Bekommt man vom Joggen einen Hängebusen?

Beim Trainieren hat sich so manche Behauptung hartnäckig in unseren Köpfen festgesetzt. Wir haben einen Experten gefragt, was dran ist.

Von: Gina Buhl

Bekommt man vom Joggen einen Hängebusen?
Bild: Getty Images Ob sich Gwynnie das beim Joggen auch schon gefragt hat?
02 Feb '18
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Sport ist eigentlich eine unkomplizierte Sache, sollte man meinen: Man bewegt sich, schwitzt und fühlt sich anschliessend (in der Regel) besser. Kaum hat man aber mit dem Training begonnen, tauchen auf allen Kanälen Behauptungen, Tipps und Must-Do's auf – und machen alles doch irgendwie komplizierter als gedacht.

Schluss damit! Wir wollen dem Halbwissen jetzt den Garaus machen und haben Sportmediziner Dr. Stefan Fröhlich von der Universitätsklinik Balgrist gefragt, was an den gängigsten Sport-Mythen dran ist.

  1. Die Fettverbrennung wird erst nach 30 Minuten angekurbelt

     

    Das sagt der Experte: "Das ist Quatsch. Es ist zwar so, dass die Fettverbrennung am Anfang einer sportlichen Aktivität noch eine untergeordnete Rolle spielt, aber sie passiert trotzdem – auch wenn wir nur fünf Minuten Sport machen."

    Yes!

  1. Ohne Muskelkater hat mein Training nichts gebracht

     

    Das sagt der Experte: "Doch. Auch Spitzensportler haben nicht nach jedem Training Muskelkater. Die Mikroverletzungen in den Muskeln treten umso stärker auf, je ungewohnter eine Belastung ist. Heisst: Wenn du anfängst zu trainieren, hast du bei der gleichen Belastung noch viel stärkeren Muskelkater, wie wenn du ein ähnliches Training schon seit Wochen regelmässig absolvierst. Das bedeutet aber nicht, dass das Training deshalb irgendwann nicht mehr effektiv ist, nur weil du es nicht mehr so spürst."

  1. Vom Joggen kriegt man einen Hängebusen

     

    Das sagt der Experte: "Leider gibts dazu noch keine wissenschaftlichen Untersuchungen. Aber: Es gibt die Theorie, dass die sich ständig wiederholende Erschütterung beim Joggen einen Hängebusen verstärken könnte – zumindest, wenn eine Veranlagung für Bindegewebsschwäche besteht und die Brust nicht gestützt wird. Bei Verwendung eines guten Sport-BHs sollte das aber nicht passieren."

    Also Girls, ihr wisst was zu tun ist.

  1. Das beste Mittel gegen Muskelkater ist Sport

     

    Das sagt der Experte: "Ein ultimatives Mittel gegen Muskelkater gibt es nicht. Aber es gibt durchaus Dinge, die helfen können – moderates Ausdauertraining etwa. Dabei wird nämlich die Durchblutung der Muskulatur verbessert, die durch die Mikroverletzungen entstandenen Abfallstoffe besser abtransportiert und die Entzündungsreaktion wird unterdrückt. Was auch noch helfen kann: Kälte-Anwendungen nach dem Sporteln und proteinreiches Essen wie Poulet oder Quark."

  1. Bei einer leichten Erkältung darf ich weiter trainieren

     

    Das sagt der Experte: "Bei einer leichten Erkältung mit Schnupfen oder Halsschmerzen ist ein leichtes Training in der Regel kein Problem. Gefährlich wird es allerdings, wenn man trotz Fieber, Brustschmerzen, Herzrasen/Herzrhythmusstörungen, Atemnot oder unnormaler Erschöpfung weiter trainiert."

    Denkt dran, Leute!

  1. Sport lindert Cellulite

     

    Das sagt der Experte: "Ja und nein. Die bei Cellulite vorhandenen Veränderungen des Bindegewebes können durch den Sport nicht wegtrainiert werden. Aber: Durch die besser trainierte und somit voluminösere Muskulatur darunter sieht man die Cellulite weniger. Insofern hat Sport zumindest einen indirekten Einfluss."

     

  1. Wenn ich wochenlang Sit-ups mache, bekomme ich ein Sixpack

     

    Das sagt der Experte: "Ja, das ist tatsächlich so. Empfehlen würde ich das trotzdem nicht. So ein einseitiges Bauch-Training bedeutet nämlich eine ziemlich hohe Belastung für den Rücken. Und: Das Sixpack wird nur bei denjenigen zu sehen sein, die keine dicke Fettschicht über den Bauchmuskeln haben."

    Schade.

  1. Dehnen vor dem Sport schützt vor Verletzungen

     

    Das sagt der Experte: "Nein. Davon sind die Wissenschaftler zwar Jahrzehnte lang ausgegangen – in neueren Studien konnte das aber nicht bestätigt werden. Grundsätzlich wird Dehnen zur Vorbeugung oder Behandlung von Muskelverkürzungen zwar empfohlen – dass man sich weniger häufig verletzt, wenn man sich vor dem Sport dehnt, ist aber nicht der Fall."

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