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Berlin, diese 10 Dinge nerven!

Die Grossstadt lässt das Herz von Gast-Bloggerin Karin Zweidler höher schlagen. Trotzdem: Es gibt auch hier Dinge, die ziemlich nerven.

Berlin, diese 10 Dinge nerven!
Bild: Karin Zweidler
14 Jul '16
zurück +32 -47
14 Jul '16
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Berlin, ich liebe dich, das weisst du. Manchmal so sehr, dass mein Herz wehtut: Vor Freude, wenn ich lande, vor Wehmut, wenn ich wieder weggehe oder auch einfach nur so, wenn ich die Sonne von der Warschauer Brücke im Horizont versinken sehe oder im Späti laut Gangster-Rap läuft. Aber das mit uns, das geht jetzt schon ein Weilchen, wir dürfen also ehrlich sein. Und ich muss dir sagen: Manchmal nervst du.

  1. Du wiederholst dich - und du denkst, wir sprechen bayrisch

    Egal wem ich erzähle, woher ich komme - es dauert etwas zehn Sekunden, bis ich in "Teuer"-, "aber ihr verdient ja auch mehr"-, "15 Franken für einen Drink, hat mir mein Cousin erzählt!!"-Diskussionen verwickelt werde. Sofern es nicht um Berge geht. Irgendwann fällt dann unter Augenzwinkern ein schweizerdeutscher Satz, der aber eigentlich bayrisch ist. Das ist zwar süss - nach dem 738. Mal kann ich die Dialoge aber auswendig.

  1. Du bist zu gross

    Egal wo ich hinwill: Es dauert. Freunde treffe ich im Grossstadt-Berlin nicht "mal eben" auf einen Kaffee, sondern fahre erst eine halbe Stunde ÖV, steige zwei mal um (und verpasse höchstwahrscheinlich einen Bus auf dem Weg).

  1. Du bist zugedröhnt

    Partydrogen werden auch in der Schweiz konsumiert, klar. Hier passierts aber mit beängstigender Selbstverständlichkeit: Wer feiert, konsumiert. Wer nicht drauf ist, ist die Ausnahme. Schade.

  1. Du bist dreckig

    Nach einem Berlin-Tag habe ich das akute Bedürfnis, fünf Minuten lang meine Hände zu waschen und fühle ich mich, als ob ich den Smog der ganzen Stadt am Körper trüge. Auf dem Abschmink-Wätteli zeigt sich dann: Es stimmt irgendwie auch.

  1. Du wirst so früh wach

    Die Nacht hat scheinbar erst angefangen und dann geht auf einmal schon die Sonne auf und beschliesst, dass jetzt, um 4 Uhr, der neue Tag anfängt. Mit ihr an vorderster Front: vital zwitschernde Vögel - und mein schlechtes Gewissen (ich wollte doch fit sein morgen, also dann, irgendwann). Das Ding ist: Tanzen im Sonnenaufgang ist wunderbar, einschlafen bei praller Sonne nervt.

  1. Du hast zu viel des Guten

    Wer versucht, jede gute Party, jedes süsse Café oder jede schöne Strasse in Berlin zu kennen, hat schon verloren. Schafft man nämlich eh nicht. Das Riesenangebot ist toll, sorgt aber auch dafür, dass es manchmal fast unmöglich ist, mit gutem Gewissen mal gar nichts zu machen - man könnte ja was verpassen.

  1. Du magst mein Fahrrad nicht - oder zu sehr

    Velos leben hier gefährlich: Wehe, wenn du's nicht sogar im abgetrennten Innenhof abschliesst, wurde mir eingetrichtert. Hab ich gemacht. In den letzten zwei Monaten war ich trotzdem öfters beim Velo-Mech als in den letzten fünf Jahren zusammen. Wenn ich nicht grade über Scherben gefahren bin, die meine Reifen platzen liessen (3x), haben irgendwelche Menschen versucht, das an eine Laterne angekettete Rad einfach mitzunehmen (1x). Oder, wenn das nicht geklappt hat, einfach die Bremskabel zerschnitten (1x). Seid lieb!

  1. Du stinkst

    Man kann nicht sagen, dass es geruchstechnisch langweilig wird hier: Benzin vermischt sich mit Frittiertem, Abgase mit Urin-Gestank, Gewürze mit U-Bahn-Mief.

  1. Du bist nicht nah am Wasser gebaut

    Wenns richtig heiss ist, wird Berlin schnell anstrengend: Seen gibts zwar viele, aber Menschen halt auch. Einen nicht-völlig eingequetschten Platz für sein Badi-Tüechli zu finden ist dementsprechend fast unmöglich. Ganz blöd wirds, wenn für den See-Trip kein Auto zur Verfügung steht. Dann beginnt das Gedrängel nämlich schon in der auf Sauna temperierten S-Bahn.

  1. Du bist zu grosszügig

    Gästelisten sind aus mehreren Gründen toll. Einer davon: Man spart sich das ewig lange Anstehen vor dem Club. Das Prinzip funktioniert nur leider nicht, wenn schlussendlich fast jeder Partygast drauf steht - und die Schlange sich einfach nur auf der anderen Seite des Gitters die Füsse in den Bauch steht.

Ein Sommer in Berlin

Karin Zweidler ist 25 und schreibt regelmässig als freie Autorin für Friday und andere deutschsprachige Medien. Mit Techno kann sie gar nichts anfangen, Berlin liebt sie trotzdem. Das hat sie gemerkt, als sie vor drei Jahren kurz dort gelebt hat. Weil die Sehnsucht gross ist, verbringt sie diesen Sommer wieder in Berlin – und bloggt bei uns über das Grossstadtleben.

 

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