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Wie scheinheilig war die Met-Gala, bitte?

von Christina Duss

8 MAI 2018

Fashion

Die wichtigste Modegala der Welt wäre ein Ort, um dem Thema Katholizismus ein wenig kritischer zu begegnen.

Olivia Munn wusste gestern Abend gemäss Branchenblatt "Business of Fashion" ganz genau, was ihre Robe von H&M inspiriert hatte: "Die Kreuzzüge". Die Schauspielerin trug ein goldenes Kleid, eine Art sexy Rüstung, über die wallenden Haare gelegt, war eine Kettenhemd-inspirierte Kreation. 

Sie hatte mit ihrem Look das Motto der grössten Modegala des Jahres umgesetzt, ein Motto, das dem jeweiligen Ausstellungsthema des Kostüminstituts im New Yorker Met-Museum entspricht. "Himmlische Körper: Mode und die katholische Vorstellungskraft" ist es dieses Jahr, also der Einfluss des Katholizismus auf die Mode. Und der ist nicht zu verachten: 80 Prozent der modernen, westlichen, modischen Artefakte, die er untersucht habe, seien von einer katholischen Ästhetik inspiriert worden, sagte Kurator Andrew Bolton in einem Interview mit dem "Telegraph". 

Der Papst gab seinen Segen

150 Stücke, die das beweisen, sind ausgestellt, darunter Kreationen von Balenciaga oder Versace. Ausserdem wurde dem Museum von der katholischen Kirche – die das Thema im Vorfeld wohlwollend abgenickt hatte – mehr als 40 Stücke vergangener Päpste geliehen, inklusive wertvoller Ringe, Kopfschmuck und edler Kleider. Das Thema bietet also genug Stoff für die ganz Modeausstellung, keine Frage. 

Moralapostel nach Lust und Laune

Irritiert hat aber dennoch die Art, wie es von den Promis auf dem roten Teppich umgesetzt wurde: insgesamt sehr devot. Die Referenzen an das Thema waren zahlreich und sichtbar, wir haben heute morgen darüber berichtet: edle Stickereien, Nonnen-Schwarzweiss, mit Häubchen, Kräglein, Flügeln, Jesus-Drucken, Kreuzen en masse. Einige Celebs kamen ziemlich sexy, Sängerin Solange etwa in Lack und Leder. Aber kontrovers ist the sexy catholic seit Madonna nun wirklich auch nicht mehr. 

Moralapostel nach Lust und Laune

Zwei Besucherinnen ragten mit ihren Looks aus der Promi-Gemeinde: Rihannas Päpstinnen-Look war lustig und frech, weil ja nicht mal katholische Pfarrerinnen zugelassen sind. Produzentin Lena Waithe kam im überdimensionalen Regenbogenmantel, womöglich als Erinnerung daran: Gemäss den Chef-Katholiken im Vatikan wird gerade mal eine "homosexuelle Neigung" toleriert. Was auch immer das heisst.

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Rihanna: Popstar und Päpstin

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Lena Waithe in der Rainbow-Flag

Die zwei Frauen waren zwei von wenigen, die Kritik an einer Institution übten, die in vielerlei Hinsicht nicht der Haltung und den Ansichten entspricht, für die sich Celebs den Rest des Jahres einsetzen. 

Der Kostümball ist keine Entschuldigung

Klar: Die Met-Gala ist sowas wie ein Kostümball, da gilt es unter anderem, sich zu verkleiden. Nur sind die Besucherinnen und Besucher dieses Anlassen keine namenlosen Partypeople. Sie sind öffentlichkeitswirksam. Und machen gern mit zeitgeistiger Gesellschaftskritik ihren eigenen Brand noch erfolgreicher. Olivia Munn etwa, die Frau auf dem Titelbild dieser Story, hat sich schon lautstark für die #MeToo-Bewegung und Peta engagiert. Und hat sich gestern entschieden, in einem Blutvergiessen-im Namen-Gottes-Gedenklook auf dem roten Teppich zu erscheinen. 

Sich 364 Tage als Feministin und Vorkämpferin für die Rechte Homosexueller geben und an der Met-Gala für die Fotografen jungfräulich die Hände im Schoss falten? Das ist scheinheilig.

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