Powered by Adidas

Frauen sollen gebären, nicht rennen

Es ist noch gar nicht lange her, da waren Frauen von Marathonläufen ausgeschlossen – mit haarsträubenden Begründungen. Bis mutige Sportlerinnen Ende der 60er aufbegehrten.

Powered by Adidas

Frauen sollen gebären, nicht rennen
Bild: Getty Images Die Norwegerin Grete Waitz – hier bei ihrem erneuten Sieg 1980 in New York – war eine der Pionierinnen, die das Laufen bei Frauen populär gemacht haben.
10 Mär '16
zurück
10 Mär '16
zurück

Über 50’000 Läufer warteten am 1. November 2015 auf den Startschuss zum New-York-City-Marathon. Über 20’000 davon waren Frauen – keine Zahl, die verwundert. Nicht in einer Zeit, in der kaum eine Freundin keine Jogging-Vorsätze hat, Sport-BHs so in sind, dass wir sie auch in der Freizeit tragen, Instagram unter dem Hashtag #runningmotivation durchtrainierte Frauenkörper ausspuckt und die Hälfte aller Laufschuhe längst knallpink leuchtet. Diese Zahl erstaunt erst, wenn man bedenkt, dass Laufsport noch vor wenigen Jahrzehnten eine absolute Männersache war.

Laufen führt zu Bartwuchs, hiess es

Noch Mitte des 20. Jahrhunderts waren vermeintliche Experten der Meinung, dass der Frauenkörper für Sport und insbesondere Laufsport ganz und gar ungeeignet sei. Es mache die Frau männlich, lasse Gesichtshaare spriessen, die Beckenbodenmuskulatur zu straff werden, und die Gebärmutter könnte bei den regelmässigen Aufschlägen verrutschen oder noch schlimmer: herausfallen. "Übermässige Schritte, Spreizstellungen, hohe Sprünge sind aus dem weiblichen Turnunterricht auszuschliessen", schrieb Mediziner Moritz Kloss 1855. Hundert Jahre später glaubte man das immer noch.

Gebären, nicht rennen

Sowieso: Anstrengung sieht nicht schön aus, ist also unweiblich. Viel lieber als verschwitzt und mit rotem Kopf beim Sport sah man Frauen ihre Kräfte noch bis tief ins 20. Jahrhundert für die Geburt sparen – dafür waren sie ja vorgesehen. Ergo: Das "schwache Geschlecht" hatte an Laufveranstaltungen nichts zu suchen.

 

Grete Waitz 1979 am Start zum New-York-Marathon. Olympisch wurde der Frauen-Marathon 1984.

Bild: Getty Images

Bis Frauen kamen, die sich um diese "Weisheiten" nicht scherten. Solche, wie Kathrine Virginia Switzer. Dort, wo ihr Vorname hingehört hätte, kritzelte sie 1967 nur "K. V." auf ihre Anmeldung für den Boston-Marathon; die Startnummer liess sie sich von ihrem Trainer abholen. Dank tiefer Temperaturen und dementsprechender Mützen-Tarnung klappte ihr Plan: Erst bei der zweiten Meile entlarvten die Organisatoren Kathrine als Frau. Sie versuchten ihr die Startnummer zu entreissen und sie unsanft von der Strasse zu rempeln. Ihr 115-Kilo-Freund, der in weiser Voraussicht für Notfälle als Bodyguard zur Stelle war, griff ein. Die Angriffe fanden vor dem Wagen einiger Fotografen statt – die Bilder gingen dann um die Welt und trugen ihren Teil dazu bei, dass Frauen in den Siebzigerjahren nach und nach für Marathonläufe zugelassen wurden: in Boston zum ersten Mal 1972. Die olympischen Spiele zogen 1984 nach.

Pionier-Läuferinnen begeistern die Bevölkerung

Bis heute hat sich noch einiges getan. Dazu beigetragen hat die allgemeine Emanzipation, aber auch Pionier-Läuferinnen wie die Norwegerin Grete Waitz, die von Weltmeistertiteln im Marathon und Crosslauf bis hin zu neun Siegen beim New-York-Marathon so ungefähr alles abräumte. Es waren solche Frauen, die das Lauffieber auf die Bevölkerung übertrugen: Frauen hatten jetzt Vorbilder, die sie inspirierten und bestärkten.

Mittlerweile sind Frauen im Laufsport so normal, dass wir uns schwer vorstellen können, dass es je anders war. Und selbst wenn unsere Disziplin nicht immer für die morgendliche Joggingrunde oder für den Vita-Parcours in der Kälte nach der Arbeit reicht: Entscheidend ist, dass wir können, wenn wir wollen. Inzwischen weiss man sogar, dass die Gebärmutter nicht rausfällt beim Laufen, dass kein Bart zu spriessen beginnt – und gegen einen gestärkten Beckenboden haben wir nichts einzuwenden.

So sahen Laufschuhe mal aus

  • 1949

    1949

    Eines der ersten Running & Training Modelle. Es gilt als Musterexemplar für die berühmten drei Streifen von Adidas.

  • 1958

    1958

    Auch zehn Jahre später gilt: Auf dünnen Sohlen rennt sichs gut. Auf polsternde Elemente wurde bewusst verzichtet, damit möglichst wenig Energie verloren geht und der Schuh so leicht wie möglich bleibt. Dieser hier wurde für lange Distanzen entwickelt.

  • 1969

    1969

    Erst Ende der 60er-Jahre beginnen Hersteller, Schuhe auch technisch auf den Laufsport auszurichten: Erhöhter Absatz, hohe Flexibilität und auch etwas Stabilität - damit man sicher auftreten konnte.

  • 1977

    1977

    Dragon Ladies ist eines der ersten Running-Modelle, die speziell für die Bedürfnisse von Athletinnen designt wurden.

  • 1983

    1983

    In den Achtzigern rennt man in Schuhen durch die Gegend, die wir heute noch so tragen würden - wenn auch eher in der Freizeit. Grete Waitz hat mit dem Modell Atlanta 1983 den New-York-City-Marathon gewonnen.

  • 1986

    1986

    Hoch lebe die Pionierin! Mitte der Achtziger widmet Adidas der Ausnahmeläuferin Grete Waitz ein Modell: voilà das Wettkampf-Exemplar – in Damenversion!

  • 1998

    1998

    Die Schuhe werden immer bunter und gehen mittlerweile auch auf individuelle Lauftypen ein. Dieses Modell ist für Läufer entstanden, die ihre Füsse stark eindrehen.

     

  • 2001

    2001

    Laufschuhe sind mit aerodynamischen Luft-Kanälen, atmungsaktiven Materialien und Einlegesohlen ausgestattet,

  • 2016

    2016

    Und heute? Sind wir mit dem Adidas Pure Boost X bei ultraleichten Materialien angelangt und bei Sohlen, die beim Auftreten Energie speichern, um sie beim Abstossen wieder abzugeben.