Steff La Cheffe
Ellen Mathys

Wir haben mit Steff la Cheffe über die Liebe gesprochen

von Marie Hettich

4 MAI 2018

Life

Nach fünf Jahren ist die Berner Rap-Sensation Steff La Cheffe wieder da – mit "Härz Schritt Macherin", einem nachdenklichen Album über den Anfang und das Ende der Liebe. Auch in unserem Gespräch wird deutlich: Das Herz der 31-Jährigen hat in den letzten Jahren einiges mitgemacht.

Steff, was geht in dir vor, wenn du uralte Pärchen zusammen herumschlendern siehst? Puh, das ist etwas vom Berührendsten überhaupt. Am Anfang der Liebe will man dem anderen noch konstant in die Augen schauen, alles von ihm wissen, sich selbst zeigen. Aber irgendwann schauen Paare als Team gemeinsam in eine Richtung, weil sie nicht mehr spielen und testen müssen.

Keine Angst vor Langeweile? Eine Freundin von mir hat mal gesagt: "Wenns in der Beziehung langweilig wird, wirds so richtig spannend." Ich war immer ein Reise-Füdli, ständig unterwegs, viele Leute kennengelernt, aber langsam komme ich zur Ruhe. Mich fasziniert das Stille, Unscheinbare. Mit 20 hatte ich nur Augen für das, was laut ist, schreit und blinkt – jetzt, mit 31, strengen mich diese ständigen Stimuli an. Ich will lieber Blumen anschauen und Vögel beobachten. Oder mein Inneres erforschen – da gibts auch viel zu entdecken.

In deinem Song "Vakuum" rappst du: "Ich bin eine starke Frau und will einen starken Mann." Was ist ein starker Mann für dich? Ein starker Mensch ist für mich jemand, der zu sich und seinen Werten steht, nicht die ganze Zeit nach rechts und links schaut: Was machen meine Kollegen, was erwarten meine Eltern von mir? Jemand, der seine Stärken und Schwächen kennt – und diese nicht verbergen muss. Bei Männern wird Stärke sehr oft mit Härte verwechselt. Doch wer hart ist, will das Weiche, Verletzliche in sich beschützen – und damit ist Härte für mich eher eine Schwäche.

Denkst du, dass sich Liebe für alle gleich anfühlt? Es ist wie beim Essen – jeder wählt für sich etwas anderes aus, aber schlussendlich ist es ein Grundbedürfnis. Sicher gehts auch darum, was man für sich beschliesst: Wie weit mache ich mein Herz auf? Das, was ich die letzten zwei, drei Jahre mit der Liebe erlebt habe, ist Grown-up-Shit. Mit 20 hätte ich das nicht durchmachen wollen – mir hat es den Boden unter den Füssen weggezogen. Aber es geht nun mal um Hingabe. Und wer vertraut, macht sich verletzbarer.

Was hat dir bei deinem Liebeskummer geholfen? Lieder schreiben, kreativ sein. Mit Freundinnen rumhängen. Gut essen. Und dann halt, verdammt nochmal, allein ins Kino gehen. Das ist die Abschlussprüfung.

Glaubst du Singles, die sagen, sie seien glücklich? Ja, im Moment bin ich selbst an so einem Punkt. Ich habe mich damit versöhnt, dass alles seinen Preis hat – die Zweierkiste, aber auch das Alleinsein. Ich denke, es ist wichtig, mal länger Single zu sein und sich für sich selbst zu interessieren. Oft vergessen wir die Loyalität uns selbst gegenüber, sobald wir in einer Beziehung sind, weil man sich für den anderen verbiegt, weil man ihm gefallen will – weil man nicht allein sein kann. Und dann ist doch die Frage: Warum halte ich mich allein nicht aus?

Und warum nicht? Weil wir uns erst beibringen müssen, uns die bedingungslose Liebe, die wir im Idealfall von unseren Eltern bekommen haben, selbst zu geben. Selbstliebe ist die Voraussetzung für eine erwachsene Beziehung – sonst erwarten wir von unserem Partner das Unmögliche.

Ist Liebe für dich als Person, die in der Öffentlichkeit steht, besonders herausfordernd? Ich habe mit Steff la Cheffe ein Alter Ego erschaffen, aber eigentlich machen wir das alle, auch wenn wir nicht berühmt sind. Die Frage ist ja immer: Ist der andere nur an meinen Schoggiseiten interessiert, an der Erfindung – oder auch an der Instanz, die das alles erfunden hat? Ist er interessiert an der Stefi, die abends fertig mit der Welt nach Hause kommt und auf dem Sofa über ihren Tag als Steff la Cheffe nachdenkt?

Wie gehts dir eigentlich beim Gedanken an eine eigene Familie? Letzten Sommer hat eine Freundin drei Monate lang mit ihrem Kind bei mir gewohnt, weil sie sich von dem Vater des Kindes getrennt hat. Damals hab ich mich gerade viel damit beschäftigt, ob ich auch mal Familie haben möchte – und dann konnte ich mal reinschnuppern, wie so ein Alltag in etwa aussehen könnte.

Und? Ziemlich genau so, wie ich es mir vorgestellt habe: Huere schön und hueren anstrengend! Ich bin morgens los, habe den beiden einen schönen Tag gewünscht, abends war ich wieder da und habe mitangepackt. Nach den drei Monaten dachte ich: Ich glaube, ich wäre ein easy Vater.

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