Können wir mal normal mit Cellulite umgehen?

Die US-"Glamour" lässt Lena Dunhams Dellen auf dem Cover unretuschiert. Dass jetzt wieder alle ausflippen, ist befremdlich, findet Redaktorin Karin Zweidler.

Können wir mal normal mit Cellulite umgehen?
Bild: Courtesy of Glamour, Ausgabe Februar 2017 Gewöhnliche Dellen sorgen immer noch für eher ungewöhnliches Aufsehen.
05 Jan '17
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Vier Frauen in quietschbunten Designer-Outfits, ein unmodelmässiger Oberschenkel und vor allem ein paar Dellen bringen das Internet seit gestern zum Ausflippen. Die U.S.-Ausgabe der "Glamour" packt die Protagonistinnen der HBO-Serie "Girls" aufs Cover der Februar-Ausgabe, lässt den Retusche-Pinsel für einmal stecken – et voilà: Die Aufregung in der Medienwelt ist gross – mal wieder.

Hype abkassieren und dann: Back to Business

Kennen wir ja schon. Nachdem Körper lange superskinny, superglatt, superglänzend zu sein hatten, sehen wir die letzten Jahre auch auf Magazinen, dem Laufsteg, in Werbe-Kampagnen immer öfter solche, die genau das nicht sind. Das ist schön. Und ein PR-Ass, das schon von diversen Brands gespielt wurde. Denn über das, was nicht der aalglatten Norm entspricht, wird immer noch mit zuverlässiger Sicherheit diskutiert.

Ist das scheinheilig? Vielleicht. Klar, wir sehen echte Körper lieber in PR-Mission als gar nicht. Viel zu oft ist aber nach dem von allen Seiten besprochenen grossen Happening dann wieder Ruhe. Hype-Welle mitreiten und dann schnell: Back to Business, also Makellos-Models und Photoshop.  

Andersartigkeit ohne Aufregung

Auch im "Girls"-Fall passt das PR-Timing gut. Die letzte Staffel läuft, was für ein Zufall, im Februar an. Der Hype kommt also nicht ungelegen und höchstwahrscheinlich auch nicht ungeplant. Und trotzdem läuft beim "Glamour"-Cover vieles ein bisschen anders. Die Titelseite zeigt nicht eine kurvige Frau und will so krampfhaft Diversität zum Thema machen. Sie zeigt vier verschiedene junge Frauen. Die wiederum zeigen Bein. Manche dieser Beine sind dünner, andere kräftiger, manche sind skinnyglattglänzend, andere haben halt Dellen. So sehen wir aus: alle anders. So what, kein Drama.

Und zwar so sehr nicht, dass die "Glamour" selbst es nicht mal für nötig befindet, die nicht-retuschierte Cellulite mit einem einzigen Wort zu erwähnen. Das Foto ist nicht das Titelbild eines Body-Positivity-Shoots, nicht das einer Plus-Size-Issue, sondern schlichtweg das einer Frauen-Ausgabe. Zu sehen sind nicht – oh Gott – unretuschierte Frauenbeine, sondern die "Girls"-Girls, genau so, wie sie eben aussehen. Also kein Grund zur Aufregung.

Hoffentlich entspannen wir uns bald

Die Einzigen, die jetzt ausflippen, sind alle anderen. Zeigt: So normal, wie die "Glamour" das Existieren von "Makeln" oder auch einfach nur normalen Körpern auf ihrem Februar-Cover findet, sind sie eben leider noch nicht. Hoffen wir also, dass wir Körper bald einfach Körper sein lassen und wir uns alle mal ein bisschen entspannen - ob mit oder ohne Cellulite.

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