Jetzt schiebt die Fashionwelt Panik

Magazine wie die "Vogue", die "GQ" oder "Vanity Fair" arbeiten künftig nicht mehr mit Skandal-Fotograf Terry Richardson zusammen. Eine gute – aber auch peinlich späte Entscheidung.

Von: Marie Hettich

Jetzt schiebt die Fashionwelt Panik
Bild: Getty Images
25 Okt '17
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Eine weisse Wand, ein Frontalblitz und meist ein spärlich bekleidetes Model: Terry Richardson wurde mit seiner "Porn Chic"-Ästhetik berühmt. So berühmt, dass alle mit dem New Yorker Fotografen arbeiten wollten: die grossen Modehäuser, die grossen Fashionmagazine, blutjunge Nachwuchsmodels, Topmodels wie Gisele Bündchen und Miranda Kerr, Musikerinnen wie Selena Gomez, Lana Del Rey, Rihanna und Miley Cyrus.

Doch am Montagmorgen ordnete James Woolhouse, Vizepräsident des Condé-Nast-Verlags, in einer E-Mail an: "Condé Nast wird nicht mehr mit dem Fotograf Terry Richardson zusammenarbeiten. Bitte alles canceln, falls Shootings mit ihm geplant sind, und schon fotografierte, aber noch nicht veröffentlichte Bilder durch anderes Material ersetzen." Was ist passiert?

Vermutlich hat der Verlag Panik bekommen. Denn genauso wie Harvey Weinsteins sexuelle Übergriffe in Hollywood ein offenes Geheimnis waren, sind es die von Terry Richardson in der Fashionwelt. So blöd dastehen wie Hollywood momentan? Nach der ganzen #metoo-Sache? Lieber nicht. Und schnell alles geradebiegen, was man vor Jahren hätte angehen sollen.

Nur ein kurzzeitiger Karriereknick

Schon 2010 meldete sich ein Model zu Wort, sie sei von Richardson während eines Shootings dazu aufgefordert worden, ihm einen runterzuholen. Immer wieder wurden Fälle sexueller Übergriffe bekannt, immer wieder versuchte sich Richardson mit kläglichen Statements herauszureden. Und das hat auch immer wieder geklappt: Seine Karriere knickte 2014 kurzzeitig ein – aber ein paar Monate später waren seine Fotos wieder überall.

Dass nun Magazine wie die "Vogue", die "GQ" und "Vanity Fair" keine Fotos mehr von Terry Richardson zeigen, ist – wenn auch peinlich spät – eine gute Sache. Terry Richardson, hoffentlich bald komplett arbeitslos, könnte ja mal bei American-Apparel-Gründer Dov Charney durchklingeln – der nimmts mit den Models auch nicht so genau und braucht vielleicht noch jemanden, der die Fotos für sein neues Label schiesst.

 

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