Wir haben den Sex-Ratgeber für Muslimas gelesen

Unsere Text-Praktikantin Emel Erikçi ist Muslimin und hat sich den gehypten Sex-Ratgeber einer US-Psychologin zu Gemüte geführt. Ihr Fazit.

Wir haben den Sex-Ratgeber für Muslimas gelesen
Bild: Getty Images "A Halal Guide to Mind Blowing Sex": Ein Sex-Ratgeber für Muslimas.
01 Dez '17
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Sex. Eines der spannendsten Themen überhaupt. Ich wurde mit 14 aufgeklärt, dank Dr. Sommer aus der "Bravo". Meine Mutter würde jetzt ihren Kopf schütteln – 14! OMG! Nach dem ersten Schock würde sie aber sagen: "Na gut, wenigstens weisst du jetzt alles darüber". Eine sehr liberale Denkweise für eine strenge – und ganz besonders für eine muslimische – Mama.

Viele haben keine Ahnung worauf sie sich einlassen

Anderen muslimischen Mädels gehts anders. Ich kenne welche, die orthodox aufgewachsen sind und die dem Thema normalerweise aus dem Weg gehen – bis sie irgendwann heiraten, zum ersten Mal Sex haben und überrascht werden. Denn sie wissen nur wenig aus dem Internet oder von Storys ihrer Freundinnen.

Für diese Fälle hat eine Psychologin aus den USA unter dem Pseudonym Umm Muladhat den Sex-Ratgeber "A Halal Guide to Mind Blowing Sex" veröffentlicht . Wie es dazu kam? Als eine ihrer Freundinnen nach sechs Monaten Eheleben immer bedrückter wirkte, fragte sich Umm, was da wohl schief läuft. Sie hakte nach und erfuhr: Im Ehebett der Freundin herrschte tote Hose. Also verriet Umm, die damals schon jahrelang verheiratet war, ihre Geheimnisse. Was bei ihren Freundinnen so gut ankam, dass Umm beschloss, die Tipps zu niederzuschreiben und zu veröffentlichen.

"Du kannst rein wie Schnee sein und im Bett trotzdem dreckig"

Das Inhaltsverzeichnis klingt vielversprechend: "Körperbild", "Was du während dem Sex sagen solltest" und "Wilder Sex". Zu Beginn ermutigt Umm die Frauen, im Bett Vollgas zu geben ("Du kannst rein wie Schnee sein und im Bett trotzdem dreckig."). Sie erklärt Stellungen, die das Paar ausprobieren kann – alles halal, also islamkonform, natürlich. Analsex, ausserehelicher Sex und Dreier sind tabu. Alles gut – bis ich weiterlese.

Umm schreibt: "Der Traum jedes Mannes ist es, dass die Frau gegen aussen zurückhaltend ist, im Bett aber eine Wucht. Erfülle den Traum." Klar, es ist schön, wenn die Frau dem Mann Wünsche erfüllen kann. Es ist auch okay, dass man sich in einem Sexratgeber auf die Bedürfnisse der Männer kümmert. Aber ich merke bald: In diesem Buch ist das ständig der Fall: "Entferne deine Schamhaare. Es sieht schöner aus, riecht weniger und dein Ehemann wird dich dann eher oral befriedigen", rät Umm etwa.

Es dreht sich alles bloss um sein Bedürfnisse

Auch beim Thema "Massage" und "Striptease" gehts nur darum, wie sie dem Mann am besten eine Freude bereitet. Beim Kapitel "Femoral Sex" denke ich: Jetzt gehts endlich um die Befriedigung der Frau. Doch damit ist der sogenannte Schenkelverkehr – Geschlechtsverkehr zwischen den Schenkeln – gemeint: Damit der Mann auch während der Mens befriedigt werden kann – vaginaler Sex ist während der Blutung nämlich verboten. Erneut dreht sich alles um die Bedürfnisse des Mannes.

Gut gemeint, aber falsch umgesetzt

Umm betont bei "Enjoy Sex", dass auch Frauen den Sex geniessen sollen. Wie das genau geht, erklärt sie aber nicht. Was nützt es den Muslimas, wenn sie wissen, wie Deepthroat geht und wie man tolle Handjobs gibt, aber nicht erfahren, wie die Frau auch auf ihre Kosten kommt? So wichtig dieses Buch auch erscheinen mag und ein Schritt in die richtige Richtung ist: Es ist total falsch umgesetzt. Schade. Sexuelle Emanzipation sieht anders aus.

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