"Eine Wasserwelle wie die Queen bitte"

Friday-Redaktorin Marie-Adèle Copin hat sich von der Serie "The Crown" inspirieren und sich dann bei einem Genfer Coiffeur die Frisur der britischen Königin verpassen lassen. Ihr Erfahrungsbericht.

Von: Marie-Adèle Copin

Bild: Marie-Adèle Copin
17 Mär '17
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Die Serie "The Crown" ist schuld: So wenig mich der Plot des Netflix-Erfolgs über die Anfangsjahre von Königin Elisabeth II. vom Hocker riss (zu wenig Sex und Blut), so sehr faszinierten mich die Frisuren der Schauspielerin Claire Foy. Sofort witterte ich einen Trend.

Die anmutige Frisur der jungen Queen.

Bild: Alex Bailey/Netflix

Und ich bekam Recht. Letzte Woche erst trugen die Models in London für die Show der Designerin Pam Hogg Lockenwickler. Und da kam ich auf die Idee: "Wieso nicht mal so eine Wasserwelle probieren?"

Pull out your curlers girls!! @pamhoggfashion #show with @paulsimonin in front row #theclash yeah🎵🎵🎵 #evu

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Ich schnappe mir mein Telefon und rufe den Genfer Trendcoiffeur Le Bal des Créateurs an und sage: "Nur Waschen, Föhnen, Legen, bitte." Eine Woche später besuche ich den Coiffeur Salon im Plainpalais Quartier. "Sie sind für ein Brushing hier, nicht wahr?", fragt Loïc, der Coiffeur, der sich meiner annehmen wird." Ich antworte: "Nein, ich hätte gerne eine Wasserwelle." Stille.

"Ach so, na gut...!" Ich merke, dass er nur mit Mühe einen Lachanfall unterdrückt. Ich aber bleibe stoisch. "Ist es für einen speziellen Anlass?", fragt er in der Hoffnung, eine logische Erklärung für meine ungewöhnliche Wunschfrisur zu bekommen. "Ganz im Gegenteil! Ich bin einfach Fan davon." Ich zeige ihm meine Ausgabe der "Vanity Fair" mit der Königin auf dem Cover. "Sie ist mein Idol", sage ich ihm. Wir sprechen über "The Crown", den Buckingham Palace, die Monarchie, Themen, die anscheinend auch ihn faszinieren.

Als ob sich die Kopfhaut vom Schädel löst

"Okay, fangen wir mit einer Wasserwelle à la Marilyn Monroe an." Loïc wickelt die Lockenwickler ein. Meine Güte, wie das zieht! Es fühlt sich an, also ob sich meine Kopfhaut allmählich vom Schädel löst. Nicht vorzustellen, dass unsere Ahninnen so etwas die ganze Nacht trugen. Und das nur, weil sie hübsch aussehen wollten.

Die anderen Kunden schauen mich halb schmunzelnd, halb neugierig an. Mein Coiffeur aber ist plötzlich im siebten Himmel. "Ich habe seit meiner Lehre keine Wasserwelle mehr gemacht. Du bist mein Highlight des Tages." Tja, wenigstens ist einer glücklich! Denn ich geh grad durch die Hölle. Meine Kopfhaut steht so sehr unter Spannung, dass eine Migräne nur ein Augenzwinkern entfernt ist. Aber etwas Gutes hat es schon: Ich bekomme einen kleinen Vorgeschmack darauf, wie ich in ein paar Jahren nach meinem ersten Facelift aussehen würde.

Langeweile – und ein heimlicher Beobachter

"Jetzt kommst du unter die Haube." Super! Auf diesen Moment warte ich seit Ewigkeiten. "Die Hitze hilft, die Welle zu festigen", erklärt er mir andächtig. Eine Stunde vergeht. Mir ist langweilig. Sehr langweilig. Meine einzige Lektüre handelt vom 90. Geburtstag der Königin und ihren Hunden. Während ich versuche, mich in meine Lektüre zu vertiefen, sehe ich aus dem Augenwinkel, wie mich jemand sehr intensiv studiert. Na und? Ich bin halt nicht für eine Balayage da.

Es dauert...

Bild: Marie-Adèle Copin

Endlich erlöst mich Loïc vom Folterwerkzeug. Und das Ergebnis kann sich sehen lassen! Ich habe Locken! Ein noch nie zuvor gesehenes Phänomen meiner sonst steckengeraden Haarpracht. Einmal drüber mit der Bürste und aus der Marilyn-Monroe-Wasserwelle wird die Frisur der jungen Queen.

Wow, ich hab wirklich eine Wasserwelle!

Bild: Marie-Adèle Copin

Nach meinem Coiffeurbesuch treffe ich einen Freund zum Spaziergang im Parc des Bastions in Genf (der Hyde Park wär mir lieber). Die Sonne scheint. Ich bin glücklich. "Na, wo ist deine Wasserwelle?", fragt er mich. Ich schaue mich in meinem Iphone an: alles ist flach. Die Luft ist raus. Zwei Stunden beim Coiffeur – für zehn Minuten 60er-Revival? Diesen Tag werde ich nie vergessen.

Alles wieder weg, aber immerhin, ein bisschen Volumen ist geblieben...

Bild: Emmanuel Coissy

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