So fällt das Loslassen leichter

Ein frustrierender Job, eine gestörte Beziehung: Oft fällt es schwer, sich aus belastenden Situationen zu befreien. Diese fünf Profitipps helfen.

Von: Irène Schäppi

So fällt das Loslassen leichter
Bild: Lukasz Wierzbowski Festklammern bringt uns nicht weiter.
16 Feb '17
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Nur schon der Gedanke an einen Neuanfang in Sachen Liebe, Arbeit oder was auch immer erfüllt die meisten von uns mit Horror. Denn so anstrengend der Job auch ist, so mies die Beziehung: Wir haben das Gefühl, bereits zu wissen, was auf uns zukommen könnte.

Wir bremsen uns selbst aus

Die Psychologin Sarah E. Preisig beschreibt dieses Muster als Angst vor der Angst: "Die Angst vor Neuem ist oft in bisherigen Erfahrungen zu finden." Das könne zum Beispiel die Scheidung der Eltern, eine schmerzhafte Trennung oder auch Mobbing an der Schule sein. "Die Furcht vor der Wiederholung eines bereits erlebten Traumas bremst uns aus", sagt sie.

Einen anderen Grund für das Verharren sieht die Expertin in nicht vorhandener oder zu wenig Selbstliebe. Sie erklärt: "Das Nicht-Ausbrechen aus einer unerträglichen Situation hat auch damit zu tun, dass wir dies mit Aufgeben oder einer Niederlage gleichsetzen." Wir machen also einfach weiter, was - schlimmstenfalls - nicht nur unserer Psyche, sondern auch unserem Körper schadet: "Zähneknirschen oder chronische Verspannungen im Schulterbereich können Folgen sein", erklärt die Psychologin.

Ziemlich destruktiv, oder? Fünf Tipps von Sarah E. Preisig, die uns helfen, loslassen zu lernen.

Loslassen in 5 Schritten

  1. Bewusst werden

    "Realisieren, dass gewisse Dinge uns nicht guttun, ist der erste Schritt für einen Neuanfang", sagt die Psychologin. Sie rät, sich bewusst zu machen, was einem nicht guttut, und die Punkte dann aufzuschreiben. "Job, Karriere, Beziehung: Schau genau hin, was dich unglücklich macht." 

  2. Die richtigen Fragen stellen

    Sobald die Unhappy-Liste steht, gehts darum, Fragen zu stellen. Etwa so: "Warum kann ich meinen Freund nicht verlassen, obwohl er mich non-stop betrügt?" Oder: "Wieso kündige ich meinen Job nicht, trotz mobbender Arbeitskollegen?" Und überhaupt: "Warum habe ich solche Angst vor einem Scheitern, wenn ich mich aus dieser oder jener destruktiven Situation löse?" Neben absoluter Ehrlichkeit sich selbst gegenüber ist es bei dieser Übung wichtig, die Vergangenheit auszublenden. "Mit Vergangenem hadern wirkt wie eine Blockade und wir bewegen uns in wieder in einer Endlosschlaufe."

  3. Scheitern als Möglichkeit akzeptieren

    "Akzeptieren lernen, dass wir scheitern und Fehler machen, ist ein weiterer Schritt hin zum Loslassen", erklärt Preisig. Anders gesagt: Fehler sind Lektionen und bringen uns weiter. Die Erwartungen der Gesellschaft sowie unser immer schneller werdender Lebensstil können diesen Prozess aber erschweren. Die Expertin rät deshalb zu Begleitpersonen in Form eines Coaches, Therapeuten oder Psychologen.

  4. Negative Gedanken umpolen

    "Mit der Akzeptanz kommt auch eine Milde sich selbst gegenüber", weiss die Psychologin aus Therapien mit ihren Patienten. Will heissen: Anstatt sich selbst die ganze Zeit fertig zu machen, hilft es, ein positives Mindset zu entwickeln. Das geht mit täglich laut ausgesprochenen Mantras wie "Ich bin okay so, wie ich bin". Ein anderes Mantra könnte aber auch sein: "Ich bin mehr, als du bis jetzt gesehen hast. Und ich bin mehr, als ich bisher erkannt habe." Sarah E. Preisig sagt: "Durch das Formulieren von neuen Glaubenssätzen können wir alte, destruktive Gedanken umpolen." 

  5. Liebevoll sein

    "Es ist normal, frustriert zu sein, wenn sich das Leben trotz neuer Glaubenssätze und Selbstakzeptanz nicht gleich verändert", sagt die Psychologin. Aufgeben sei aber keine Option. Vielmehr gehe es genau in solchen Momenten darum, liebevoll zu sich selbst zu sein und Geduld zu haben. Das ist einfacher gesagt als getan, kann aber in sogenannten Bewusstseins-Seminaren geübt werden. "Für solche, die keine Fans von Gruppentherapien sind, ist es hilfreich, zu Hause eine Meditationsecke oder einen persönlichen Wohlfühlort für diese seelische Arbeit zu gestalten." Und zum Schluss: "Hauptsache, man bleibt dran. Dann klappts auch mit dem Loslassen."

Sarah E. Preisig ist diplomierte Psychologin und Therapeutin mit Praxis in Zürich. Sie sieht im bewussten Sein den Schlüssel zu mehr Lebensqualiät und bietet hierzu Workshops an. 

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