Wir wohnen jetzt zusammen – die Zwischenbilanz

Letzten Sommer ist Redaktorin Gina Buhl mit ihrem Freund zusammen gezogen. 8 Dinge, die sie jetzt besser weiss.

Wir wohnen jetzt zusammen – die Zwischenbilanz
Bild: Lukasz Wierzbowski Nicht nur Küche aufräumen ist besser zu zweit.
18 Jan '18
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Ganze sieben Jahre lang habe ich alleine gewohnt – und fand das ziemlich grossartig. Nachdem mein Freund und ich irgendwann aber gemerkt haben, dass wir sowieso die meiste Zeit zusammen in meiner Einzimmer-Wohnung abhängen, haben wir uns letzten Sommer entschieden, zusammenzuziehen – für mich komplettes Neuland.

Hier also die Erkenntnisse eines Zusammenwohn-Newbies:

  1. Einer ist immer der Ordentliche

    Und das wiederum bedeutet: Einer ist immer der Unordentliche. In unserem Fall bin das überraschenderweise ich. Überraschend deshalb, weil ich mir meinem Hang, die Klamotten auf den Boden zu schmeissen, und dort drei Wochen unberührt liegen zu lassen, davor nicht so bewusst war. Ups!

  1. Meine Crèmes und Shampoos sind unsere

    Am Anfang hab ich mich noch darüber gewundert, warum die 120 Franken teure Crème bereits nach einer Woche halb leer war und die Shampooflasche in der Mitte plötzlich so einen blöden Falz hatte. Spätestens als mir beim Knutschen eine süsse Rosenwasser-Brise in die Nase stieg, war der Fall klar.

  1. Zu zweit Kochen ist viel schöner

    Gemüse schnippeln, anbraten, irgendwas dazu mischen, stehend in der Küche essen und dann abwaschen: So sah Kochen bei mir früher aus. Mittlerweile weiss ich: Es gibt wenig Besseres, als gemeinsam zu schnippeln, während trashige Radiomusik im Hintergrund läuft, am Tisch über die Konsistenz des Tofus zu philosophieren – und beim Küche aufräumen ziemlich viel Zeit zu sparen, weil das zusammen nun mal viel, viel schneller geht.

  1. Über Haare im Bad regen sich beide auf

    Rätselhaft: Entweder haben wir beide am Tag des Einzugs Haarausfall bekommen oder die Tausend Haare, die sich plötzlich quer über den Badezimmerboden verteilen, waren auch schon in unseren Single-Wohnungen da. Nerven tun sie allerdings erst jetzt. Und zwar so richtig. Uns beide.

  1. Er kennt meinen Zyklus jetzt besser als ich

    Obwohl ich meinen Körper ziemlich gut kenne, weiss mein Freund inzwischen schon vor mir, dass ich mich bald für 48 Stunden von einer ausgeglichenen Frau zu einer unnahbaren Zicke entwickle. Fürs liebevolle Verständnis und das Ignorieren meiner schnippischen Kommentare hat er eine 6 in Biologie und den Orden als Best Boyfriend of the World verdient.

  1. Im Schlafzimmer muss eine Entscheidung getroffen werden

    Es klingt vielleicht nach einer Lappalie – aber für jemanden, der sich sieben Jahre allein auf einer Matratze ausbreiten konnte, ist die Entscheidung, auf welcher Seite des Betts man (vielleicht für die nächsten hundert Jahre) schlafen wird, eine grössere Nummer: Für immer am Fenster liegen und einen steifen Nacken in Kauf nehmen oder beim Platz nahe der Türe dem Einbrecher als erstes in die Hände fallen? Theoretisch könnte man sich auch abwechseln – aber macht das irgendjemand? The struggle is real.

  1. Aufs Klo gehen ist un­ent­spannt

    Ausgesprochen lange habe ich die Vorstellung einer gemeinsamen Toilette für eine wirklich sehr schlimme Sache gehalten. Natürlich bleibt mir aber der Gang zum Klo in unserem Liebesnest nicht erspart. Was soll ich sagen: Selbst nach sechs Monaten find ichs noch unangenehm. Und kein Raumspray dieser Welt wird das so schnell ändern.

  1. Es ist immer jemand da

    Egal ob ich von einem Velofahrer angepöbelt wurde, die Kassiererin bei der Migros einen schlechten Tag hatte oder sich gleich die ganze Welt gegen mich verschworen hat: Sobald ich nach Hause komme, ist da jemand, bei dem ich mich auskotzen kann. Ich muss nicht erst zum Hörer greifen und sagen, dass ich etwas auf dem Herzen habe. Er ist einfach da – und das ist wunderschön.

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