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So emanzipiert sind wir gar nicht

von Marie Hettich

7 MÄRZ 2017

Life

Frauen wollen unabhängig sein – aber trotzdem wie Prinzessinnen behandelt werden: Redaktorin Marie Hettich fordert mehr Konsequenz in Sachen Gleichberechtigung.

Für die allermeisten Frauen, die ich um mich habe, ist sonnenklar: Putzen ist nicht Frauensache. Kochen auch nicht. Und auch Kinder sind es nicht, zumindest nicht auf Dauer. Solche Jobs werden schön zwischen Mann und Frau aufgeteilt. Auch klar ist für die meisten Frauen, die ich kenne, dass sie unbedingt für sich selbst sorgen wollen. Denn wer will denn bitte vom Partner abhängig sein und ihn fragen oder ein schlechtes Gewissen haben müssen, wenn man sich beim Stadtbummel plötzlich ein neues Paar Schuhe kaufen will. 

So weit, so emanzipiert. Aber: Die ganze Geschlechter-Gleichstellungs-Sache geht nicht ganz auf. Denn wichtig ist vielen von uns Frauen nicht nur, dass der Mann finanziell wie wir auf eigenen Beinen steht – sondern dass sein Gehalt schon jetzt ausreicht, um eventuell mal eine ganze Familie zu ernähren, falls wir nach all den Jahren plötzlich doch Lust auf das traditionelle Familienmodell haben sollten.

Geiz ist "unsexy"

Ausserdem kenne ich einige Frauen, die es "trotz Emanzipation und so" superwichtig finden, dass er beim Date zahlt. Tut ers nicht, ist das "geizig" – und geizige Männer sind "unsexy", "ein absolutes No-Go." Sie finden, ein "wahrer Gentleman" hält zudem die Tür auf, macht Komplimente und überrascht sie später – nachdem er sie "erobert" hat – hier und da mit Blumen und "süssen Kleinigkeiten." Es sei doch nicht verwerflich, in diesem Punkt "das Traditionelle" "einfach ziemlich wichtig" zu finden. Denn welche Frau möchte nicht "auf Händen getragen" werden?

Auch für viele klar: Wenn der Staubsauger abkackt, das Regal herunterkracht oder der Koffer mehr als 10 Kilo wiegt, muss er ran. Denn Männer können das alles halt nunmal besser, und Spass macht ihnen so Heimwerker- und Technikzeug doch sowieso.

Was für ein Macho-Arsch

Vom Mann zu wollen, er soll doch bitte Versorger, Pragmat, Beschützer (vor was eigentlich?), Handwerker, Packesel, starke Schulter zum Anlehnen, der Fels in der Brandung sein, ist exakt dasselbe wie von der Frau zu wollen, die herzlich-warme Hausfrau und Mutter zu verkörpern, die leidenschaftlich gern kocht und putzt und sich aufopfernd um das Wohl aller Familienmitglieder kümmert. Aber, Gott bewahre, was für ein Macho-Arsch wäre denn ein Typ, der so etwas erwarten würde.

Ich werde den Eindruck nicht los, dass sich viele von uns Frauen aus dem grossen Feminismus-Topf nur die Teile rauspicken, die ihnen einen Vorteil verschaffen und dem ganzen Rest keine Beachtung schenken. Zur Erinnerung: Eine Gleichstellung der Geschlechter bedeutet, dass es weder an die Frau noch an den Mann eine geschlechterstereotypische Erwartungshaltung geben sollte. Was bedeutet: Wir können von Männern nicht erwarten, dass sie uns die Welt zu Füssen legen – ausser natürlich, wir tun dasselbe für sie.

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