Freundschaft
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Wie viele Freunde sind zu viele Freunde?

von Karin Zweidler

7 MAI 2018

Life

Friday-Autorin Karin Zweidler findet, dass Social-Media es einem einfacher machen, Freundschaften zu pflegen. Dabei kommen die echten Freunde aber oft zu kurz. 

Mein Handy leuchtet auf: "Kaffee in der Sonne?", schreibt die Party-Bekanntschaft und potentielle Freundin vom letzten Wochenende. "Klar!", tippe ich zurück, denn ich hab Lust. Aber auch: schon wieder was vor. 

Bekanntschaften haben plötzlich Friendship-Potential 

Ich werde schnell warm mit Menschen. Was aber früher als flüchtige Abend-, Arbeits- oder Tram-Bekanntschaft in Kopf und besten Fall sogar Herzen blieb – mehr wurde daraus nicht –, hat heute auf Social Media plötzlich echtes Freundschafts-Potential: Whatsapp, Facebook, Instagram machen es so herrlich einfach, Kontakt zu halten oder ihn sogar auszubauen. 

Die Real-Life-Agenda ist begrenzt 

Ein Whatsapp-Bild hier, ein Insta-Kommentar da, eine Nachricht in den Gruppenchat dort, erzeugen Nähe – ohne Aufwand. Via Web-Whatsapp tippe ich in einer Minute einen persönlichen Roman, die 3-Minuten-Sprachnachricht über den aktuellen Gemütszustand ersetzt ein Telefonat, für das ich mir früher einen Abend hätte einplanen müssen. Das ist super und ziemlich praktisch – denn missen möchte ich auch von den Neu-Bekanntschaften absolut niemanden. Nur: Während die Herz-und Handy-Kapazität scheinbar unendlich ist, ist es die meiner Real-Life-Agenda leider nicht. Ich bin im Freunde-Stress. 

Die Rechnung geht nicht auf 

Wer den Anspruch an sich hat, eine gute Freundin – also da – zu sein, hat heute ein Problem: Immer neue Menschen treten ins Leben und bleiben. Wer fragt, bekommt einen Platz in der Agenda, wer mir eine vierminütige Problem-Sprachnachricht schickt, bekommt Antwort. Das Resultat: Ich und viele meiner Freunde rennen von Treffen zu Treffen, sind in den Zwischenslots auf Whatsapp unterwegs, wollen es allen recht machen, allen gerecht werden.

Klappt nur leider nicht. Kann es gar nicht, die Rechnung geht nicht auf. 

Wer zu kurz kommt? Ich selber. Und die richtig engen Freunde. Denn die bleiben ja sowieso, stellen keine Ansprüche, akzeptieren am ehesten, wenn die Zeit oder Antwort mal wieder knapp ist. 

Ich weiss, dass ich Prioritäten setzen müsste, mir überlegen, wer wirklich wichtig ist und vor allem akzeptieren, dass nicht jede Person, die mir sympathisch ist, im echten Leben auch wirklich Platz hat. Das ist traurig, aber es macht Sinn – weil so die wirklich wichtigen wieder in den Fokus rücken und Freundschaft wieder das sein könnte, was sie sein soll: Entspannend.

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