Jungs, lasst uns über Haarausfall reden

Bei Prinz William und Prinz Harry ist es schon so weit. Wir haben Experten gefragt, warum auch jungen Männern die Haare ausfallen – und was sie dagegen tun können.

Von: Irène Schäppi

Jungs, lasst uns über Haarausfall reden
Bild: Getty Images Prinz William und Prinz Harry: Bei den britischen Royals liegt Haarausfall in der Familie.
26 Mai '17
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Wo sind Prinz Williams Haare geblieben? An der Hochzeit von Pippa Middleton vergangenes Wochenende zeigte sich, dass der britische Thronfolger, 34, definitiv das Glatzen-Gen der Windsors geerbt hat und auch Prinz Harry, 32, wahrscheinlich nicht davon verschont bleiben wird.

Das ist eigentlich nichts Neues. Wir mögen uns aber trotzdem nicht vorstellen, wie die zwei Nachwuchs-Royals sich damit fühlen. Denn Kahlschlag auf dem Kopf ist ja doch eher ein Thema, mit dem sich ältere Generationen abmühen. Im Gespräch mit Ärzten haben wir aber herausgefunden, dass Haarausfall nicht selten schon ganz früh einsetzt.

Von verschiedenen Experten wollten wir wissen, was die Ursachen dafür sind, welche Behandlungen wirklich was bringen – und welche Stylingtipps helfen.

  1. Wie viele Männer sind davon betroffen?

    "80 Prozent aller Männer in Mitteleuropa leiden früher oder später an Haarverlust", sagt Dr. oec. Yuan Yao, Mitgründerin der The Gentlemen's Clinic. "Bei einem Viertel fängt es schon mit 30 an. Der Haarverlust kann aber auch mit 20 schon auftreten, in seltenen Fällen sogar in der Pubertät", ergänzt Dr. med. Martin Kägi, leitender Arzt im Hautzentrum Zürich.

  1. Woran liegts?

    "Haarausfall ist fast immer erblich bedingt, das nennt man dann Androgenetische Alopezie", erklärt Dr. Kägi. Genauer: "Die Ursache für den Kampf mit der Glatze ist das männliche Sexualhormon Testosteron, beziehungsweise sein Abbauprodukt Dihydrotestosteron (DHT), das für eine Verkürzung der Wachstumsphase der Haare sorgt, bis die Follikel endgültig absterben und die Haare ausfallen." Gründe wie Stress oder eine einseitige Ernährung können zwar auch zu Haarausfall führen, seien aber meist vorübergehend.

  1. Ist der Haarausfall zu stoppen?

    "Viele Männer zwischen 18 und 25 kommen für ein Treatment mit PRP (plättchenreiches Plasma) aus dem Eigenblut zu uns. Wissenschaftliche Studien wie auch unsere eigenen Erfahrungen zeigen, dass dank dieser natürlichen Behandlung der Haarverlust bei ca. 80 Prozent der Männer gestoppt werden kann", sagt Dr. Yao. "Ab 30 oder sobald der Haarverlust sich stabilisiert hat, empfehlen wir eine Haartransplantation."

  1. Was bringen Produkte mit Koffein?

    "Die meisten dieser Haarwasser, Tinkturen und Seren regen die Durchblutung auf der Kopfhaut an, so dass die Follikel kräftigere Haare produzieren. Vermehren lassen sie sich dadurch aber nicht und der Haarverlust wird auch nicht verhindert", sagt Dr. Kägi.

  1. Helfen Medikamente wie Finasterid oder Minoxidil wirklich?

    Obwohl eine Behandlung mit Finasterid oder Minoxidil als am erfolgversprechendsten gilt für Männer mit erblich bedingtem Haarausfall (durch die Einnahme von Finasterid etwa produziert der Körper weniger DHT), raten aufgrund neuer Studien immer mehr Ärzte von diesem Treatment ab: "Finasterid oder Minoxidil empfehlen wir nicht wegen ihrer Nebenwirkungen. Insbesondere Finasterid führt bei vielen Anwendern zu Erektionsstörungen oder sogar Impotenz", erklärt Dr. Yao.

  1. Stylinglösung Buzzcut?

    "Ein Buzzcut wie bei Schauspieler Jason Statham ist eine gute Stylingvariante bei Kahlschlag auf dem Kopf", meint Victor Regli vom Coiffeursalon Blow in Zürich. Man könne diese Frisur aber nicht als allgemeine Lösung sehen: "Nicht jeder Mann ist ein kerniger Haudegen-Typ." Bei Männern mit eher feinen Gesichtszügen wie Prinz William zum Beispiel, empfiehlt der Coiffeur einen klassisch kurzen Haarschnitt. Und zu versuchen, zum Haarverlust zu stehen. "Das braucht am Anfang zwar Überwindung, ist aber sympathisch."

Wer ein kerniger Typ wie Schauspieler Jason Statham ist, fährt bei Haarausfall gut mit einem Buzzcut.

Bild: Getty Images

  1. Wie kann man lichtes Haar sonst frisieren?

    Ghel-Geschäftsinhaber Ivo Aeschlimann empfiehlt eine Volumenreduktion. Er sagt: "Haarverlust kann man optisch unauffälliger machen, indem man die Haare dort kürzt oder ausdünnt, wo sie noch voll sind, zum Beispiel an den Seiten." Auch gut findet Aeschlimann eine Coloration: "Dort wo die Haare lichter sind, scheint die helle Kopfhaut durch. Es macht also Sinn, den seitlichen Haarbereich aufzuhellen und anzupassen."

  1. Glatze und Bart – geht das?

    "Auf jeden Fall", findet Ivo Aeschlimann. Denn: "Glatt rasiert sein und oben keine Haare mehr haben, macht glatt 10 Jahre älter." Am besten wirke ein gepflegter Dreitagebart.

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