So fühlt sich Aussteigen wirklich an

Gabriella Hummel und Sandro Alvarez haben vor neun Monaten Job, Wohnung, Freunde und Familie hinter sich gelassen, um in einem VW-Bus Süd- und Nordamerika zu entdecken. Zehn Dinge, die sie on the road gelernt haben.

So fühlt sich Aussteigen wirklich an
Bild: Instagram vanabundos Gabriella, 27, und ihr Freund Sandro, 37, haben ihre Zürcher Stadtwohnung gegen einen Van getauscht – unbefristet.
03 Mai '17
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  1. Ohne Startdatum passiert gar nichts

    Wir haben uns lange sehr schwer getan, ein Abreisedatum zu fixen – hätten wir uns nicht durchgerungen, wir wären wohl heute noch in Zürich in der Hoffnung, noch mehr Geld sparen zu können. Es ist die schwierigste und wichtigste Entscheidung von allen. Vorher bringt das Planen nicht viel, und das Leben hat ganz viele Chancen, dazwischen zu funken.

  1. Je weniger man hat, desto weniger will man besitzen

    Wir haben unsere wirklich tolle Wohnung gekündigt und den grössten Teil des Mobiliars verkauft oder weggegeben; Sachen, von denen wir uns nicht trennen wollten, sind bei unseren Eltern eingelagert. Heute würden wir nicht mit der Wimper zucken, wenn jemand das Zeug aus Versehen abfackeln würde. Seit wir mit unserem Mini-Haus auf Rädern unterwegs sind, wissen wir, wie wenig man wirklich zum Leben braucht. 

  1. Heimatlos zu sein, hat Vorteile

    Wir haben uns in der Schweiz abgemeldet und bereuen es überhaupt nicht. Zum einen, weil wir nicht wissen, wie lange wir unterwegs sein werden. Zum anderen, weil Weltreisekrankenkassen so sehr viel günstiger sind. Zudem wird Sandro nicht zum Militärdienst aufgeboten, während wir gerade in Guatemala auf einen Vulkan steigen oder so.

  1. Die meisten Zweifel (und Zweifler) verstummen nach den ersten Wochen

    Gabriellas Grossmutter hat mehrere Mal gesagt: "Ich finde diese Reise wirklich keine gute Idee." Herzig, aber nicht gerade das, was man hören will. Es kann schwierig sein zu merken, dass nicht alle deine Vorfreude teilen. Vor allem, wenn Fragen gestellt werden, die einen selbst verunsichern: Aber warum gleich den Job kündigen? Was passiert mit deinem CV? Willst du die Wohnung nicht doch behalten? Ist das nicht gefährlich? Es ist wichtig, dass man sich nicht hineinreden lässt. Denn spätestens wenn man unterwegs ist, finden alle: "Ihr macht es richtig!"

  1. Du merkst, was du im Leben wirklich willst

    Für uns ist diese Reise sehr viel mehr als eine Reise. Es ist Zeit, die wir uns nehmen, um zu tun, was wir wollen. Das heisst für uns lesen, Skills aneignen, Musik machen und dem Geist den Raum geben, um versteckte Interessen auszuleben. Man kann es sich vorstellen wie eine Weiterbildung, nur dass wir selbst entscheiden, wann wir uns worin fortbilden. Wir sehen diese Reise als den Anfang jenes Lebens, das wir leben wollen.

  1. Ängste sind relativ

    Am Anfang hatten wir Schiss vor so ziemlich allem und waren extrem unsicher. Sobald man jedoch unterwegs ist, legen sich die meisten Ängste – weil es nicht anders geht. Unterdessen haben wir sogar je länger desto weniger Angst vor der Zukunft.

  1. Mehr Zeit brauchen bedeutet mehr Zeit haben

    Wir haben früh gemerkt: Wenn wir zackig unterwegs sind, geben wir viel Geld aus. Wenn wir hingegen länger an einem Ort bleiben und uns die Zeit nehmen, um preiswertere Übernachtungsplätze oder Lebensmittel zu suchen, brauchen wir deutlich weniger Geld. Das heisst: Wenn wir langsam sind, können wir viel länger unterwegs sein. Ausserdem können wir so Orte, die uns sehr gut gefallen, viel besser kennenlernen und zu einem temporären Zuhause machen.

  1. Lächeln hilft in vielen Lebenslagen

    Ein alter VW-Bus mit dekorierten Velos und einem Schweizer Nummernschild fällt auf. Unsere Strategie, wenn wir angestarrt werden (und uns dabei unwohl fühlen): winken und geradeaus ins Gesicht grinsen. So einfach, so effektiv, immer wieder.

  1. Social Media können fantastisch sein – wenn...

    ...man nicht seine ganze Zeit damit verplempert. Zum Beispiel gibt es viele Facebook-Gruppen für Panamericana-Reisende oder Digitale Nomaden, die sehr hilfreich sein können. Die App iOverlander etwa und ihre Community hat uns schon oft an tolle Übernachtungsplätze geführt. Auf Instagram haben wir viele andere Van-Reisende kennengelernt und dann auch unterwegs getroffen. Oder sie haben uns entdeckt und zu sich nach Hause eingeladen – für ein Essen oder eine warme Dusche.

  1. Du kannst das auch

    Die wichtigste Erkenntnis von allen: Als unser Plan zu reifen begann, hatten wir kein Geld auf der Seite, keine Ahnung von Autos und überhaupt. Und doch sind wir jetzt hier und wissen manchmal selbst nicht, wie wir das gemacht haben. Aber wir sind überzeugt: Wenn wir zwei Amateure das können, dann kann es wirklich jede und jeder.

Falls ihr Fragen habt: Gabriella und Sandro arbeiten an einem E-Book, in dem sie hundert Fragen beantworten, die sie zur Reise gestellt bekommen haben. Es soll im Juli auf ihrer Website vanabundos.com veröffentlich werden – dann sind die beiden ein Jahr lang unterwegs. Bis dahin kann man ihre Reise auf Instagram und Facebook verfolgen.

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