Wie Haarefärben mein Leben verändert hat

Beauty-Redaktorin Irène Schäppi war bis vor kurzem eine Brünette. Dann entschied sie sich, blond in den Sommer zu starten – platinblond. Und plötzlich ist (fast) alles anders.

Wie Haarefärben mein Leben verändert hat
Bild: Xandra M. Linsin Als Platinblonde ist vieles anders. Auch das Stylen.
02 Jul '17
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Würde Riley Blue aus der Serie "Sense8" jetzt in Echt vor mir stehen, ich würde sie anschreien. Denn meine Kopfhaut brennt. Etwa so, als ob jemand Benzin draufgeschüttet und angezündet hätte. Das Vorhaben, mein braunes Haar – inspiriert von eben dieser Riley Blue – in Platinblond umfärben zu lassen, finde ich gerade nicht mehr so genial. Horrorstorys von Haaren, die nach so einem krassen Färbeprozess abbrechen oder orange werden, schiessen mir durch den Kopf.

Auf Insta drehen meine Freunde durch

Vier Stunden später erkenne ich mich beim Blick in den Salonspiegel fast selbst nicht: Mir blickt eine Frau mit überraschend gesunden Haaren entgegen, die wie Mondlicht leuchten. Mein schwedischer Lieblingscoiffeur ist begeistert: "Ich hab dir ja gesagt, dass dir dieser neue Look super stehen wird!"

Das finden auch meine Freunde auf Social Media, die nach meinem ersten Insta-Post als Platinblondine ein wenig durchdrehen. Natürlich, ich hatte kaum jemand von diesem Make-over erzählt. Es gibt Likes im Minutentakt und Kommentare wie "W.O.W." oder "Du siehst grossartig aus!" Eine Freundin, auch blond, schickt mir eine SMS und meint: "Blondinen haben mehr Spass!" Ob das stimmt? Ja und nein.

Nein, weil mein gebleachtes Haar täglich viel mehr Pflegeaufwand braucht, wenn ich kein Stroh auf dem Kopf haben möchte. Und weil mir vor dem Färben niemand gesagt hat, dass ich mich mit platinblonden Haaren nicht mehr
so schminken kann wie als Brünette: Pinker Lippenstift lässt mich wie Barbie aussehen, knallroter wirkt nicht mehr edel à la French Girl, sondern billig.

Ich muss mich irgendwie neu finden

Ähnlich kompliziert ergeht es mir mit meinem Kleiderschrank. Teile mit krassen Prints oder körperverhüllende Oversize-Looks passen nicht mehr zu meiner auffälligen Haarfarbe. Und meine geliebten Holzfällerhemden oder zerrissenen Boyfriend-Jeans sehen jetzt an mir so aus, als hätte ich beim Nachbarn im Altkleidersammlungs-Sack gewühlt. Ich muss mich beim Stylen also neu erfinden. Weshalb ich mich inzwischen femininer anziehe.

Lange, wallende Kleider sind meine neuen besten Freunde.

Bild: Xandra M. Linsin

Wallende und taillierte Kleider sind meine neuen besten Freunde. Das fällt auch in der Redaktion auf. Unsere Modepraktikantin macht mir Komplimente zum neuen Styling und beim Kaffeeholen ruft mir sogar eine Frau vom Velo
aus zu, wie schön sie mein Outfit findet.

Ich werde öfter angelächelt, aber auch angestarrt

Irgendwie sind die Leute jetzt netter zu mir und ich werde auf der Strasse öfter als vorher angelächelt. Aber auch angestarrt. Vor allem von Männern. Wie neulich im Ausgang. Ständig pfeift da mir und meiner rothaarigen Freundin jemand hinterher. Als ein Typ in uns reinläuft, kann er sich ein "Mamma mia" nicht verkneifen, und für den Türsteher vor dem Club heisse ich plötzlich Blondie. Ein anderer nennt mich Marilyn.

Überhaupt gehören Vergleiche mit Marilyn Monroe jetzt ebenso zu meinem Alltag wie herzige Kosenamen, darunter Engel oder Prinzessin. Das ist manchmal unangenehm und ich weiss (noch) nicht, wie ich mich da verhalten soll. Ich will aber nicht lügen und schreiben, dass mir diese ganze Aufmerksamkeit kein gutes Gefühl gibt.

Blond ist eine Einstellung

Dabei ging es für mich nicht darum, besser bei Männern anzukommen – der neue Look hat mich aber selbstbewusster gemacht. Ich lasse die Schultern beim Gehen nicht mehr so hängen, begegne Menschen offener und bin weicher geworden. Das finden auch meine Freunde: "Du strahlst mehr und siehst glücklich aus", sagen sie immer wieder zu mir. Blond ist also für mich weniger eine Haarfarbe als eine Art neu gefundene Einstellung. Und die will ich behalten, trotz brennender Kopfhaut beim Nachfärben.

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