9 Gründe, warum heute ein wichtiger Tag ist

Heute ist internationaler Frauentag. Gut so – es gibt auf der Welt nämlich noch alle Hände voll zu tun.

9 Gründe, warum heute ein wichtiger Tag ist
Bild: Instagram tavitulle Tavi Gevinson (links) und Willow Smith finden wichtig, was auf der Welt passiert – und machen Gleichberechtigung zum Thema.
08 Mär '16
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Das diesjährige Motto des internationalen Frauentags lautet: #PledgeforParity (auf Deutsch etwa "Gleichheitsversprechen"). Noch nie von dem Tag gehört? Das liegt daran, dass ihm in der Schweiz – im Gegensatz zum angelsächsischen Raum – kaum Beachtung geschenkt wird. Das ist einerseits ironisch, weil der erste Frauentag 1911 neben Dänemark, Deutschland und Österreich-Ungarn in der Schweiz stattfand. Andererseits ist es verwunderlich, denn es gibt immer noch viel zu viele Gründe, auch jetzt, über hundert Jahre später, auf die noch lange nicht erreichte Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau hinzuweisen. Zum Beispiel diese neun:

 

  1. …weil Frauen viel zu oft als Sexobjekte dargestellt werden

    Die unterwürfige Ehefrau oder die geile Trophäen-Freundin: Frauen spielen auf dem Bildschirm allermeistens die leicht bekleidete und hübsche Nebenrolle – während Männer die Handlung des Films bestimmen. Eine Studie ergab, dass Frauen rund dreimal häufiger als Männer in hypersexuellen Kleidern zu sehen sind und auch fast dreifach so oft halb oder ganz nackt gezeigt werden. Dazu kommt, dass in den hundert Kassenschlager-Filmen 2015 lediglich 22% der Protagonisten weiblich waren. Nur rund die Hälfte von über 6000 analysierten Filmen erfüllen die Kriterien des Bechdel-Tests. Dieser misst, ob mehr als zwei Frauen im Film namentlich vorkommen, ob sie miteinander sprechen – und zwar nicht ausschliesslich über Männer.

  2. ...weil es weltweit noch Drunter und Drüber geht

    In der Türkei wurde am Sonntag eine Demo für Frauenrechte gewaltsam beendet. In Saudi Arabien ist es Frauen nicht erlaubt zu fahren – weder Autos noch Velos. In Afghanistan können nur 24 Prozent der Frauen lesen – im Vergleich zu 52 Prozent der Männer. In Indien werden jedes Jahr eine halbe Million Mädchen abgetrieben oder kurz nach der Geburt getötet, weil Frauen dort so wenig wert sind. In Nepal werden 40 Prozent der Mädchen zwischen 15 und 19 Jahren verheiratet. In Afrika werden durchschnittlich jedes Jahr 3 Million Mädchen beschnitten. Und in Pakistan fallen jährlich fast 500 Frauen einem Ehrenmord zum Opfer. Solche Fakten machen sprachlos.

  3. ...weil ein Frauenverachter vielleicht zum mächtigsten Mann der Welt wird

    US-Präsidentschaftskandidat Donald Trump beleidigt Frauen mit sexistischen und verachtenden Aussagen in einem fort. Zum Beispiel betitelt er Frauen öffentlich als "dicke Schweine" oder "Schlampen". Über Promis wie Sarah Jessica Parker oder Bette Midler hat er komplett niveaulos getweetet. Der Tycoon wäre es gar nicht wert, ernst genommen zu werden, wenn er nicht bereits so viele Anhänger hätte...

  4. ...weil Frauen immer noch weniger verdienen als Männer

    Man kann es fast nicht mehr hören – trotzdem müssen wir es wieder und wieder betonen: In der Schweiz verdienen Frauen laut dem Eidgenössischen Büro für Gleichstellung EBG auch heute noch durchschnittlich 20% weniger – bei gleicher Ausbildung und beruflicher Stellung. Auch Schauspielerin Jennifer Lawrence äusserte sich öffentlich über die ungleiche Bezahlung in Hollywood. Zum Vergleich: Robert Downey Jr. verdiente 2015 rund 80 Millionen, Jennifer Lawrence rund 50 Millionen.

  5. ...weil es viel zu wenige Politikerinnen gibt

    Obwohl der Frauenanteil in den eidgenössichen Räten seit Beginn des Frauenstimmrechts 1971 stetig gestiegen ist, spielen die Frauen weiterhin die zweite Geige. Im Schweizer Nationalrat sind die Frauen mit 32% in der deutlichen Minderheit und auch im Bundesrat haben nur zwei Frauen etwas zu sagen. Falls Hilary Clinton am 9. November die US-Wahlen gewinnen sollte, gäbe es immerhin zum ersten Mal in der Geschichte eine US-Präsidentin. 

  6. ...weil Chefinnen die Ausnahme sind

    Eine von Ernst&Young mitinitiierte internationale Studie über den Anteil weiblicher Führungskräfte untersuchte fast 22'000 Unternehmen in über 90 Ländern und kam zum Schluss: Die Schweiz schneidet extrem schlecht ab. Von den 59 Ländern mit mehr als zehn befragten Unternehmen landen wir auf dem peinlichen 56. Platz. Von den 207 in der Schweiz untersuchten Unternehmen haben nur sechs eine Verwaltungsratspräsidentin und sieben einen weiblichen CEO. Mehr Frauen in der Chefetage würde sich laut der Studie jedoch lohnen: Bei mehr als 30% Frauen in der Geschäftsleitung steigt der Reingewinn um 6%.

  7. ...weil Teilzeit-Arbeit Frauensache ist

    Laut einer Studie von Pro Familia können sich neun von zehn Männern vorstellen, ihr Arbeitspensum zu reduzieren. Doch in der Realität arbeiten nicht einmal zwei von zehn in der Schweiz Teilzeit – dafür sechs von zehn Frauen. Das ist schade, weil die Wahrheit hinter solchen Zahlen lautet: Kindererziehung und Haushalt ist immer noch grösstenteils Frauenarbeit.

  8. ...weil sich die Gleichberechtigung verlangsamt

    Das World Economic Forum hat eine Verlangsamung in der Gleichberechtigungs-Entwicklung ermittelt: 2014 wurde noch damit gerechnet, dass sich die Gender Gap bis 2095 schliessen würde – die aktuellen Zahlen sagen, dass es erst 2133 soweit sein wird. Weltweit hat sich die Chancengleichheit in Gesundheit, Bildung, Wirtschaft und Politik in den letzten zehn Jahren nur um 4 Prozent verbessert. Wenns in dem Tempo weitergeht, dann müssen unsere Urgrosskinder noch für Gleichberechtigung kämpfen.

  9. ...weil Frauen oft für männliches Fehlverhalten geradestehen müssen

    Nach den sexuellen Übergriffen in der Kölner Silvesternacht hat Oberbürgermeisterin Henriette Reker den Frauen gewisse Verhaltensregeln, wie beispielsweise einfach eine Armlänge Abstand zu halten, nahe gelegt. Dieser Tipp löste einen Shit-Storm in den sozialen Medien aus. Noch immer wird Frauen eingetrichtert, sie hätten es in der Hand, was mit ihnen passiert – und somit die Verantwortung. Das geht soweit, dass leicht bekleideten Frauen teils vorgeworfen wird, eine Vergewaltigung zu provozieren. Auch für Männer ist diese Argumentation eine Frechheit: Sie werden nämlich damit als hirnlos und triebgesteuert dargestellt.

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