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Werden wir zu schnell erwachsen?

von Luise Philine Pomykaj

10 APRIL 2018

Life

Beauty-Praktikantin Luise Pomykaj über ihre Freunde Mitte 20 – und über deren neue Spiessigkeit.

Ich bin 25 Jahre alt und wenn ich am Wochenende durch die Instagram-Storys meiner Freunde scrolle, sehe ich nur noch selten verwackelte Partybilder. Vielmehr Fotos von liebevoll drapierten Burgern oder Sommerrollen, vom Wochenendspaziergang durch den Wald (#weekendgetaway #backtonature) oder vom Fernsehbildschirm mit Tatort-Logo.

Sind wir zu früh erwachsen geworden?

Als Grossstadtkinder – ich bin in Hamburg aufgewachsen –, begannen meine Freunde und ich früh, auszugehen. Mit 13 gab ich mich zum ersten Mal mit dem gefälschten Ausweis der Schwester als 16-Jährige aus und ein paar Jahre später ging es an Technopartys in den Kellerclub. 

Mit 19 hatte das Ausgehen dann bereits seinen Reiz verloren, plötzlich tanzten die kleinen Geschwister der Freunde neben einem im Club und man kam sich schrecklich alt und fehl am Platz vor. Wir wurden bereits von der nächsten Generation Party-Kids vertrieben. Also lungerten wir auf langweiligen Studentenpartys rum, bei denen alle nur noch die drei Wörter "Bachelor", "Master" und "Auslandssemester" stammelten, wie kaputte Aufziehpuppen.


"Ein Altbau wäre schön"

Heute, wieder ein paar Jahre später, trinkt man beim Abendessen bei Freunden nur noch zwei drei Gläser Wein und spricht über Versicherungen und Altersvorsorge. Ein befreundetes Pärchen – er Mitte, sie Anfang 20 – hat sich vor Kurzem einen Hund gekauft und ist zurzeit auf Wohnungssuche: "Ein Altbau wäre schön." 

Wir unterhalten uns nicht mehr darüber, dass wir am Wochenende steil gegangen sind, sondern darüber, dass ein Bekannter eine Arbeitsunfähigkeits-Versicherung abgeschlossen hat und ob wir das vielleicht alle tun sollten. Kürzlich berichtete mir ein Freund, dass er und seine Geschwister sich bereits ernsthafte Gedanken über die spätere Unterkunft und Pflege ihrer Mitte-60-jährigen Eltern machen. Auch ich ertappe mich dabei, wie ich mich an einem Freitagabend total aufs Bett freue, oder meine Eltern darum bitte, die Musik leiser zu stellen – gleichzeitig will ich aber nicht im Team Spiesser sein.


Es gibt noch Hoffnung

Meine Freundin Lydia ist 43 und ist eine der wenigen, von denen ich am Wochenende noch Partyfotos in meinem Instafeed sehe – und das macht mir Hoffnung. Ihr Sohn ist jetzt 12 und sie hat Freitag– oder Samstagabende wieder für sich. Und selbst meine Eltern sind irgendwie cooler drauf als meine spiessigen 20-something-Freunde und ich: Sie geniessen einfach ihr Leben, gehen nach ihrem Gefühl und nicht nach den Anforderungen der Gesellschaft. 

Ist das vielleicht der Grund, weshalb meine Freunde und ich so schnell erwachsen geworden sind? War unsere Jugend zu kurz, weil wir uns viel zu früh um den richtigen Studiengang, den richtigen Lebensstil und die richtige Eigentumswohnung gekümmert haben? Oder ist es gerade gut, dass wir die Wochenenden nicht mehr verkatert verpennen und uns jetzt schon mit Erwachsenenkram auseinandersetzen? Werden wir einfach später noch mal – gut versichert – auf die Piste gehen?

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