffentlichkeit Alkohol trinken, werden als Sexobjekte wahrgenommen – Männer nicht.

"Sie sieht aus, als wäre sie ein Tier im Bett" lautet der Titel einer neuen Studie, die gerade im US-Psychologiemagazin "Sex Roles" erschienen ist. Forscher der Universität in Nebraska und der Iowa State University haben untersucht, wie Frauen und Männer in der Öffentlichkeit wahrgenommen werden, wenn sie Alkohol trinken – und wie der Untertitel der Studie "die Dehumanisierung von trinkenden Frauen im sozialen Kontext" erahnen lässt, sind die Ergebnisse mehr als schockierend.

Trinkende Frauen werden anders wahrgenommen als trinkende Männer

Den 398 Teilnehmerinnen und Teilnehmern der Studie wurden Fotos gezeigt, auf denen junge Männer und Frauen zu sehen waren: Sie standen an einer Bar – entweder mit einer Flasche Wasser oder einer Flasche Bier in der Hand. Anschliessend wurden den Studienteilnehmerinnen und -teilnehmern eine Auswahl an Adjektiven vorgelegt, mit denen sie die gezeigten Männer und Frauen beschreiben sollten. Das Resultat: Die trinkenden Frauen wurden komplett anders wahrgenommen als die trinkenden Männer – und zwar von beiden Geschlechtern.

"Sexuell verfügbar" und "weniger menschlich"

Konkret wurden die Frauen mit Bier in der Hand mehr als doppelt so häufig als "sexuell verfügbar" eingestuft als eine Frau, die Wasser trinkt oder aber ein Mann mit Bier in der Hand. "Sexuell verfügbar" bedeutete im Falle der Studie: "Single" oder "offen für unverbindlichen Sex". Aber nicht nur das: Die Alkohol trinkenden Frauen kamen den Befragten auch "weniger menschlich" vor, als die nicht trinkenden Frauen. "Weniger menschlich" wurde als Synonym für mechanisch, kalt, weniger klug, oberflächlich und unmoralisch verwendet. Wieder gab es hier bei den Männern keinen Unterschied: Die Befragten beschrieben sie in nur 30 von 398 Fällen als "weniger menschlich" egal, ob sie Bier oder Wasser trinken. Gehts noch schlimmer?

Leider ja. Die Forscher fanden nämlich auch noch heraus, dass Menschen potenziell weniger gewillt sind, einer Frau in einer gefährlichen oder unangenehmen Situation zu helfen, wenn sie Alkohol getrunken hat. Laut Studienautorin und Psychologin Jeanine Skorinko gaben die Befragten an, dass sie den Eindruck hätten, die Frau möge das Risiko oder sie fände es gut, von jemandem angefasst zu werden.

Das muss aufhören!

"Das ist extrem schockierend", so Jeanine Skorinko gegenüber der "New York Times". Das finden wir auch. Denn es zeigt erneut, wie objektifiziert (oder dehumanisiert, wie es in der Studie heisst) Frauen in unserer Gesellschaft wahrgenommen werden – und wie ausgeliefert sie dieser Wahrnehmung im Ernstfall sind.

Solche Studienergebnisse dürfen aber nicht zur Folge haben, dass Frauen sich nicht mehr trauen, mit einem Bier an der Bar zu stehen – aus Angst, für Freiwild gehalten zu werden. Tatsächlich sollten nun wirklich alleallealle, die ein bisschen Grips in der Birne haben, dafür kämpfen, dass die Strukturen, die so eine Wahrnehmung seit Jahrhunderten befeuern, bald nicht mehr existieren. Im ersten Schritt bedeutet das für Frauen: Raus aus der Rolle des Objekts und Mund aufmachen.

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