Männer, traut euch an Beziehungen ran!

Halb-Beziehungen, Wochenend-Affären, Friends with Benefits: Schluss mit dem halbgaren Quatsch. Unser Autor Sascha Chaimowicz findet, dass Männer aufhören sollten, so feige zu sein.

Männer, traut euch an Beziehungen ran!
Bild: Getty Images Schluss mit den halben Sachen!
16 Mai '16
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Es sei so schrecklich paradox, erklärte mir neulich eine gute Freundin: "Ihr Männer startet immer mit Vollgas, so, als ginge es euch um die grosse Liebe. Und dann, nach einigen Wochen, manchmal Monaten, habt ihr plötzlich keine Lust mehr auf Bindung. Einfach so, ohne Vorwarnung." Sie spielte auf einen Mann an, mit dem sie schläft, sonntags kocht, Serien schaut, einmal sogar für zwei Tage in die Berge fuhr. Als sie ihn am Wochenende, fünf Monate nach dem Kennenlernen, fragte, wie es seiner Meinung nach mit ihnen weitergehen solle, antwortete er: "Ich finde dich toll, aber ich will im Moment keine feste Bindung." Er brauche keine klare Definition für das, was sie beide seien.

Zu feige für ein Ja

Ich glaube nicht, sagte ich zu dieser Freundin, dass er keine Lust auf Bindung habe. Denn der Mann will ja nicht, dass sie sich seltener sehen. Er ist einfach zu feige, es Beziehung zu nennen. Es ist, als hätten Männer den Eindruck, sie seien justiziabel, sobald sie Ja zur Beziehung sagen. Das kindische Kalkül: Wenn sie nie offiziell Freund und Freundin sagen, wirds auch nicht so schlimm, wenn das Verhältnis irgendwann mal scheitert.

Ist die Bequemlichkeit Schuld?

Diese Anti-Bindungs-Haltung ist bequem, sie lässt sich sehr leicht vor sich hertragen als Mann, man ist der einsame Wolf mit Whiskeyglas, der keinen Zaun duldet und das Jagen nicht lassen kann. Doch was Frauen berechtigterweise verwirrt, ist, dass diese Einstellung nicht zu der Art passt, wie sich viele Männer in ihren Halb-Beziehungen benehmen. Die ständigen Whatsapp-Nachrichten, in denen sie von den Ärgernissen im Job erzählen, die Fotos, die sie an Weihnachten mit der Familie zeigen, das stundenlange Kuscheln und Filme schauen vor und nach dem Sex. Diese Männer machen eigentlich nichts anderes als eine Beziehung zu führen, viele sind in ihren undefinierten Halb Beziehungen sogar vollkommen freiwillig und selbstverständlich treu – doch dann verkrampfen sie, wenn es ernst werden soll, wie sie es nennen.

Am Schlussstrich kommt man nicht vorbei

In ihrer Vorstellung ist die feste Beziehung etwas so Staatstragendes, dass man sich unmöglich dafür entscheiden kann, ohne sich vorher komplett sicher zu sein. Sie haben Angst davor, in einigen Monaten zu merken, dass die Frau doch nicht die Richtige war und man sich trennen muss. Es herrscht vorsorglich schon eine Panik vor diesem Trennungsgespräch, bei dem die Frau vor einem steht, eine Rechtfertigung von einem erwartet und weint. Offenbar ist vielen Männern nicht klar: Das Gespräch wird genauso unangenehm, wenn ihre vermeintlich lockere, nichtdefinierte Beziehung in die Brüche geht.

Das Leben ist kein Disneyfilm

Wir Männer sollten deshalb dringend mutiger werden. Führen wir gerade eine Halb-Beziehung mit einer Frau, die wir toll finden, schlau, attraktiv und lustig, sollten wir einfach folgendes machen: Aufstehen, zu ihr fahren – und deutlich aussprechen, dass wir mit ihr zusammen sein wollen. Mag sein, dass hinter der nächsten Ecke eine noch tollere Person wartet. Doch woher will man das wissen? Wir leben nicht in einem Disneyfilm, in dem einem aus den Augen kullernde Herzchen signalisieren, dass man endgültig richtig liegt. Liebe ist immer ein Risiko, man weiss nie, was aus ihr wird. Doch was ist das für ein Leben, wenn wir die Liebe nicht trotzdem wagen?

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