Tussis, hört auf, Bandshirts zu tragen!

Textpraktikantin Emel Erikçi ist eigentlich ein toleranter Mensch. Wenn es aber um Leute geht, die Bandshirts anhaben, ohne die Band zu kennen, hört für sie der Spass auf.

Tussis, hört auf, Bandshirts zu tragen!
Bild: Getty Images Gucci-Täschli, himmelhohe Hacken und ein Slayer-Shirt: für Emel ein Bild des Grauens.
29 Aug '17
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Die Welt war unfair, die Eltern ebenso, die Schule sowieso – meine Pubertät verlief genau so, wie man es erwartet: mit wenigen Höhen und sehr vielen Tiefen. Mit etwa zwölf Jahren, als mir an diversen Stellen Haare wuchsen und mein Gesicht langsam aber sicher zu einem Schlachtfeld voller Pickel wurde, half mir in dieser schwierigen Phase meines Lebens Musik. Rockmusik – inklusive aller Subgenren – hatte so etwas Rebellisches. In meinem Welthass fühlte ich mich von Kurt Cobain, Sid Vicious und Brody Dalle verstanden.

Ein Nirvana-Shirt aus Seattle

Zum Fan-Sein gehörte für mich nicht nur das Auswendiglernen aller Songtexte, auch das Sammeln von Bandshirts war eine Selbstverständlichkeit. Es war damals nämlich gar nicht so einfach, solche Shirts zu finden. Mein erstes mit einem Nirvana-Print bekam ich von einer Freundin, die mit ihrer Familie in Seattle, der Geburtsstätte des Grunge, war. Junge, hab ich mich darüber gefreut. Die Shirts von The Horrors, The Wombats und The Kills habe ich mir direkt am Konzert gekauft. Und dann immer fünf Tage lang gar nicht mehr ausgezogen.

Crazy Hair und crazy Shirt: Emel hat in ihren Teenie-Jahren Gas gegeben.

Bild: zvg

Mittlerweile bin ich mehr der Basics-Typ: Schwarze Jeans, weisses, graues oder schwarzes Oberteil und Chelsea Boots. So sieht meine tägliche Uniform aus und ich bin ziemlich zufrieden damit. Das liegt aber vor allem daran, dass mir die Bandshirts vermiest wurden. Früher waren sie etwas Besonderes – heute sind sie überall: Im H&M, im ZARA, im Topshop – zugänglich für jede Tussi mit Gelnägeln.

Kendall und Kylie Jenner haben im Juli eine "Vintage-Shirts-Kollektion" rausgebracht – und erfreulicherweise einen mächtigen Shitstorm dafür geerntet. Schon 2015 reagierte der Slayer-Gitarrist Gary Holt, als Kendall Jenner im selben Jahr ein Slayer-Shirt trug, mit einem "Kill the Kardashians"-Shirt. Den Hint hat sie aber leider nicht verstanden: Ein paar Monate später hatte sie das Slayer-Shirt wieder an.

Plötzlich werden Bandshirts mit It-Bags kombiniert

Früher bedeuteten Bandshirts noch, dass man zu 100 Prozent hinter der Musik stand. Man kannte nicht nur die Hits, man kannte auch die B-Sides und die Story hinter den Songs. Heute zieht man ein Shirt an, damit der Style stimmt. Damit man ein cooles Logo auf der Brust trägt und sich ein bisschen verrucht damit fühlt. Und dann wird das Slayer-Shirt plötzlich mit einer Hermès-Birkin-Bag kombiniert. Es ist zum Heulen.

Als ich die Shirts anhatte, waren sie noch nicht cool – ich musste so oft erklären, warum ich diese grusigen Shirts anhabe. Heute hat jedes zweite Mädel mit gefälschter Louis-Vuitton-Tasche ein Metallica-Shirt zu Hause rumhängen und jeder Supreme-Boy eins von den Ramones. Mich stört gar nicht so sehr, dass sie die Shirts tragen – sondern, dass sie keinen blassen Schimmer davon haben, was sie manchen bedeuten.

  • Bild: Screenshot Twitter

    2013 verstand Kendall nicht, wie manche Leute Heavy Metal hören können. 

  • Bild: Getty Images

    Ja ja, Kendall... Drei Jahre später Metal dann aber für deine Fashion-Zwecke missbrauchen.

  • Bild: Getty Images

    Könnte Kurt Cobain das sehen, würde er sich wahrscheinlich im Grab umdrehen.

  • Bild: Getty Images

    Ob Kim jemals ein ganzes Metallica-Album gehört hat?

  • Bild: Getty Images

    Hat Alessandra Ambrosio die Backstreet Boys mit AC/DC verwechselt?

  • Bild: Getty Images

    Iron Maiden? Ist das nicht ein Film? Das würde Ashley Tisdale vermutlich antworten, wenn man sie auf ihr Shirt ansprechen würde.

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