Auf einen Quickie mit Feigen

Reife Feigen sind ungefähr das Beste, was dir im Moment passieren kann. Also: Früchte kaufen, eine Galette belegen und geniessen.

Von: Nicole Giger

Auf einen Quickie mit Feigen
Bild: Nicole Giger Feigen geizen nie mit ihren Reizen.
05 Sep '17
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Der Volksmund sagt, über Geschmack lasse sich streiten. Der Aufklärer Kant meinte aber: "Geschmack lässt sich nicht disputieren." Wenn es um frische Feigen geht, muss ich Kant Recht geben. Bei Feigen ist die Sachlage erbarmungslos klar: Frische, reife Feigen sind, als springe man nackt, verliebt und mit Anlauf in einen Bergsee.

Die Geschichte der Feige ist lang. Unter dem Feigenbaum fand Buddha die Erleuchtung. Im Antiken Griechenland gehörte sie zu den Grundnahrungsmitteln, und die Ausfuhr der aphrodisierenden Früchte soll gar unter Strafe gestellt worden sein. Die alten Römer haben Feigen zu Brot gegessen wie wir hier die Butter. In der Bibel hat die süsseste aller Früchte Adam gar zur Sünde verführt. Verständlicherweise, muss ich da sagen, alles andere hätte mich an seinem Verstand zweifeln lassen. Das Glück, das voll gereifte Feigen bringen, ist bleibend. Ich erinnere mich heute noch an meine Ferien auf der griechischen Halbinsel Peloponnes und die exzellentesten Feigen, die ich je gegessen habe.

Die Träne des Glücks

Reife Feigen erkennt man daran, dass die Frucht auf Druck etwas nachgibt, die Schale noch unversehrt, aber doch ein wenig zerknittert ist, und am Blütenansatz ein Siruptropfen austritt. Dieser honigartige Tropfen wird von Feigenfans auch Träne des Glücks genannt. Die Kälte im Kühlschrank bekommt den Feigen nicht, drum lassen sie sich kaum aufbewahren. Aber wer will sie schon horten? Viel eher würde ich eine Feigen-Fress-Orgie veranstalten.

Die Feigen-Saison ist schmerzhaft kurz, deshalb gilt, keine Zeit verlieren: Feigen kaufen, Teig belegen und mit der Orgie beginnen. Die Galette schmeckt frisch aus dem Ofen am allerbesten, dazu ein Glas Rotwein. Das Rezept ist so einfach, dass man es alle zwei Tage wiederholen kann.

Bild: Nicole Giger

Rezept für eine Feigen-Galette

Zutaten für etwa 2 Personen

8 bis 10 Feigen
3-5 EL Ricotta oder Ziegenfrischkäse
2 rote Zwiebeln plus Olivenöl zum Anbraten
ca. 3 TL Zucker zum Karamellisieren
100 g Vollkornmehl oder Urdinkelmehl
100 g Weissmehl
100 g kalte Butter
1 TL Salz
1 TL Zucker
1 Ei
bei Bedarf noch 1-2 EL kaltes Wasser
etwas Salz und Pfeffer

  1. Teig zubereiten

    Für den Mürbeteig die kalte Butter (sie sollte richtig kalt sein) in kleinste Würfelchen schneiden und mit beiden Mehlsorten zwischen den Fingern fein zerreiben. Es sollten Brösmeli entstehen. Dann jeweils einen Teelöffel Salz und Zucker untermischen, ein aufgeschlagenes Ei dazugeben und zu einem Teig zusammenfügen; nicht fest kneten. Falls der Teig zu trocken ist, 1-2 EL kaltes Wasser hinzufügen. Dann für mindestens 30 Minuten in Klarsichtfolie gewickelt in den Kühlschrank stellen.

  1. Belegen und Backen

    Für den Belag die Zwiebeln in Olivenöl andämpfen, den Zucker zufügen und etwas karamellisieren lassen. Den Teig rund auswallen; hierfür etwas Mehl verwenden, damit der Teig nicht allzu fest klebt. Den ausgewallten Teig grosszügig mit dem Ricotta oder Ziegenfrischkäse bestreichen – dabei einen kleinen Rand freilassen – und mit etwas Salz und Pfeffer würzen. Erst die Zwiebel-Mischung, dann die halbierten Feigen auf dem Frischkäse verteilen. Den Rand fächerartig einklappen. 35-40 Minuten im auf 200 Grad vorgeheizten Ofen backen.

Die noch ungebackene Schöne

Bild: Nicole Giger

Die Zürcherin Nicole Giger findet: "Wir Menschen brauchen beides: Nahrung für den Kopf und Nahrung für den Körper." Auf ihrem Blog Mags Frisch verbindet sie ihre beiden Leidenschaften, leckere Rezepte und schöne Texte.

Habt ihr Fragen zum Rezept?

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