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Ups, auch ich nehme Frauensport weniger ernst

von Stephanie Vinzens

30 MAI 2018

Life

Frauen in der Profi-Basketball-Liga? Text-Praktikantin Stephanie hat sich kürzlich dabei erwischt, wie sie dem Ganzen gar nicht erst eine Chance gegeben hat. Ein Erklärungsversuch. 

Letztens meinte mein Freund, ich soll mir doch mal die nordamerikanische Basketball-Profiliga für Frauen anschauen. Es würde mir bestimmt gefallen. "Nein, danke!", antwortete ich prompt – um zwei Sekunden später über meine eigene Reaktion zu staunen. Ich mag Basketball. Und ich feiere Frauen, die in einer Männerdomäne erfolgreich sind. Was in aller Welt stört mich also an der Vorstellung, dass Frauen Profi-Basketball spielen? 

"Es ist ja nicht so, als würde ich Frauensport generell ablehnen", verteidigte ich mich vor mir selber. "Ich finde Rhythmische Gymnastinnen oder Dressurreiterinnen faszinie-". Voila, schon entlarvte ich mich selbst. Gymnastinnen und Dressurreiterinnen? Klar. Sie tragen Kleidchen oder enge Hosen, sind elegant, grazil – feminin. Sie erfüllen das, was die Gesellschaft – und erschreckenderweise auch ich – von Frauen erwartet.

Angst vor Unweiblichkeit

Sportlerinnen im Fussball oder Basketball hingegen brechen mit diesen Erwartungen. In ihrem Sport geht es nicht um Ästhetik und perfekte Küren, sondern um Tore und Körbe – wie man dabei aussieht, ist egal. Sie tragen lockere Sportkleidung, gehen ruppig miteinander um. Und das, brachte man mir schon früh bei, sei schlecht. Mein Papa sagte gern: "Frauen, die Fussball spielen, sind keine richtigen Frauen", und mein Mami meinte dazu: "Ja, da kriegt man ganz männliche Waden".

Für den Deutschen Fussballverband war diese Angst vor Unweiblichkeit in den 50er-Jahren sogar ein Grund, Frauenvereine ganz zu verbieten. "Im Kampf um den Ball verschwindet die weibliche Anmut. Körper und Seele erleiden unweigerlich Schaden", so die lächerliche Erklärung.

Und siehe da: Beim Tennis oder Volleyball, wo Sportlerinnen kurze Röcke oder knappe Höschen tragen, fallen zwar manchmal Sprüche wie "Serena hätte gegen einen Mann keine Chance" – doch die Akzeptanz und das Interesse für die beiden Sportarten ist deutlich grösser. Niemand spricht den Spielerinnen ihre Weiblichkeit ab.

Auf Sexismusfallen achten

Fussballerinnen und Basketballerinnen nun in sexy Kleidung zu stecken, um den Sport beliebter zu machen, wäre jedoch ein herber Rückschritt. Frauen sollten  aufgrund ihres Könnens spannend genug sein – genauso, wie Männer das auch sind. 

Zu realisieren, dass auch ich als Feministin sexistisch denken kann, war ziemlich unangenehm. Offenbar kann ich mich noch so sehr mit Sexismus befassen und mich darüber aufregen und trotzdem in die Falle tappen – weil ich nun mal nicht nur Feministin, sondern auch das Produkt einer Gesellschaft bin. 

Wenn erfolgreiche Frauen in der Wissenschaft, Literatur oder Politik meine Bewunderung kriegen, muss das selbstverständlich auch für Sportlerinnen gelten. Deshalb hab ich mir vorgenommen, in Zukunft einen strengeren Blick auf mich selbst zu haben – und noch heute Abend Frauenbasketball einzuschalten.


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