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Wenn Paare politisch anders denken

von Karin Zweidler

24 FEBRUAR 2016

Life

Kann eine Beziehung funktionieren, in der die Partner in politischen Fragen grundsätzlich anderer Meinung sind?

Die Plakate hängen, unsere Feeds platzen vor Ja- oder Nein-Parolen, und nicht nur am Stammtisch wird hitzig debattiert: Am Sonntag ist Abstimmung. Und diesmal steht eine besonders brisante an. Zur Durchsetzungsinitiative beziehen auch Leute Stellung, die Politik sonst eher kalt lässt – ein Dazwischen scheint es bei polarisierenden Vorstössen wie diesem nicht zu geben. Unsere Facebook-Freundesliste können wir nach anstrengenden Digital-Debatten radikal von Andersdenkern befreien. Aber was, wenn der eigene Partner politisch völlig anders tickt?  Der Mensch in unserem Bett, den wir gar nicht löschen wollen?

Politik beeinflusst unser Liebesleben

Die Studie eines amerikanischen Dating-Portals besagt, dass gute Gespräche über Politik beim ersten Date die Chancen auf ein zweites um satte 91 Prozent erhöhen. Und dass 35 Prozent aller Befragten jemanden ohne Meinung zu politisch elementaren Themen gar nicht erst treffen würden – egal, welche das schlussendlich wäre. Unsere politische Haltung beeinflusst zwar, wie wir unsere Partner aussuchen. Trotzdem würden fast drei Viertel der Befragten einen Versuch mit jemandem aus einer anderen Partei wagen.

Für manche ein Killer-Kriterium

"Girls"-Macherin Lena Dunham begegnet diesem Thema heute skeptisch. Ihren Serien-Charakter Hannah liess sie in der 2. Staffel einen politisch Andersdenkenden daten – und die entstehende Beziehung an diesem Fakt scheitern. Auch im echten Leben ist die Toleranzgrenze der Demokratin tief: "Ich habe mal einen Republikaner gedatet, kam damit aber nicht klar. Die Beziehung war kurz", sagte sie dem News-Portal Politico.

Es geht um mehr, als die Farbe der Wohnzimmerwand

Bei Politik geht es eben um mehr als die Diskussion über die nächste Feriendestination oder die Farbe der Wohnzimmerwand. Es geht um das grosse Ganze, darum, wie man die Welt sieht. Verschiedene Meinungen können tatsächlich Streitpotenzial bergen. Aber: "Es hängt natürlich davon ab, wie verbissen die Partner politisch unterwegs sind", sagt Guy Bodenmann, Paartherapeut und Professor für Klinische Psychologie an der Uni Zürich. "Wenn hinter der politischen Meinung des Anderen tieferliegende Wertehaltungen stecken, die sich von den eigenen stark unterscheiden, dann kann das zu Problemen führen. Gegensätze ziehen sich zwar an, aber nur kurzfristig." Stetige Auseinandersetzungen sind auf Dauer nicht mehr aufregend, sondern anstrengend.

Totschweigen muss nicht sein

Wenn die politischen Differenzen aber mal Tatsache sind, dann helfen "Toleranz, Offenheit und Grosszügigkeit", sagt Bodenmann. Theoretisch ist uns das klar, praktisch haben wir diese Eigenschaften ehrlicherweise aber nicht in jeder Lebenslage auf Lager. Die heiklen Themen also lieber totschweigen? Und einen elementaren Teil der Weltanschauung des anderen bewusst aus der Beziehung ausklammern? "Nur wenn das Paar merkt, dass diese Themen immer wieder zu eskalierenden Konflikten führen", rät Bodenmann weiter. Ansonsten gehöre das Wetzen an den Meinungen des anderen einfach dazu.

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