"Männer glauben, im Bett performen zu müssen"

Der deutsche Psychotherapeut und Autor Marc Rackelmann wünscht sich, dass Männer im Bett weniger unter Druck stünden. Deshalb hat er ein Sexbuch für Männer geschrieben.

Von: Carole Barmettler

Bild: plainpicture
06 Okt '17
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Herr Rackelmann, warum braucht es ihr Buch? Männer sind doch bekanntermassen einfach gestrickt, wenns um Sex geht.
Das denkt man unter anderem, weil es bisher bloss Sex-Ratgeber für Männer gab, die sich nicht für mehr interessierten als «Wie bringe ich meine Partnerin oder meinen Partner mit Technik XY innerhalb von fünf Minuten zum Orgasmus.» Es wird häufig so getan, als müsste der Mann im Bett einfach alles richtig machen und dann laufe alles von alleine. Aber so einfach ist das nicht.

Die männliche Lust ist komplizierter als gedacht?
Absolut. Ich gehe im Buch etwa auf das Verhältnis zum eigenen Körper und die Rolle von Gefühlen ein und erkläre, wie sich beides auf die Sexualität auswirkt. Jemand, der die eigenen Emotionen gut kennt, hat eine bessere Beziehung zu seinem Körper und geht bewusster mit seiner Lust um.

Solche Einschätzungen hört man in der Regel im Zusammenhang mit der weiblichen Lust.
Die Auseinandersetzung mit der eigenen Lust betrifft auch die Männer. Wir müssen uns endlich von dieser bestimmten Vorstellung von Männlichkeit verabschieden, denn es gibt verschiedene Facetten von Männlichkeit und die haben alle in einer Person Platz. Es gibt nicht nur den netten Frauenversteher oder den coolen Fussballer. Wir sollten uns erlauben, mal nicht weiter zu wissen, Angst zu haben, traurig zu sein.

Wie würde sich das auf den Sex auswirken?
Wenn Männer solche Emotionen als Teil der Sexualität sehen würden, könnte sich viel Stress und Spannung auflösen. Wir Männer meinen ja oft, im Bett performen zu müssen.

Wie zeigt sich dieser Druck?
Junge Männer haben beispielsweise Probleme mit vorzeitigem Samenerguss, was auch daher rührt, dass sie ihren Körper noch nicht so gut kennen. Erektionsstörungen sind ebenfalls verbreitet.

Welche Rolle spielen Pornos dabei?
Gerade für junge Männer – und übrigens auch Frauen – sind pornografische Bilder gefährlich, weil sie noch kein eigenes realistisches Gegenbild entwickelt haben. Aber ich sehe den Porno-Einfluss grundsätzlich nicht ganz so dramatisch, wie er manchmal dargestellt wird. Und wir haben deswegen auch nicht mehr Sex. Im Gegenteil.

Wir sind also tatsächlich Generation «oversexed and underfucked»?
Ja. Besonders Männer haben bei der medialen Omnipräsenz von Sex häufig das Gefühl, nicht dem Ideal zu entsprechen und nicht mehr hinterherzukommen. Das ist nicht förderlich für die Lust. Mir geht es mit meinem Buch darum zu sagen: Macht euch keinen Stress, seid einfach realistisch!

 

«Make Love. Das Männerbuch» ist nicht nur inhaltlich horizonterweiternd, auch die Bilder regen an. Das Sachbuch von Marc Rackelmann (Bild unten) ist seit dem 04. Oktober erhältlich.

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