Diese Hebammen wollen Flüchtlingen helfen

Zwei junge Schweizerinnen haben ein Crowdfunding in die Wege geleitet und wollen mit ihrer mobilen Praxis quer durch Serbien.

Von: Emel Erikçi

Diese Hebammen wollen Flüchtlingen helfen
Bild: zvg Mit einer mobilen Hebammenpraxis wollen Laura und Eliane den Frauen auf der Flucht mit Rat und Tat zur Seite stehen.
12 Jan '18
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Junge Flüchtlingsfrauen werden wesentlich häufiger ungewollt schwanger. Gründe dafür sind einerseits der Mangel an Verhütungsmitteln und andrerseits sexuelle Gewalt in Camps. Was unter so traurigen Umständen bei der Geburt und danach geschieht, hat die Zürcher Hebamme Eliane Reust in einem serbischen Flüchtlingscamp gesehen. 

Bei einem Freiwilligeneinsatz lernte die 32-Jährige Schwangere und frischgebackene Mütter kennen, die in erster Linie aus dem Irak, Afghanistan und aus Syrien kommen. Sie sah, dass viele Frauen für die Geburt in das nächstgelegene Spital gebracht wurden und schon drei Tage später wieder zurück im Camp waren. "Erholen konnten sie sich nicht. Denn der Lärm in den Hallen ist gross. Ständig kommt eine Nachbarin vorbei, um sich ein Kochgeschirr oder Ähnliches auszuleihen, und die Kinder rennen in den Gängen umher und streiten sich lautstark."

Mangel an Hygiene und die Ängste junger Mütter

Auch die fehlende Hygiene ist ein Problem bei Geburten in Camps. Reust sah ein neugeborenes Baby, das bereits Läuse hatte. Ein anderes hatte eine Pilzinfektion im Mund. Beides wird durch mangelnde Hygiene begünstigt und kann mit den richtigen Hilfsmitteln oder verbesserten hygienischen Standards gelindert und bekämpft werden. 

Doch selbst wenn die medizinische Versorgung der Flüchtlingsfrauen ausreichend war – an psychologischer Unterstützung mangelt es vollends: "Ängste um das Muttersein, ihre Sorgen und Bedürfnisse, darum hat sich niemand gekümmert", sagt Reust. 

Sie beschloss, mit Rat und Tat weiterzuhelfen. 

Mit einer mobilen Praxis durch Serbien

Also hat sich Eliane Reust mit ihrer Freundin Laura Alemanno, 30, die sie noch aus dem Hebammen-Studium kennt, zusammengetan und ein Crowdfunding in die Wege geleitet.

"Unser Ziel ist es, 30'000 Franken zu sammeln, um damit mit einer mobilen Hebammenpraxis, dem Mambrella, und dem gemeinnützigem Verein Borderfree Association, durch Serbien zu fahren und an Orten, wo Hilfe benötigt wird, diese anzubieten." Die Angebote der beiden Hebammen umfassen unter anderem Wochenbettbesuche, Schwangerschaftskontrollen und Abgabe von Hygieneartikeln.

Sie wollen ein Bindeglied zwischen den Frauen vor Ort und den bestehenden Strukturen sein: "Die lokalen Fachpersonen sollen sensibilisiert werden, damit sie den Bedürfnisse der Frauen nachgehen können, auch wenn wir nicht mehr da sind." Im Moment steht Serbien auf dem Plan. Wenn es sich ergibt, ziehen die Hebammen auch weiter in andere Länder – solange das Geld eben reicht.

Eliane und Laura brauchen unsere Unterstützung. Auf der Seite 100 Days sammeln die Hebammen Geld, um ihr Projekt zu finanzieren – über 22'000 Franken sind schon da, 8000 Franken fehlen noch. Falls ihr noch nicht ganz überzeugt seid: Am 20. Januar findet in der Zitrone in Zürich ein Benefiz-Fest statt, wo ihr euch mit ihnen austauschen und direkt spenden könnt. Für mehr Informationen, besucht die Seite www.mambrella.ch.

 

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