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16 Dinge, die ich in der Grossstadt gelernt habe

SIM-Card vom Späti, Pfandflaschen-Charity, Klartext reden: Nach zwei Monaten Berlin ist Gast-Bloggerin Karin Zweidler um einige Erkenntnisse reicher.

16 Dinge, die ich in der Grossstadt gelernt habe
Bild: Karin hat im Berliner Grossstadt-Dschungel ihr Velo lieben gelernt.
28 Jul '16
zurück +31 -24
28 Jul '16
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  1. Das Velo ist mein BFF

    Es macht die Stadt zwar nicht kleiner, aber bezwingbarer, sorgt dafür, dass ich die Zusammenhänge auch abseits des U-Bahn-Netzes verstehe, offenbart Plätze, die sonst unentdeckt blieben – und macht neben dem Party- und Halloumi-für-3.50-Alltag fitte Wädli.

  1. Qualität vor Quantität

    Verpassen tut man immer was. In einer Stadt des Überangebots ist Fokus wichtiger denn je. Ich habe gelernt: Ich kann nicht an jeder Party, jedem Flohmi und jedem Grill-im-Park-Event von meinen Freunden sein. Und wenn ich es doch versuche, bin ich schlussendlich nirgendwo richtig.

  1. Die Winterjacke hätte ich zu Hause lassen können

    Genau so wie 1/3 meines mitgebrachten Gepäcks und die 12 Bücher, von denen ich nur drei gelesen habe. (Die zwei wunderschönen Beistelltische vom Flohmarkt letzte Woche, machen die Gepäcksituation nicht besser.)

  1. Direkt sein

    Wenn meine Berliner Freunde etwas stört, dann sagen sie das - nicht unanständig, sondern einfach nur ehrlich. Während ich als Schweizerin fünfmal nachfrage, obs jetzt wirklich okay ist für den Fahrer, mich zu Hause abzuholen ("bist du sicher???"), kommt hier die Antwort: "Karin, ich würds schon sagen, wenns mich stören würde". Ewiges Rumdiskutieren und Reinintepretieren fällt einfach weg. So entspannend.

  1. Wir leben im Luxus

    Uns gehts richtig gut in der Schweiz, das ist, glaub ich, jedem klar. Zu erleben, dass aber sogar zu Deutschland – einem im weltweiten Vergleich reichen Land – ein riesen Unterschied besteht, macht es noch viel bewusster. Erst, wenn man merkt, dass es bei den meistens von uns kein Thema ist, ob man kurz zum Arzt geht, wenns nötig ist, oder, dass in unserer Heimat diskussionslos jedes Gebäude top-saniert ist, wird einem klar: Wir solltens noch viel mehr schätzen.

  1. Ruhe kann schön sein

    Nach dem ich 1,5 Monate im laut-dreckig-wilden Neukölln gewohnt habe, fühlt sich sogar mein Zimmer für die letzten zwei Wochen im superzentralen Prenzlauerberg plötzlich nach Pampa an. Nach guter Pampa.

  1. Die Sache mit dem Handy-Anbieter sollte man sich genau überlegen

    Dass es Sinn gemacht hätte, mir nicht einfach im erstbesten Späti die allergünstigste türkische Prepaid-Karte anzuschaffen (der Verkäufer war so nett), habe ich spätestens gemerkt, als meine Freunde auf dem Festival wacker Sprachnachrichten, Bilder und Videos ausgetauscht haben, während ich mit ausgestrecktem Arm um jede SMS kämpfen musste.

  1. The more, the merrier

    Zu Verabredungen nimmt hier jeder einfach jeden mit. Das hat den Vorteil, dass sich alle kennenlernen. Und was gibts schöneres, als wenn sich Freunde von Freunden plötzlich auch aufeinander freuen und sich "ganz dringend was erzählen" müssen?

  1. Small-Talk? Es geht viel schöner

    Im Späti, in der Bahn, auf der Strasse: Die Leute reden hier miteinander. Und zwar nicht den Einheitsbrei, den wir alle schon im Schlaf kennen, sondern situationsspezifisch und ehrlich – auch wenns nur drei Sätze sind.

  1. Altglas lässt man draussen stehen

    Und tut damit nichts schlechtes, sondern vermacht den Obdachlosen das Pfand, das drauf ist. Ist nicht viel, aber besser als selber einsacken und in der Jackentasche vergessen.

  1. Promis sind überall

    In einer Stadt, in der ungefähr jeder Musiker, DJ oder wenigstens It-Girl ist und jeder zweite dann halt auch noch Erfolg damit hat, dreht man sich nicht mal mehr richtig um, wenn H.P. Baxxter neben einem isst, Palina Rojinski neben einem tanzt oder Bonnie Strange neben einem snappt.

  1. Es heisst "Serien", nicht "Seriiien"

    Hochdeutsch macht mir grundsätzlich keine Probleme, für manche Worte lachen mich aber trotzdem alle aus.

  1. Fünf Minuten können unglaublich lang sein

    Und zwar dann, wenn man auf eine U-Bahn warten muss, die eigentlich alle zwei Minuten fährt. #grossstadtstruggle

  1. Die Namen der einzelnen Mitglieder von Westlife

    Supermarkt-Schlange, es läuft Boyband-Musik. Meine Freundinnen googeln, ob Ronan Keating jetzt bei Westlife mit dabei war, oder doch nicht. Eine Dame in ihren Vierzigern dreht sich um und sagt stolz und gleichzeitig vorwurfsoll im breitesten Berlinerisch: "Nicky, Scheen, Kiiian, Mark, Brrraiän". Wie konnt ichs nur vergessen.

  1. Mate hilft. Fast immer.

    Egal ob bei Müdigkeit, Verzweiflung oder Unterzuckerung.

  1. Termine machen keinen Sinn

    Nicht in Berlin. Wer weiss denn schon, was morgen ist? Spontan sein macht viel mehr Sinn und ist zielführender, weils alle so machen.

Ein Sommer in Berlin

Karin Zweidler ist 25 und schreibt regelmässig als freie Autorin für Friday und andere deutschsprachige Medien. Mit Techno kann sie gar nichts anfangen, Berlin liebt sie trotzdem. Das hat sie gemerkt, als sie vor drei Jahren kurz dort gelebt hat. Weil die Sehnsucht gross ist, verbringt sie diesen Sommer wieder in Berlin – und bloggt bei uns über das Grossstadtleben.

 

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