"Die Periode geht nicht nur Frauen etwas an!"

Luisa Stömer und Eva Wünsch haben ein Buch über den weiblichen Zyklus geschrieben und gestaltet. Sie wollen damit für weniger Scham und mehr Wissen sorgen.

Von: Karin Zweidler

Bild: Katharina Pflug Luisa, 24, und Eva, 25, haben gecheckt, dass unseren Unterbauch irgendwie niemand so richtig checkt.
09 Jun '17
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Luisa und Eva, was für ein Image hat die Menstruation im Jahr 2017?
Luisa:
Leider immer noch ein Ekel behaftetes. Trotz der sehr körperbewussten Frauenbewegung, die in der westlichen Welt die letzten Jahre aufgekommen ist, schämen sich immer noch viele, wenn sie ihre Tage haben.
Eva: Dass wir zaghaft mit dem Thema umgehen, zeigt zum Beispiel auch, dass Blut in Binden-Werbungen immer noch blau statt rot dargestellt wird. Da muss noch einiges passieren.

Warum glaubt ihr, ist das so?
Eva:
Die Menstruation wird seit Jahrhunderten als Schwäche der Frau dargestellt, als etwas, das uns unrein macht. Diese Idee ist in Vielen von uns noch verankert – vielleicht auch unterbewusst. Dabei sollten wir stolz sein und uns über die Menstruation freuen. Sie zeigt, dass wir gesund sind, fruchtbar und unsere Weiblichkeit am Start ist.

Was können wir gegen die Scham tun?
Eva:
Darüber reden. Im Freundeskreis, mit dem Partner, den Kindern, am Arbeitsplatz. Dann wirds irgendwann so normal, wies halt tatsächlich auch ist.

War das der Beweggrund für euer Buch?
Luisa:
Auch. In unserem Umfeld haben wir eben auch festgestellt, was für riesige Wissenslücken bestehen, bezüglich unseres eigenen Unterleibs. Wir wissen zwar alle, dass wir unsere Tage bekommen und wann wir ungefähr fruchtbar sind. Dass da aber nicht nur dann, sondern auch an jedem einzelnen Tag des Monats ziemlich viel abgeht und welche Auswirkungen das haben kann, nicht. Wer dann doch mehr wissen will, muss sich entweder durchgoogeln – oder gleich Medizinliteratur konsultieren.

Und ihr liefert das Zwischending?
Luisa:
Wir wollten Gestaltung mit Wissenschaft verknüpfen. Das Buch soll visuell wie auch sprachlich Lust machen, das Wissen aufzusaugen, das drinsteckt.

 

Aufklärungsbuch mal anders: Eva und Luisa machen mit hübschen Illustrationen und schönen Sätzen Bock aufs Thema.

Bild: Luisa Stömer und Eva Wünsch / Ebbe & Blut / Gräfe und Unzer Verlag

Wer solls lesen?
Luisa:
Frauen und Männer in unserem Alter, Papas, Mütter, junge Girls. Das Thema betrifft nicht nur für Frauen, sondern ist für alle wichtig – wenn vielleicht auch indirekt.

Welcher Fakt über unseren Zyklus hat euch am meisten überrascht?
Luisa:
Die Eizelle ist die grösste Zelle, das Periodenblut das nährstoffreichste Blut unseres Körpers – ich hatte keine Ahnung!
Eva: Für mich war neu, dass nicht nur beim Eisprung und während unserer Tage was passiert, sondern die ganz Zeit über. Ich kann mich jetzt viel besser deuten. Und ich glaube, wir beide haben sehr viel Ehrfurcht und Respekt für uns und unseren Körper gewonnen.

Seid ihr seit dem Buch völlig schamfrei?
Eva: 
Total. Das heisst aber nicht, dass wirs durch die Gegend schreien, wenn wir unsere Tage haben. Wir reden gern drüber, wenns passt. Wenn nicht, sind wir auch okay damit.
Luisa: Wir wollen, dass die Leute Bescheid wissen und sich niemand mehr schämt. Aber nicht, dass die Leute sich blutige Tampons um die Ohren hängen. Das würde auch den Sinn verfehlen.

Luisa Stömer und Eva Wünsch sind in erster Linie Freundinnen. In zweiter haben die Nürnbergerinnen zusammen Grafik Design & Illustration studiert und mit ihrer Bachelor-Arbeit Ebbe & Blut eine 240-seitige Liebeserklärung an den weiblichen Unterbauch geschrieben. Sie tauschen Scham gegen Fachwissen, schöne Sätze und wunderbare Illustrationen ein.

Ebbe & Blut (Gräfe und Unzer), Fr. 36.90 zum Beispiel bei Orell Füessli.

 

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