Diese norwegische Serie macht Teens crazy

Sie schlafen nicht mehr, schwänzen die Schule und lernen extra Norwegisch: Weltweit sind Teenager verrückt nach "Skam". Fünf Gründe, warum die Serie so aussergewöhnlich ist.

Von: Britta Gfeller

Diese norwegische Serie macht Teens crazy
Bild: Screenshot Skam Die dritte Staffel von "Skam" dreht sich um Isak (rechts) und sein Coming-out.
27 Dez '16
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Gedacht war "Skam" (deutsch: Scham) als Jugend-Webserie, um mehr junge Leute auf die Homepage des norwegischen Senders NRK zu locken. Die erste Episode wurde im September 2015 ausgestrahlt. Darin gehts um Party, Beziehungsprobleme und Gesellschaftskritik. Mit dem Hype, der dann losging, haben die Macher nicht gerechnet: "Skam" wurde zur erfolgreichsten norwegischen Serie ever. Heute läuft bereits die dritte Staffel online und im TV. Auch in anderen Ländern hat das Teenager-Drama Fans aller Alterskategorien. Da die Serie nur auf Norwegisch läuft, lernen viele Amerikaner, Russen oder Philippiner extra die Sprache und stellen dann eigene Untertitel auf Facebook und Tumblr.

Remake aus den USA

Inzwischen arbeitet "American Idol"-Produzent Simon Fuller an einem englischsprachigen Remake der Serie. Obs so gut wird wie das Original? Wir bezweifeln es. Denn "Skam" ist ein bisher einzigartiges Projekt – vom Casting über die Protagonisten bis zum Zeitpunkt der Ausstrahlung. Hier sind fünf Gründe, warum die Serie so besonders ist.

  1. Die Charaktere

    Die Serie folgt einer Gruppe Teenager in Oslo. Jede der bisher drei Staffeln konzentriert sich auf das Leben einer Hauptperson: In der ersten ist es Eva, die sich mit all ihren Freundinnen zerstritten hat, die zweite dreht sich um Noora, die sich in einen älteren Frauenhelden verliebt, und die dritte um Isak und sein Coming-out. Die vierte Staffel ist bereits angekündet, noch weiss aber niemand, welche der bisherigen Nebenfiguren zum Hauptdarsteller wird. Viele wünschen sich Sana, ein muslimisches Mädchen mit Kopftuch und riesiger Klappe.

  1. Die Themen

    Sex, Schule, Partys, Besäufnisse, Liebe, Depression, Vergewaltigung, Religion, Coming-out und die dauernde Angst, nicht mehr cool zu sein. Ein bisschen wie die britische Serie "Skins". Nur glaubwürdiger. Für das US-Remake müssen wahrscheinlich viele Szenen zensiert werden.

  1. Das Timing

    Wenn eine Party-Szene um zwei Uhr in der Nacht spielt, wird auch der Clip davon um zwei Uhr in der Nacht auf die NRK-Website geladen – ohne Vorankündigung. Das führt dazu, dass einige Fans der Serie die Schule schwänzen oder nicht mehr schlafen, aus Angst, ein Video zu verpassen. Die vier bis sechs Real-Time-Schnipsel werden jeweils am Freitag zu einer Episode zusammengefasst und im TV ausgestrahlt.

  1. Die sozialen Medien

    "Skam" kombiniert nicht nur Webserie mit TV, sondern bindet auch Instagram und Co. ein wie keine andere Produktion. Das Marketing für die Sendung fand ausschliesslich über Social Media statt. Ausserdem hat jede der Figuren einen eigenen Instagram-Account, auf dem sie verschwommene Selfies, Partyfotos oder Blödel-Bilder postet. Damit bekommen die Zuschauer noch mehr das Gefühl, dass es sich bei Eva, Isak und Co. nicht um Schauspieler, sondern ihre Freunde handelt.

  1. Das Team

    Produzentin Julie Andem, 34, ist vor Produktionsbeginn ein halbes Jahr durch ganz Norwegen gereist und hat mit Teenagern gesprochen, um rauszufinden, was diese wirklich beschäftigt. Anschliessend fand ein Casting statt, bei dem die vielversprechendsten jungen Laiendarsteller ausgesucht wurden. Erst danach wurden die Rollen extra für die Schauspieler geschrieben. Da sie alle neben "Skam" zur Schule gehen oder arbeiten, wird die Serie mit einem knappen Budget und in kurzer Zeit gedreht.

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