Was bitte soll daran feministisch sein?

Der virtuelle Adventskalender des "Love"-Magazins soll dieses Jahr starke Frauen zeigen. Das geht allerdings komplett in die Hose, findet Redaktorin Gina Buhl.

Was bitte soll daran feministisch sein?
Bild: Screenshot Youtube So sieht #staystrong mit Emily Ratajkowski aus.
04 Dez '17
zurück +70 -52
04 Dez '17
zurück +70 -52

Emily Ratajkowski schmiert sich Spaghetti auf ihren mit Olivenöl beträufelten Körper, Ashley Graham klatscht Magnesiumpulver auf Po und Brüste und Stella Maxwell schleckt in Slow-mo Glace auf einem Spinning-Rad: Damit will der Adventskalender des US-Magazins "Love" ein unabhängiges und selbstbestimmtes Bild von Frauen vermitteln. Habe lange nicht mehr so gelacht.

Noch schnell auf den Feminismus-Zug aufspringen

Dieses Jahr wollte sich "Love"-Chefredaktorin Katie Grand für ihren virtuellen Kalender offensichtlich etwas ganz Besonderes einfallen lassen: Um das Jahr zeitgeistig mit wehenden Feminismus-Fahnen zu verabschieden, lautet das Motto des aktuellen von Fotograf Phil Poynter zu verantwortender Kalenders #staystrong. "Der Kalender soll alles, was Frauen am Frausein lieben, abbilden. Weil Frauen stark und unabhängig sind, weil sie sexy und schlau sein können", so Grand. Ein löblicher Gedanke – der in der Umsetzung allerdings komplett floppt.

Wippende Brüste und viel Magnesium

Etwa wenn sich beim Compilation-Video an Tag 1 gespreizte Beine, hochgepushte Brüste und Pos ins Bild drücken und jedem nach spätestens 15 Sekunden klar wird: #staystrong soll keine inspirierenden Statements von schlauen Frauen liefern, sondern einzig und allein schwitzende Körper in lasziven Posen während des Workouts zeigen. Gehts noch plumper?

Ja – wie Ashley Grahams Clip an Tag 2 beweist: Die Kamera filmt ihre Brüste, ihren Hintern und ihren halb offenen Mund, um dann wieder auf die wippenden Brüste zu schwenken. Zwischendurch gibts viel Magnesiumpulver – und den Eindruck, dass das Ganze nicht Ashleys, sondern Phil Poynters Idee von einer Workout-Session ist.

Dass mit diesen Clips "starke" Frauen gezeigt werden sollen, die für sich selbst einstehen, ist an Lächerlichkeit kaum zu überbieten – und ein Schlag ins Gesicht all jener, die sich ernsthaft für ein starkes, gleichberechtigtes und nicht sexualisiertes Frauenbild einsetzen.

Gestatten: Ashley Graham.

Bild: Screenshot Youtube

Sexismus at its best

Gekrönt wird das Ganze übrigens von Emily Ratajkowskis Auftritt an Tag 3, der wesentlich mehr an einen Porno als ein Workout erinnert: Emily räkelt sich in Strapsen auf einem Tisch voller Spaghetti. Diese kohlenhydratreiche Post-Workout-Verköstigung (#staystrong und so) hielt das Kreativteam wohl für besonders keck. Dass die Kameraeinstellung und ihr devoter Huch-mir-ist-eine-Nudel-in-den-Ausschnitt-gerutscht-Blick rein gar nichts mit weiblichem Empowerment zu tun hat und ausschliesslich männliche Fantasien bedient, ist ihm dabei offensichtlich entgangen.

"Sexy zu sein macht Spass – und dafür will ich mich nie entschuldigen müssen", so Emily auf Insta. Seh ich auch so, Em. Dass Frauen sich so sexy geben dürfen wie sie wollen, steht ausser Frage. Wenn der weibliche Körper aber ausschliesslich auf seine Geschlechtsmerkmale reduziert wird, ist das allerdings nur eines: sexistische Kackscheisse.

comments powered by Disqus

Lies auch das