Darum sind Diäten Blödsinn

Du fühlst dich speckig? Eine Diät ist trotzdem keine gute Idee. Warum, erklärt uns Dr. Erika Toman.

Von: Marie Hettich

Darum sind Diäten Blödsinn
Bild: plainpicture Mit Food auf Kriegsfuss: Das kann ja eigentlich gar keine gute Idee sein.
09 Jan '18
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  1. Strenge Ernährungsregeln machen miese Laune

    Der Januar ist hart genug. Warum sich also hungrig und miesgelaunt durch den Winter quälen? Die Psychotherapeutin Erika Toman, die auf Essstörungen spezialisiert ist, fügt hinzu: "Dies ist auch bezüglich des Idealgewichts kontraproduktiv. Wer frustriert ist, ernährt sich viel häufiger falsch."

  1. Diäten machen gierig

    Die Wissenschaft bezeichnet es als das Deichbruchphänomen, wenn sich Diät- mit masslosen Reinhau-Phasen abwechseln: Wer bestimmte Lebensmittel oder Nährstoffe aus seinem Leben verbannt, stürzt sich umso gieriger drauf, wenn er doch mal nicht widerstehen kann. Aus einem Glas Rotwein wird dann schnell mal eine ganze Flasche oder aus einem Täfeli Schoggi eine ganze Tafel. "Man sollte nie denken: Jetzt ist alles egal, morgen beherrsche ich mich wieder", so Frau Toman. "Dem Körper ist es nie ganz egal, was in ihn hinein kommt." Dass die Abnehmerei so höchstwahrscheinlich in die Hose geht, ist klar.

  1. Nicht selten werden aus Diäten Essstörungen

    Man hört das immer wieder: Vor allem Mädchen und junge Frauen beginnen eine Diät, nehmen ab, bekommen Komplimente, fühlen sich schöner – und können dann gar nicht mehr aufhören mit dem Kalorienzählen.

  1. Hungern ist gegen unsere Natur

    In uns Menschen läuft immer noch ein uraltes genetisches Programm ab, das uns suggeriert, zuzuschlagen, sobald Essen in Reichweite ist – denn in der Geschichte der Menschheit war wirklich meistens nicht klar, wann sich die nächste Chance bietet. Kein Wunder also, dass es vielen schwer fällt, sich zu beherrschen, wenn beim Apéro plötzlich eine Käseplatte serviert wird oder die backwütige Kollegin ständig himmlische Muffins mit ins Büro bringt. Mit diesem Wissen im Hinterkopf sollten wir uns also nicht für Fresssäcke halten, wenn uns schon wieder das Wasser im Mund zusammenläuft, sondern künftig ein bisschen gnädiger mit uns sein.

  1. In jedem Buch steht etwas anderes

    Es wurde wahrscheinlich noch keine einzige Diät auf den Markt gebracht, die nicht binnen weniger Tage unzählige Kritiker um sich scharte. Bis heute streiten sich Wissenschaftler beispielsweise darüber, ob Carbs nun wirklich so schlimme Dickmacher sind oder was von Fruchtzucker zu halten ist. Anstatt komplett irre zu werden, empfiehlt es sich daher, einfach sein Köpfchen einzuschalten: Auf welche Kalorien könnte ich im Laufe eines Tages verzichten, ohne dass ich hungere? Und wie könnte ich mich im Alltag mehr bewegen? Alles, worauf es beim Abnehmen nämlich ankommt, ist, dass mehr Kalorien verbraucht, als zu sich genommen werden. It's as simple as that.

  1. Den Jojo-Effekt gibts wirklich

    "Der Körper braucht ungefähr gleich lang, um das neue Körpergewicht zu stabilisieren, wie er gebraucht hat, um das neue Gewicht zu erreichen. Also zum Beispiel drei Monate Abnehmen und dann drei Monate lang mit dem neuen Gewicht neue Essgewohnheiten stabilisieren. Erst dann hat man eine Chance, ohne Jojo-Effekt durch die Welt zu kommen", so Toman. Es ist nämlich ein bisschen verhext: Wer plötzlich weniger Kalorien zu sich nimmt, verbrennt dadurch auch automatisch weniger – der Körper ist mit dem Verbrennen nämlich lieber vorsichtig, weil er Schiss hat, es könnten üble Hungerszeiten auf ihn zukommen. Sobald die Diät abgeschlossen ist und wir wieder von heute auf Morgen normal essen, kann der Körper aber nicht so schnell reagieren, verbrennt also Kalorien immer noch sparsam – und wir nehmen schneller zu als zuvor.

  1. Wir verlieren das natürliche Verhältnis zu unserem Körper

    Wer kein Handyjunkie ist, braucht auch keinen Digital-Detox. Wer wenig trinkt, keine Alkoholpausen. Und wer sich ausgewogen ernährt und viel bewegt, hat im Normfall auch keine Diät nötig. "Regelmässige Bewegung, am besten an der frischen Luft, hilft erwiesenermassen längerfristig viel besser als alle kurzfristigen Diäten. Schon eine halbe Stunde täglich gehen macht einen grossen Unterschied", sagt Erika Toman. "Ausserdem bringen Diäten das Gleichgewicht aus Hunger und Sättigung massiv durcheinander." Wer mit seinem Gewicht unglücklich ist, sollte sich also lieber überlegen, was er ändern könnte – und zwar nicht nur jetzt, sondern ab jetzt.

Dr. Erika Toman ist Psychotherapeutin, Leiterin des Kompetenzzentrums für Essstörungen in Zürich und hat unter anderem das Buch "Mehr ich, weniger Waage: Abnehmen ohne Illusionen, mit Seele und Verstand" geschrieben.

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