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Bild: Stevan Bukvic

Nachhaltigkeit ist sexy

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8 OKTOBER 2018

Fashion

Karen Fleischmann ist Model, Influencerin, Aktivistin – und will zeigen, dass nachhaltige Mode zu Unrecht als langweilig gilt.

Sie ist ungeschminkt. Und trotzdem – oder gerade deshalb – fast unwirklich schön. Karen Fleischmann, 33, sitzt in einem Zürcher Café, trinkt einen Pfefferminztee und erzählt, wie aus der Miss-Schweiz-Kandidatin aus Schübelbach im Kanton Schwyz eine Kämpferin für die Nachhaltigkeit wurde. 98'600 Follower hat Fleischmann auf Instagram. Tendenz steigend. Ihre Botschaft: #rewear. Zu Deutsch: Ziehs noch mal an.

Was sagst du den Leuten, die bei nachhaltiger Mode noch an beige Juteröcke und Heilandsandalen denken?
Dass Nachhaltigkeit sexy ist. Nicht mehr die kratzige Socke, die das Grosi gestrickt hat. Es ist eine neue Zeit angebrochen, eine neue Fashion-Ära. Ausserdem ist es wichtig, dass man das Bewusstsein für die Notwendigkeit schafft, Ressourcen und Energie zu sparen. Sonst gehen uns die Ressourcen schon bald aus.

Wenn du in deinen Schrank schaust, siehst du dann nur nachhaltige Mode?
Nein, gar nicht. Nachhaltige Mode macht einen grossen Teil meiner Kleidung aus. Aber die Sachen, die ich früher hatte, habe ich behalten. Es wäre ja dumm, alles wegzuwerfen und neu zu kaufen. Das wäre das Gegenteil von nachhaltig. Ich trage gerne Basics und peppe die Outfits mit Accessoires auf.

Du modelst, bist international erfolgreich. Der grosse Teil der Fashion-Industrie steht aber nicht für grüne Mode. Kannst du dich noch an den Moment erinnern, wo dir klar wurde, dass du etwas bewegen willst?
Ich habe 2005 an der Miss-Schweiz-Wahl teilgenommen, danach nahm mich eine Modelagentur unter Vertrag, ich arbeitete viel in Kapstadt und Mumbai. In Indien hatte ich ein Shooting. Dort zeigte der Produzent sehr transparent, unter welchen Bedingungen die Kleider hergestellt werden. Da wurde mir klar: Das mache ich nicht mehr mit. Ich will hinter den Marken stehen, für die ich mein Gesicht hergebe.

Es freut die Model-Agentur sicher wenig, wenn das Model plötzlich schwierig wird, einen eigenen Kopf hat.
Meine Agentur in der Schweiz weiss ganz klar, was ich annehme und was nicht. Aber sicher: Man entschliesst sich, dass man den nachhaltigen Weg gehen möchte. Und dann geht man ihn.

Wenn ich als Konsumentin meine Kaufgewohnheiten nachhaltig verändern möchte: Wie beginne ich am besten?
Ich würde mit den Hosen anfangen. Weil man die nicht jeden Tag waschen muss und sie lange halten. Zum Beispiel Jeans. Die sind toll, man kann sie vielfältig stylen und kombinieren. Lässig oder chic – Jeans gehen immer.

Ist es nicht auch wichtig, einfach weniger zu kaufen?
Auf jeden Fall. Das Ziel nachhaltiger Mode ist nicht zu sagen: Hey, das ist nachhaltig, und dann kaufe ich es in jeder Farbe. Wichtig ist, dass man die Sachen gut kombinieren kann. Und: Mögt die Sachen, die ihr schon habt!

Viele Influencer regen ihre Follower zum Kauf von neuen Dingen an. Du sagst: Ziehts noch mal an.
Ja, klar. Wir lernen, dass wir immer wieder, ganz schnell und unbedingt neue Sachen brauchen. So funktioniert Fast Fashion – viele Kollektionen, viele neue Kleider, Blusen, Schuhe in den Schaufenstern. Und die Influencer sagen auch: Schau mal, wie schön ich darin aussehe, das habe ich neu. Wir kaufen und kaufen. Das meiste ziehen wir dann gar nicht an. Ich poste bewusst Fotos, auf denen ich Sachen trage, die ich in früheren Posts schon anhatte. Rewear, eben.

Wie kann ich in Sachen Mode zur Energieheldin werden?
Vintage tragen ist toll. Am nachhaltigsten ist sowieso das Wiederverwerten von Kleidung, die schon im Kreislauf ist. Also secondhand kaufen. Rate mal, wie viel Wasser man zur Herstellung einer neuen Jeans braucht?

500 Liter?
Nein, 2000 Liter. Wenn man eine Vintage-Hose kauft, spart man die Herstellung einer neuen. Also hat man 2000 Liter Wasser gespart. Aber logisch, durch Secondhandläden zu ziehen, liegt nicht jedem. Darum ist es wichtig, das Segment nachhaltige Mode so zu öffnen, dass jeder etwas darin findet und Spass daran hat.

Hast du noch weitere Tipps, wie man im Alltag Energie sparen kann?
Die Waschmaschine erst anmachen, wenn man eine ganze Ladung mit Wäsche hat. Und die Kleider mit 30 statt 40 Grad waschen.

Wie sind die Reaktionen auf deine Beiträge über nachhaltige Mode? Giltst du als Ökotante oder Spassbremse?
2018 ist das Jahr, in dem sich viel geändert hat. Früher hat man nur die Leute erreicht, die sich sowieso schon in der Szene bewegt haben, man hat die eigene Bubble bedient. Aber jetzt ist das Interesse an dem Thema plötzlich gross geworden. Das ist ja auch das Ziel: Nachhaltigkeit muss Mainstream werden.

Auf deinen Posts rätst du auch, Sachen so lange zu tragen, bis man daraus Putzlappen machen kann. Wie gross ist deine Putzlappen-Sammlung?

Karenpost

Lies hier den Post von Karen Fleischmann.

Als Influencer kriegt man viele Sachen zugeschickt. Die trage ich aber nicht alle, bis sie Putzlappen sind. Sonst hätte ich wieder viel zu viele Kleider. Ich habe ja nur zwei Arme, zwei Beine, einen Kopf. No way, dass ich das alles anziehen kann. Darum habe ich beschlossen, die Sachen zu shooten, dann stelle ich sie auf die Website Bcozwecare.com, wo man sie zu einem fairen Preis kaufen kann. Die Einnahmen gehen an einen wohltätigen Zweck.

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Dieser Beitrag ist eine Zusammenarbeit von Commercial Publishing Tamedia und EnergieSchweiz.