Paris Jackson hat die Qualen hinter sich

Depressionen, Drogen, Selbstmordversuche: Nach dem Tod ihres Vates Michael, glich ihr Leben einem Scherbenhaufen. Jetzt will die 18-Jährige als Model und Schauspielerin durchstarten.

Von: Gina Buhl

Paris Jackson hat die Qualen hinter sich
Bild: Getty Images Vergangenen Sonntag bei der Grammy Verleihung: Paris strahlt auf dem Red Carpet.
17 Feb '17
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Vor drei Wochen am Flughafen in Los Angeles: Ohne Vorwarnung versperren Paparazzi ihr den Weg und richten die Kameras direkt auf das Gesicht von Paris Jackson. Sie lächelt gequält, blinzelt mit ihren huskyblauen Augen ins Leere und rennt los, quer durch die Ankunftshalle. Die Paparazzi jagen hinterher, sie fleht darum, in Ruhe gelassen zu werden. Die Fotografen ignorieren ihre Bitte, rufen ihren Namen immer lauter, immer aggressiver. Unter Tränen bricht Paris vor laufenden Kameras zusammen. Szenen wie diese gehören zu ihrem Alltag.

"Verstanden habe ich das Versteckspiel damals nicht"

Aufgewachsen ist sie, von der Öffentlichkeit vollkommen abgeschottet, mit Vater Michael und den Brüdern Prince und Blanket auf der abgelegene Neverland-Ranch. Um jede freie Minute mit ihrem Dad verbringen zu können, werden Paris und ihre Geschwister zuhause unterrichtet. Verlassen die Kids den Mikrokosmos des Anwesens in Kalifornien, verhüllt Michael ihre Gesichter, um sie vor den Paparazzi zu schützen. Absurde Szenen, die auch Paris irritieren, wie sie 2012 im Interview mit Talkmasterin Oprah Winfrey erzählt: "Dad hat zwar immer versucht uns zu erklären, warum er das tut – aber verstanden hab ich das Versteckspiel damals noch nicht."

Dass sie eine Mutter namens Debbie Rowe hat, erfährt sie spät. Erst als Paris 13 ist, lernen sich die beiden kennen. Jahrelang ist ihr Vater, der Weltstar, ihre einzige Bezugsperson. Sie liebt und vergöttert ihn. Michael stirbt, als Paris 11 Jahre alt ist. Ihre eigene, kleine Welt bricht zusammen – und der Rest der Welt sieht dabei zu. Sie muss unter dem Beschuss der Medien trauern, sich immer wilderen Verschwörungstheorien über den Tod ihres Vaters stellen.

Depressionen, Drogen, Missbrauch

Sie zieht sich mehr und mehr zurück, bekommt Depressionen und fängt an, sich zu ritzen. Ein stiller Hilferuf, den niemand zu hören scheint. Und die Abwärtsspirale dreht sich weiter: Paris wird von Mitschülern gemobbt und online anonym fertiggemacht. Um ihren Schmerz zu betäuben, nimmt sie schon mit 13 Jahren Drogen. Dann geschieht das, was ihr den letzten Lebenswillen raubt: Sie wird sexuell missbraucht, "von einem wildfremden Mann", wie sie dem Magazin "Rolling Stone" kürzlich erzählt hat. Ihr Leben gleicht einem Scherbenhaufen. Sie schluckt Tabletten, schlitzt sich die Pulsadern auf – dreimal versucht Paris sich umzubringen.

Umzingelt: Ihr erster öffent­licher Auftritt an Michael Jacksons Beerdigung.

Bild: Getty Images

Ihre Highschool-Jahre verbringt sie in einer psychiatrischen Anstalt; die unbeschwerte Teeniezeit verpasst sie. Selbst als sie die Psychiatrie verlassen kann, ist Paris nicht frei: Der Jackson-Clan reisst sich um sie, kontrolliert. Bis Musiker und Bad Boy Michael Snoddy ihr Herz erobert. Sie bricht aus, wird vom Hippie-Girl zum rockigen Vamp. Die beiden wirken glücklich. Dann, als vergangenes Jahr dauerhaft Ruhe einzukehren scheint, erkrankt ihre Mutter an Brustkrebs. Kann man tragischer aufwachsen? Jetzt, zwei Monate vor ihrem 19.  Geburtstag, versucht sie, all das hinter sich zu lassen. Ende Januar hat sie im "Rolling Stone" zum ersten Mal über ihre Vergangenheit gesprochen. Abseits der Klatschpresse wird klar, wie talentiert und interessant Paris ist.

Erste Ausflüge in die Glitzerwelt

Sie will als Schauspielerin und Model durchstarten, die ersten Schritte sind schon getan: Mitte Januar steht sie für Chanel vor der Kamera, sitzt während der Fashion Week neben der ehemaligen "Vogue"-Chefredaktorin Carine Roitfeld in der Frontrow. Seit kurzem laufen auch die Dreharbeiten für die US-Serie "Star", in der Paris die Rolle eines Social-Media-Gurus hat. Ihre Ausflüge in die Glitzerwelt scheinen dem etwas unbeholfen gestylten Hippie-Girl zu gefallen. Vom Rummel um ihre Person ist sie aber noch ziemlich überfordert: so wie am Flughafen von L. A., so wie kürzlich auf Instagram, als sie ihre Follower mit Tränen in den Augen bittet, negative Kommentare für sich zu behalten – weil sie mit all dem Hass nicht klar komme.

Dass es Paris dennoch ins Rampenlicht zieht, klingt deshalb erst einmal paradox. Trotzdem macht es Sinn: Durch die Schauspielerei und das Modeln kann sie in Rollen schlüpfen, endlich herausfinden, wer sie ist und wer sie sein will – etwas, das in ihrem tragisch-turbulenten Leben bisher auf der Strecke blieb. Auch wenn sie immer Michaels Tochter bleiben wird, hat sie jetzt die Chance, die dunkle Jackson-Vergangenheit hinter sich zu lassen.

Neuanfang in der Frontrow: Paris Neben Ex-"Vogue"-Chief Carine Roitfeld an der Fashion Week in Paris. 

Bild: Getty Images

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