"Ich hätte gern Lippen wie Kylie"

Dank vermeintlich perfekten Social-Media-Pics boomen Beauty-OPs und Eingriffe mit Fillern oder Botox. Auch in der Schweiz. Wir haben mit einer Fachärztin darüber gesprochen.

Von: Irène Schäppi

Bild: Getty Images Kylie Jenner gibt zu, dass sie sich Filler in die Lippen spritzen lässt. Weitere Eingriffe streitet der Social-Media-Star ab.
05 Mai '17
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Postet Kylie Jenner ein Selfie, gibts Millionen Likes und Kommentare wie "Du bist so schön", "Ich möchte auch so aussehen" oder "Ich liebe dein Gesicht, es ist fantastisch." Das zeigt: Der Social-Media-Star gilt als neues Schönheitsideal – eine 19-Jährige mit aufgespritzten Lippen, eine, die ihren Look mit Extensions, Fake-Lashes und Contouring kreiert.

Das spürt auch Katrin Dreissigacker, Fachärztin für plastische und ästhetische Chirurgie: "Konkrete Anfragen wie 'Ich hätte gern Lippen wie Kylie Jenner' häufen sich bei der Generation Selfie."

Für etliche junge Frauen scheint ein Besuch beim Beauty-Doc normal geworden zu sein. Bestes Beispiel sind die USA: Gemäss einer Studie der American Society for Aesthetic Plastic Surgery ist die Zahl der Faltenkiller-Treatments dort bei 19- bis 34-jährigen seit 2015 um 31 Prozent gestiegen. Man spricht vom Millennial-Make-over. Wir haben Frau Dreissigacker gefragt, wie sie damit umgeht.

"Traut euch, anders zu sein"

Frau Dreissigacker, immer mehr junge Frauen lassen sich die Lippen vergrössern. Bemerken Sie auch eine steigende Nachfrage? Ja, leider. Auffallend ist auch, dass unsere Kundinnen sogar ihre jungen Töchter für eine Lippenvergrösserung mitbringen, damit diese sich nicht einfach irgendwo eine "dicke Lippe" machen lassen.

Wie reagieren Sie in einer solchen Situation? Wunschbilder lehne ich konsequent ab, weil dahinter oft Probleme bei der Identitätsfindung stecken. Insbesondere die Generation Selfie setzt "Aussehen wie ein Star" mit Glück gleich.

Konfrontieren Sie die jungen Frauen damit? Ja, ich versuche ihnen zu erklären, dass durch das Millennial-Make-over plötzlich alle gleich aussehen. Und ich informiere sie über Risiken. Auch bei Behandlungen mit Fillern oder Botox können Gesichtsstrukturen verletzt werden.

Ihr Ratschlag für jene, die auf Behandlungen bestehen? Lasst euch unbedingt bei einem qualifizierten Facharzt beraten. Sich nur im Netz oder bei Freunden zu informieren, reicht nicht. Und sich keinesfalls von Fotos auf Social Media inspirieren lassen, da wird zu viel gephotoshoppt. Stars sehen live völlig anders aus und können wegen der vielen Filler oft den Mund nicht mehr richtig schliessen. Mein Rat: Traut euch, anders zu sein!

Katrin Dreissigacker ist Fachärztin für plastische und ästhetische Chirurgie mit eigener Praxis in Zug. Sie ist eine der Experten, mit denen wir für unser Schönheitsdossier gesprochen haben.

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