Wie gefährlich ist unser Alk-Konsum?

Bier am Freitag, Vodka am Samstag, Wein am Sonntag: Was macht der ständige Alkoholkonsum mit uns? Wir haben beim Experten nachgefragt.

Von: Emel Erikçi

Wie gefährlich ist unser Alk-Konsum?
Bild: Getty Images Den Moment, an dem es doch zu viel war, kennen wir alle.
22 Sep '17
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Vielleicht sagt dir das was: Es ist Wochenende und du trinkst – leider wieder viel zu viel. Am Katermorgen schwörst du dir, dass es so nicht weitergehen kann. Am Montag hat ein Bürogspänli Geburtstag und nach Feierabend gibts wieder Drinks. Mit dem Gin Tonic in der Hand nimmst du dir vor, am kommenden Wochenende mal nichts zu trinken – denkste. Wann wird dieses Verhalten gefährlich? Wann ist man sogar süchtig? Und hilft Detox? Wir haben bei Peter Eggli, Psychologe und Leiter des Fachbereichs Beratung und Therapie der Zürcher Fachstelle für Alkoholprobleme, nachgefragt.

Herr Eggli, ist jeder Schluck Alkohol gefährlich? Nein. Obwohl der Konsum von Alkohol insgesamt nicht gesund ist. Aber ein Standardglas Alkohol – drei Deziliter Bier oder ein Deziliter Wein – gilt als verträglich für den normalen, gesunden Körper einer erwachsenen Frau. Für Männer gilt die doppelte Menge.

Woran erkennt man, dass Freunde nicht mehr nur trinkfreudig, sondern süchtig sind? Wenn sich ihre Freizeit oder der Tagesablauf zunehmend um den Konsum von Alkohol dreht. Wenn sie mal anfangen, hören sie nicht mehr auf oder sie kommen am nächsten Tag nicht mehr in die Gänge und sind nicht mehr die Gleichen wie früher. Wichtig: Sucht kann nur von einer Fachperson beurteilt werden.

Wie spricht man eine Person an, die auffällig oft und viel trinkt? Es kommt meist nicht gut, dieser Person vorzuwerfen, dass sie abhängig sei, das ist kontraproduktiv. Am besten schildert man der Person die eigenen Beobachtungen. Sätze wie "Ich sehe, dass du öfters einen Filmriss hast, alles okay?" oder "Ich merke, dass ich dich nicht mehr so mag, wenn du was getrunken hast" sind super, um die Person drauf anzusprechen.

Woran merke ich, dass ich selbst kürzer treten sollte? Wenn deine Gedanken öfters zum Alkohol schweifen, du nach dem Trinken immer einen Kater hast oder täglich immer mehr trinkst. Auch, wenn du in Stresssituationen öfters trinkst, damit du entspannen kannst oder wenn für dich alkoholfreie Abende absolut undenkbar sind.

Bin ich bereits süchtig, wenn ich jeden Tag ein Glas trinke? Wenn es bei einem Glas bleibt, nein. Allerdings könnte sich aus dieser Gewohnheit mit der Zeit eine Abhängigkeit entwickeln. Das heisst, es braucht immer mehr Alkohol, um den gewünschten Effekt zu erzielen – es bildet sich eine Toleranz.

Spielt die Erziehung in Sachen Trinkverhalten eine Rolle? Ja. Wenn im Elternhaus Alkohol sehr selbstverständlich konsumiert wurde, ist es warscheinlicher, dass die Kinder auch Probleme haben werden oder zumindest mehr trinken als andere. Die Kinder ahmen nach, was die Eltern ihnen zeigen – auch was das Trinken angeht.

Viele Jugendliche trinken unter der Woche nichts, dafür umso mehr am Wochenende. Ist das schädlicher als täglich ein Glas zu trinken? Ein Vollrausch ist gefährlich. So kann es zu riskantem Verhalten oder auch zu Alkoholvergiftungen kommen. Das kann zum Tod führen.

Wie schaffe ich es auf Partys, wo getrunken wird, auch mal auf Alkohol zu verzichten? Halte dir während der Party die triftigen Gründe vor Augen, weshalb du heute keinen Alkohol trinken willst. Zum Beispiel aus Angst vor einem Kater. Falls dir das schwer fällt, kannst du es mit einer Freundin durchziehen – so könnt ihr euch gegenseitig unterstützen.

Bringt Alkohol-Detox etwas? Für eine gewisse Zeit keinen Alkohol zu trinken bringt immer etwas. Es ist sicher gut für die Gesundheit, man fühlt sich fitter, ist ausgeglichener und nimmt übrigens auch nicht so viel Kalorien zu sich.

Warum muss man sich immer rechtfertigen, wenn man mal keinen trinkt? Alkohol ist bei uns nach wie vor ein geschätztes Kulturgut. Er dient auch als sozialer Schmierstoff und gehört bei vielen gesellschaftlichen Anlässen dazu. Wenn sich jemand anders verhält, fällt das auf und ist erklärungsbedürftig. Man könnte das mit Fleischessen vergleichen: Vegetarier mussten sich lange Zeit auch erklären, heute ist es kaum mehr ein Thema.

Falls du Fragen oder Probleme mit Alkohol hast, kannst du dich unter der Nummer 043 444 77 00 bei der Zürcher Fachstelle für Alkoholprobleme melden, eine Mail schreiben oder die Webseite besuchen.

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