Wer fremdgeht, ist ein Vollidiot

Sie sind überall: Menschen, die ihre Partner betrügen. Ein Unding, findet Redaktorin Marie Hettich.

Wer fremdgeht, ist ein Vollidiot
Bild: istockphoto Warum kann man als erwachsener Mensch nicht ein bisschen disziplinierter mit sich selbst sein?
17 Jan '18
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17 Jan '18
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Es war Frühling und ich war 15, als für mich und meine beiden besten Freundinnen feststand, dass wir unsere Sommerferien in der spanischen Party-Hölle Lloret de Mar verbringen werden. Abend für Abend tanzen, trinken, knutschen – schon Monate im Voraus sind wir vor lauter Glück fast ausgeflippt. Doch dann ist kurz vor der Abreise etwas ziemlich Ernüchterndes passiert: Ich war plötzlich in einer Beziehung und musste meine Knutsch-Pläne canceln.

Schon damals war für mich selbstverständlich: Wer seinem Partner versprochen hat, seine Fingerchen bei sich zu lassen, der hat sich daran zu halten – genauso, wie man sich an jedes andere Versprechen hält, das man seinen Mitmenschen macht. Und falls man im Laufe der Beziehung sehr viel Lust auf jemand anderes bekommt, dann macht man halt Schluss.

Stets in Panik, alles könnte auffliegen

Nun bin ich mittlerweile doppelt so alt und habe mitgeschnitten, dass das Leben selten schwarz oder weiss ist, sondern sich innerhalb einer sehr grossen Grauzone bewegt. Es ist kompliziert, Beziehungen sind kompliziert. Es kann zum Beispiel jahrelang dauern, mit jemandem Schluss zu machen. Weil er ein toller Mensch ist oder weil er sich bestimmt irgendwann noch ändern wird, weil die gemeinsame Wohnung so gemütlich ist, weil man, wenn man ehrlich ist, nicht unbedingt Single sein will – die Gründe für ein ewiglanges Abwägen sind unendlich. Ich habe das selbst erlebt.

Und trotzdem: Fremdgegangen bin ich nie – auch wenn ich selbstverständlich manchmal Lust auf andere Männer hatte. Ich kann nicht nachvollziehen, warum man das seinem Partner, aber auch sich selbst antun würde. Wie beschissen muss es sich anfühlen, am nächsten Morgen zerknirscht, seine Kaffeetasse umklammernd, am Frühstückstisch zu sitzen, und zu ahnen: Auch wenn das gar nicht beabsichtigt war – ab jetzt ist alles anders. Entweder habe ich von nun an ein dunkles Geheimnis, das ich wie einen stinkenden Sack ständig mit mir rumschleppe, stets in Panik, alles könnte auffliegen. Oder ich gestehe – und werde meinen Partner richtig mies verletzen. Vielleicht so sehr, dass er mir nie wieder in die Augen schauen – oder, wenns ganz schlecht läuft, nie wieder jemandem so richtig vertrauen kann. Bin ich froh, dass ich das noch nie erleben musste.

"Ich war halt betrunken"

Menschen, die immer wieder ihre Partner betrügen, sind in meinen Augen keine heimlichen Hippies, Freigeister oder Lebemenschen, sondern in allererster Linie charakterschwach und feige. Sie haben nicht die Eier, für das einzustehen, was sie im Leben wollen. Sie sind opportunistisch, weil sie sich selbst das Recht auf eine komfortable Beziehung und gleichzeitig auf wilde Abenteuer zugestehen. Sie schlängeln sich durchs Leben, als wäre es eine Never-Ending-Party ohne jegliche Konsequenzen, und alles, was zählt, ist das eigene Lustprinzip. Als erwachsener Mensch sollte man es doch hinkriegen, ein kleines bisschen diszipliniert mit sich selbst zu sein – vor allem, wenn es um Menschen geht, die uns wichtig sind.

Dabei werden Fremdgänger ganz schön kreativ, wenns um das Rechtfertigen ihres Verhaltens geht – 20 Minuten hat gestern über eine neue US-Studie zum Thema berichtet: “Mein Partner beachtet mich nicht mehr”, “Ich hatte halt Bock drauf”, “Ich war betrunken/auf sonstigen Drogen”, “Mir ging es schlecht”, “In meiner Beziehung lief es zu der Zeit gar nicht gut” – oder, mein Favorit: “Menschen sind nun mal nicht für Monogamie gemacht.” Dann geh halt keine monogame Beziehung ein, du Idiot!

Wie sagt es Alain de Botton in seinem grossartigen Buch “Der Lauf der Liebe” so schön? In einen sauren Apfel muss man beissen: Entweder in den Beziehungsapfel, der manchmal ein bisschen fad schmeckt, oder in den Single-Apfel, mit dem man sonntagabends allein auf der Couch sitzt. Welcher Apfel das ist, bleibt jedem selbst überlassen.

 

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