Diese vier eröffnen einen feministischen Sexshop

Das Hamburger Kollektiv Fuck Yeah hat schmuddlige Sexshops satt. Geplant ist ein gemütlicher, kunterbunter Laden mit feministischem Anspruch.

Von: Felicia Hofmann

Diese vier eröffnen einen feministischen Sexshop
Bild: zvg Florian, Zarah, Fränky und Rosa wollen Sexshops von ihrem Schmuddel-Image befreien.
30 Sep '17
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Überall Bilder absurd operierter Frauen und teilweise beängstigende Spielzeuge – Sexshops laden im Normfall nicht zum Verweilen ein. Das Kollektiv Fuck Yeah aus Hamburg will das ändern: Die Studentin Rosa, die Detailhandelsfachfrau Franciska, die Shopmanagerin Zarah und der Videoproduzent Florian wollen einen offenen und respektvollen Umgang mit Körper und Sex fördern – und das mit einem "sexpositiven", feministischen Sexshop in Hamburg. Dafür sammelten sie via Crowdfunding Geld: 20'000 Euro waren das Ziel, 21'000 kamen zusammen. Wir haben mit Rosa über Feminismus, Pornos und Holz-Dildos gesprochen.

Rosa, habt ihr damit gerechnet, das Geld für euer Projekt zusammen zu bekommen? Ja, sonst hätten wir ja gar nicht so viel Arbeit in die Kampagne gesteckt – auch wenn wir letzte Woche schon etwas gezittert haben.

Wie gehts jetzt weiter? Wir sind gerade dabei, eine passende Location für unseren Laden zu suchen und ganz generell Kontakte zu knüpfen. 

Was stört euch denn überhaupt an den gängigen Sexshops? Sie sind voller sexistischen Klischeebildern. Frauen werden als Sexobjekte und nicht als Menschen mit individuellen Wünschen und Vorlieben dargestellt. Ausserdem gibts in normalen Sexshops Toys mit giftigen Inhaltsstoffen zu kaufen – das wissen die meisten Leute gar nicht. Manche Toys beinhalten zum Beispiel einen Kunststoff, der in Lebensmitteln und Kinderspielzeugen verboten ist. Das ist ein riesen Problem.

Denkst du, Frauen würden zwar gern, schämen sich aber, in Sexshops zu gehen? Vermutlich. Ich persönlich schäme mich zwar nicht, bin aber total genervt von diesem Schmuddel-Look, in dem die Sexshops daherkommen. Manchmal fühl ich mich auch richtig ungenügend, wenn ich diese Porno-Bilder anschaue und denke: Bin ich vielleicht gar kein sexuelles Wesen, wenn ich nicht so dauergeil bin wie diese Frauen, die mich hier anstarren?

Was wollt ihr konrekt anders machen? Unsere Produkte sollen nicht in Kombination mit prallen Brüsten und dauer-erigierten Penisen präsentiert werden, sondern mit schön gestaltenen Illustrationen und Anleitungen. Sie werden teilweise vegan, umweltfreundlich und vor allem alle ohne Giftstoffe hergestellt. Und wir werden Dildos aus Holz anbieten.

Wie fühlt sich ein Holzdildo an? Angenehmer und wärmer als die aus Kunststoff. Es lohnt sich, das mal auszuprobieren.

Was genau meint ihr denn, wenn ihr von einem "sexpositiven" und feministischen Sexshop sprecht? Unser Shop soll ein Ort sein, an dem sich alle, also keineswegs nur Frauen, in Ruhe mit ihrer Lust und ihrem Körper beschäftigen können. Männer, Frauen, alle Gender sollen sich auf Augenhöhe begegnen. Seit wir dieses Projekt gestartet haben, merken wir, dass in ganz vielen Köpfen die Begriffe Feminismus und Sexshop absolut nicht zusammenpassen.

Inwiefern? Viele denken, Feministinnen seien frigide und männerfeindlich. So ein Schwachsinn.

Pornoschauen ist unter Frauen immer noch ein Tabu. Wollt ihr das ändern? Ja! Wir wollen nicht nur einen Laden haben, sondern ebenfalls Workshops und Vorträge anbieten – unter anderem für Frauen zum Thema Pornografie. Da solls dann um Fragen gehen wie: Warum kann es sich lohnen, einen Porno zu schauen? Was finde ich politisch vertretbar, was erregend? Das deckt sich ja nicht immer.

Wie soll der Shop aussehen? Wir möchten unseren Laden weder so schäbig und düster, noch so white und clean einrichten wie bisherige Sexshops. Auf jeden Fall soll er bunt und fröhlich aussehen. Ein heller Raum mit schön präsentierten Produkten und einer Sofa-Ecke zum Kaffee trinken – wie ein Wohnzimmer, das fänd ich cool.

Habt ihr schon viel positives Feedback bekommen? Ja, zum Beispiel die feministische Organisation Pinkstinks hat unser Projekt auf ihrer Facebook-Seite geteilt und auch viele feministische Künstler und Künstlerinnen unterstützen uns, indem sie beispielsweise Patches designt haben, die wir als Dankeschön an unsere Spender zurückschicken können. Von Freunden und Familie werden wir ebenfalls tatkräftig unterstützt. Insgesamt scheinen sich die Leute wirklich ein neues Sexshop-Konzept zu wünschen.

Gibts auch Schwierigkeiten? Wegen dem Spamfilter vieler Firmen können wir häufig unsere Pressemitteilungen gar nicht zustellen, da sie das Wort Sex beinhalten. Auch potentielle Vermieter legen am Telefon gleich wieder auf, wenn sie erfahren, was wir vorhaben. Das zeigt, wie starkt das Schmuddel-Image verankert ist.

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