Frauen sind sozial, Männer egoistisch

Eine Studie der Universität Zürich erbringt den neurologischen Beweis: Männer orientieren sich eher am eigenen Vorteil, Frauen achten auf das Gemeinwohl.

Von: Felicia Hofmann

Frauen sind sozial, Männer egoistisch
Bild: plainpictures Die eigene Hilfsbereitschaft macht Frauen eher glücklich als Männer.
11 Okt '17
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Eigentlich können wir Geschlechter-Klischees ja nicht mehr hören. Die Annahme etwa, Männer seien egoistisch und gefühlskalt, Frauen dagegen empathisch und warmherzig, ist doch so was von gestern!

Eine neue Studie der Universität Zürich kommt nun jedoch genau zu diesem Schluss: Männer orientieren sich eher am eigenen Vorteil, Frauen achten stärker auf das Gemeinwohl.

Das Gehirn belohnt Männer und Frauen unterschiedlich

Die Neuro-Ökonomen der Uni Zürich untersuchten an 21 Männern und 19 Frauen, wie sich selbstloses und egoistisches Verhalten auf das jeweilige Wohlbefinden auswirkt. Die Probanden mussten in einem MRI entscheiden, ob sie eine grössere Summe Geld lieber für sich alleine haben möchten oder mit einem anonymen Gegenüber teilen würden. Dabei kam heraus, dass wenn Frauen sich grosszügig zeigen und das Geld teilen, ihr Gehirn das Glückshormon Dopamin ausschüttet.

Bei den Männern ist genau das Gegenteil der Fall: Bei ihnen führen eher eigennützige Handlungen zu einem guten Gefühl – das Gehirn belohnt also egoistisches Verhalten.

Ist die Studie also ein Freipass für Männer, der Biologie die Schuld an ihrem egoistischem Verhalten zu geben? "Auf keinen Fall", meint Alexander Soutchek, Forscher am Institut für Ökonomie. "Unsere Studie lässt nicht darauf schliessen, dass die Unterschiede angeboren sind. Im Gegenteil: Wir gehen davon aus, dass sich die bei der Erziehung verinnerlichten Rollenerwartungen aufs Gehirn auswirken. In unserer Gesellschaft wird von Mädchen ein sozialeres Verhalten erwartet als von Jungs."

Mit anderen Worten: Die Eltern und die Gesellschaft sind schuld. 

Angleichung nur dank genderneutraler Erziehung

Die Lösung für diesen Unterschied zwischen weiblichem und männlichem Verhalten wäre eine genderneutrale Erziehung. "Wenn unser Erklärungsansatz stimmt, sollte das in der Tat dazu führen, dass sich das weibliche und männliche Gehirn ähnlicher werden", sagt Soutchek.

Eine Gender-Debatte auszulösen war jedoch nicht das Ziel der Studie: "Wir erforschen in erster Linie die neuronalen Grundlagen des Sozialverhaltens und sind nicht primär an Geschlechterunterschieden interessiert," meint Soutchek.

Ob gewollt oder nicht: Die neuen Erkentnisse liefern eine gute Grundlage für eine ausgiebige Gender-Diskussion. Go!

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