"Unsere erste Demo ist gleich unsere eigene"

Heute findet der erste Women's March in Zürich statt. Dahinter stecken zwei Schülerinnen, die das grosse Interesse völlig überrollt hat.

Von: Melina Stavrinos

Bild: Stefano Schröter BFFs: Kristina und Eleanor, beide 18, haben sich vor sieben Jahren kennengelernt und sind seither unzertrennlich.
18 Mär '17
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Wie seid ihr auf die Idee gekommen, hierzulande einen Women's March
auf die Beine zu stellen? Eleanor: Das war ganz spontan. Nach den Demos in den USA Ende Januar habe ich zu Kristina gesagt: So was brauchts in Zürich auch. Dann habe ich in der Bio-Stunde den Facebook-Event erstellt.

Wen habt ihr eingeladen? Kristina: Um die 120 Freunde von uns. Wir dachten, wir versammeln uns am HB und halten ein paar Poster in die Luft. Dass der Event dann so durch die Decke geht, hätten wir nie erwartet.

Inzwischen haben auf Facebook über 3000 Leute zugesagt, 8500 weitere sind interessiert. Wie geht ihr mit dem Andrang um? K: Als nach drei
Tagen schon rund tausend zugesagt hatten, waren wir komplett überfordert und wollten das Ganze wieder abblasen. Zum Glück erhielten wir rasch Hilfe von Parteien und Organisationen wie der Juso oder der Unia. Dafür sind wir sehr dankbar.

Wie läuft der Event ab? K: Wir werden uns um 13.30 Uhr auf dem Helvetiaplatz versammeln. Von dort marschieren wir rund eine Stunde mit Pussy-Hats, Plakaten und viel Liebe und Toleranz durch die Stadt bis zum Stadthaus. Dort sind dann eine Open-Mic-Session und Performances geplant.

Demonstriert ihr wie die Leute in den USA gegen Donald Trump? E: Nicht direkt. Er ist bloss jemand, der der Ungerechtigkeit ein Gesicht gibt. Die globalen Probleme wären nicht vom Tisch, wenn er abtreten würde.
K: Wir erheben unsere Stimme für alle Benachteiligten, die keine Chance haben, für ihre Gleichberechtigung und Freiheit einzustehen.
E: Der Marsch steht für Positives und Solidarität mit Frauen, der LGBTQ-Community, Immigranten und psychisch beeinträchtigten Menschen. Er ist nicht gegen spezifische Personen gerichtet.

Gab es auch negative Reaktionen? E: Kaum. Angeprangert wurde nur unsere Planung. Aber wir sind nun mal Schülerinnen und keine Event-Managerinnen.

Was wollt ihr mit dem Marsch erreichen? K: Wir wollen auf die globalen Missstände aufmerksam machen und zeigen, dass die Women's-March-Bewegung noch lange nicht vorbei ist. Es wäre grossartig, wenn solche Demos immer wieder mal stattfänden – und zwar auf der ganzen Welt.
E: Wir werden uns so lange gegen Ungerechtigkeit wehren müssen, bis wir am Ziel sind. Nehmen wir den Kampf ums Schweizer Frauenstimmrecht: Der Weg war hart, aber er hat sich gelohnt.

Wart ihr überhaupt schon mal an einer Demo? K: Nein! Es ist crazy, unsere erste Demo ist gleich unsere.

Eleanor und Kristina gehen in Zug zur Schule und teilen ihre Leidenschaft für Harry Potter. Ihr Women's March startet heute ab 13.30 Uhr auf dem Helvetiaplatz in Zürich.


Mehr dazu auf facebook.com/womensmarchzurich und auf womensmarch.ch

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