Foifiteaser
Bild: Stevan Bukvic

Null Bock auf Abfall

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2 OKTOBER 2018

Life

Tara Welschinger ist die Vorreiterin der Zero-Waste-Bewegung in der Schweiz.

Ihr altes Leben lässt sich am besten in Zahlen beschreiben: 150 Paar Schuhe, 7-Zimmer-Haus, 6-stelliges Gehalt.

Ihr neues Leben hat nur eine Zahl. Die Null. Die Unternehmerin Tara Welschinger hat sich vorgenommen, was eigentlich unmöglich scheint: keinen Abfall zu produzieren.

«Ich will nicht missionieren oder nerven», sagt die 42-Jährige. «Aber ich hoffe, dass ich zum Nachdenken anregen kann.»

Food for Thought 1

Im Durchschnitt füllt jeder Schweizer und jede Schweizerin jährlich 70 Abfallsäcke à 35 Liter. Welschinger, ihr Lebenspartner und ihr Kater kommen gemeinsam im Jahr mit zwei 35-Liter-Säcken aus.

Der Wendepunkt kommt für Tara Welschinger vor zwei Jahren auf einer Reise durch Asien. Sie sitzt am Strand in Myanmar, sieht drei fein säuberlich getrennte Haufen: Plastik, Büchsen und Restabfall. Dann kommt die Flut, schwemmt alles ins Meer. Der Ozean als Müllkippe – mit fatalen Folgen für die Umwelt.

Wieder zu Hause in Zürich, beschäftigt sie sich intensiv mit dem Thema Abfall. «Ich war eine To-go-Anhängerin», sagt sie. «Kaffee zum Mitnehmen, Essen als Take-away – klar war das praktisch.» Aber jetzt stört sie sich an den Verpackungen, die sie wegwirft; dem Berg von Abfall, den sie verursacht. Sie beginnt, möglichst verpackungsfrei einzukaufen. Bringt ihre eigenen Behälter mit, lässt sich Käse in ein Bienenwachstuch und Fleisch in die Tupperdose packen. Bei den Grossverteilern ist das schwierig, Welschinger weicht auf Märkte und Quartierläden aus.

Food for Thought 2

Die meisten To-go-Becher sehen zwar aus, als seien sie zu 100 Prozent aus Karton, sind auf der Innenseite aber mit einer feinen Plastikschicht überzogen. Das macht das Recycling fast unmöglich.

Erst ändert Tara Welschinger ihr Verhalten beim Nahrungsmitteleinkauf, dann fängt sie an, den Rest ihres Lebens umzukrempeln. Make-up macht sie eine Weile lang selbst, dann verzichtet sie ganz darauf. Auch Putzmittel stellt sie selbst her. Tipps und Tricks, um stetig Abfall zu reduzieren, recherchiert Welschinger im Internet. «Es gibt coole Tutorials, durch die man lernt, wie man zu Hause Mascara oder Deos machen kann.»

Food for Thought 3

Bis zu 100 Geräte sind in einem Schweizer Haushalt in Betrieb. Darunter verstecken sich auch Stromfresser: Aquarien, Luftbefeuchter oder beheizte Wasserbetten gehören zu den heimlichen Grossverbrauchern.

Sie zieht aus ihrem 7-Zimmer-Haus in eine 45-Quadratmeter-Wohnung. Entrümpelt radikal. Bücher holt sie fortan in der Bibliothek, Musik streamt sie. Das Velo kommt weg, weil sie es nicht oft genug braucht und es nicht vor sich hin rosten soll. Ihre Freundinnen und Freunde bittet sie, ihr keine Dinge mehr zu schenken, sondern etwas mit ihr zu unternehmen. Von den 150 Paar Schuhen, die sie einst in ihrem begehbaren Kleiderschrank hortete, besitzt sie heute noch 15 Paar. «Ich finde Mode toll und habe früher auch viel gekauft. Jetzt tausche ich lieber.»

Food for Thought 4

Laut einer deutschen Studie verursacht ein einziges Baumwoll-T-Shirt insgesamt 11 Kilo CO2. Aufgeschlüsselt sieht das so aus: Baumwollanbau: 12 Prozent. Herstellung: 28 Prozent. Transporte: 3 Prozent. Distribution: 8 Prozent. Katalog: 14 Prozent. Verpackung: 2 Prozent. Gebrauchsphase: 31 Prozent. Entsorgung: 2 Prozent.

Aber Tara Welschinger will auch anderen helfen, weniger Abfall zu produzieren. Ihren Kaderjob in einer Kommunikationsagentur kündigt sie, im März 2017 eröffnet sie mit Freunden im Zürcher Kreis 5 ihren Zero-Waste-Laden Foifi. Dort gibt es 200 Alltagsartikel – verpackungsfrei. Kundinnen und Kunden füllen Gemüse, Reis, Nudeln, Schokolade in eigene Taschen, Gläser, Säcke. Wer ohne Behälter kommt, dem wird mit Transportideen geholfen. So trug schon mal eine Kundin Reis in einer gewaschenen Tennissocke nach Hause. «Von Jung bis Alt, von Anzugträger bis zum totalen Öko – im Foifi kommt alles zusammen. Das macht die Arbeit und die Begegnungen so spannend», sagt Welschinger. Reich wird sie mit ihrem Geschäft nicht – aber das ist auch nicht ihr Ziel. «Wir wollen die Löhne, die Miete und die Lieferanten bezahlen können.» Sie selbst braucht durch ihren bewusst reduzierten Lebensstil wenig Geld. «Logisch habe ich früher viel mehr ausgegeben. Trotzdem lebe ich jetzt gesünder und kaufe besser ein.»

Food for Thought 5

Ist das Müll? Defekte Geräte, die älter als zwölf Jahre sind, haben in der Regel einen hohen Stromverbrauch und sollten entsorgt werden. Bei jüngeren Geräten kann sich eine Reparatur aber lohnen.

Oft ist Welschinger auch als Zero-Waste-Botschafterin in Schulen und Firmen unterwegs. Dabei will sie nicht den Mahnfinger heben, sondern erzählen, wie das Leben ohne Abfall funktioniert. «Ich will keinem ein schlechtes Gewissen machen. Man muss grosszügig miteinander umgehen. Aber mein Traum ist, dass die Menschen bewusster und verantwortungsvoller einkaufen. Und auch die Grossverteiler mehr verpackungsfreie Lebensmittel anbieten.»

Food for Thought 6

Papier sparen heisst auch Energie sparen: Wenn man den Energieverbrauch selbst decken könnte, müsste man für die Herstellung eines Blattes Papier aus Frischfasern 10 Minuten lang tanzen (60 Wh).

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Dieser Beitrag ist eine Zusammenarbeit von Commercial Publishing Tamedia und EnergieSchweiz.