"Selbsthass bringt nichts"

Gina aus Chicago hat ihre Magersucht überwunden – nun postet sie als Body-Positivity-Aktivistin Fotos ihrer Speckrollen. Unter dem Hashtag #embracethesquish hat sie mittlerweile zahlreiche Nachahmerinnen. Wir haben mit ihr gesprochen.

Von: Sophia Cosby

Bild: Instagram nourishandeat Gina hat die Magersucht hinter sich – nach drei Jahren.
11 Nov '16
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Gina, Gründerin des Insta-Blogs Nourish and Eat, war drei Jahre lang magersüchtig. "Angefangen hat es bei meiner Hochzeitsplanung", erzählt sie in einem Interview mit Naked With Anxiety, einem Blog, der sich mit Themen wie Angststörungen und Magersucht auseinandersetzt. "Vor lauter Stress habe ich keinen Bissen mehr runterbekommen."

Nach der Hochzeit ging es so weiter. Sie war unglücklich, litt unter Angststörungen, fühlte sich unwohl in ihrer Haut und versuchte, ihren Körper zu verstecken. Als ihr Mann eines abends für sie kochen wollte, brach sie zusammen. "Wir sassen in der Küche und ich habe zwei Stunden lang pausenlos geweint. Danach habe ich im Internet nach Hilfe gesucht." 

Jetzt setzt sie sich für das Body-Positivity-Movement ein: Auf Instagram postet sie Bilder ihrer Speckrollen, um anderen zu zeigen, dass es mehr als ein Schönheitsideal gibt – und dass man es schaffen kann, seine Essstörung zu besiegen. So auf sie aufmerksam geworden, wollten wir unbedingt mit ihr sprechen.

Gina, auf deinem Instagram-Account erzählst du offen von deiner Essstörung. Warum?

Es gibt so viele junge Menschen, die in ihren Selbsthass-Gedanken untergehen. Ich wollte meine Geschichte mit ihnen teilen. Mit meinen Fotos will ich ihnen zeigen, dass sie es ebenfalls aus der Magersucht schaffen können. Genau das hat mir damals auch geholfen.

Wie kamst du auf den Hashtag #embracethesquish?

Das Wort "squishy" (zu Deutsch schwabbelig) habe ich immer benutzt, um meinen Körper zu beschreiben. Alles, was mir nicht gefiel, zum Beispiel meine speckigen Arme, war "squishy". Bis mir irgendwann klar wurde, dass Selbsthass nichts bringt. Wenn man seinen Körper akzeptiert, so wie er ist – auch wenn er "squishy" ist –, hat man den ersten Schritt zur Besserung getan.

In deinen Posts schreibst du, dass die Fotos von Fitness-Bloggern genauso schädlich für die Selbstwahrnehmung sein können wie die Frauenbilder in Werbekampagnen oder Zeitschriften. Warum empfindest du das so?

Natürlich ist es super, wenn jemand regelmässig Sport treibt und sich gesund ernährt. Aber unsere Gesellschaft hat trotzdem nur ein Schönheitsideal: Frauen sollen dünn und straff sein. Models und Insta-Blogger haben alle den gleichen Körper – und meistens sind die Fotos zudem bearbeitet. Dazu schreiben sie dann oft irgendeinen dämlichen Spruch wie "Du bist, was du isst". Solche Messages können grossen Schaden anrichten.

Was würdest du Mädchen raten, die an einer Essstörung leiden?

Unbedingt jemandem davon erzählen. Essstörungen sind eine Krankheit, und für Krankheiten sollte sich niemand schämen. Der Weg zur Besserung ist hart, aber meine Erfahrung ist, dass viele Menschen einen unterstützen, sobald man sich geöffnet hat. 

Was für ein Feedback hast du für deinen Insta-Blog bekommen?

Mir schreiben viele, ich hätte ihnen Mut gemacht, Hilfe aufzusuchen. Das freut mich natürlich riesig, darum ging es mir ja auch! Mit dem Hashtag haben wir eine richtige Community aufgebaut, die sich auch weiterhin für das Body-Positivity-Movement einsetzen wird.

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