Tinaroth
Catalina Kulczar

Karriere-Tipps von einer, die's geschafft hat

von Roberta Fischli

7 JUNI 2017

Job & Budget

Die Appenzellerin Tina Roth Eisenberg war Bloggerin der ersten Stunde und führt heute drei Unternehmen in New York. Wir haben sie nach Karriere-Tipps gefragt.

Tina Roth Eisenberg hat eine untrügliche Nase für gute Ideen. Unter dem Namen SwissMiss startete die Appenzellerin einen Design-Blog für Internet-Entdeckungen, gründete einen Co-Working Space, entwickelte eine To-Do App und wurde damit zum Star der New Yorker Kreativszene. Heute organisiert sie eine Serie monatlicher Creative Mornings auf der ganzen Welt und verkauft die vielleicht coolsten Tattoo-Sticker, die es gibt.


Tina, wann weiss ich, dass ich eine Idee weiter verfolgen soll? Wenn sie dich nicht mehr loslässt. Wenn du überzeugt bist, dass die Welt deine Idee braucht. Dieses Feuer hilft dir weiterzumachen, wenn es kompliziert und anstrengend wird. Und diese Zeiten kommen.


Wann ist der richtige Zeitpunkt, um eine Firma zu starten? Nie. Oder besser: immer. Ich hab mich kurz nach der Geburt meiner ersten Tochter entschieden, dass ich mich selbständig machen will.


Soll ich alles auf eine Karte setzen? Besser ist es, eine Idee als Seitenprojekt zu starten. So bist du flexibel und eher bereit, Dinge auszuprobieren – oder das Ganze über den Haufen zu werfen, wenn du merkst, dass es eben doch nichts ist.


Wen soll ich ins Team holen? Stell Leute ein, die daran glauben, woran du glaubst. Vertraue ihnen und gib ihnen Freiraum, das schweisst euch zusammen. Wenn es schwierig wird, dann steht ihr Herausforderungen auch gemeinsam durch.


Was, wenn ich scheitere? Scheitern ist wichtig, um weiterzukommen. Wir Schweizer sind oft übervorsichtig und haben grosse Angst vor einer Niederlage und davor, was die anderen von uns denken könnten. Ich finde, die Amis machen das ganz gut. Die sagen sich: Das ging in die Hose, jetzt probier ich halt was anderes.


Wie krieg ich einen Termin bei einflussreichen Leuten, die mir helfen könnten? Bestimmt nicht, indem du eine E-Mail schreibst mit "Ich würde Ihnen gerne von meiner Idee erzählen". Dafür hat keiner Zeit. Das Credo: Handle mutig, sei bescheiden. Überlege dir, wie du auf kreative Art und Weise auf deine Idee aufmerksam machen kannst. Und sei persönlich. Das kommt fast immer gut an.


Wen soll ich um Rat fragen? Umgib dich mit intelligenten Leuten, die sehr gut sind in dem, was sie machen. Lass ich von ihnen kritisieren; sie helfen dir, deine Idee aus einem anderen Blickwinkel zu sehen.


Welche Schweizerischen Eigenschaften kommen gut an? Zuverlässigkeit und Pünktlichkeit.


Und welche sollte ich ablegen? Falsche Bescheidenheit. Wenn du erfolgreich sein willst, musst du dich verkaufen können.


Welche Chance verpassen viele? Grosszügig zu sein. Auch dann, wenn du nichts davon hast. Gute Taten kommen irgendwann zurück zu dir. Schlechte übrigens auch.


Wie lange muss ich warten, bis ich Resultate sehe? Dank den Social Media sind wir es gewohnt, immer sofort Rückmeldung zu kriegen. Deshalb erwarten viele, dass sich der Erfolg bereits nach ein paar Tagen einstellen muss und sind enttäuscht, wenn es dann nicht so ist. Ein gutes Projekt braucht Zeit. Du musst die Ideen testen, verfeinern, anpassen, wieder testen.


Was mache ich, wenn es mal schwierig wird? Erinnere dich an deine Idee und ruf das Gefühl ab, das du mit ihr verbindest.


Deine Geheimwaffe? Eine Schublade gefüllt mit Konfetti für Erfolge und eine Truhe mit Wikingermasken für anstrengende E-Mails. Damit schreiben die sich einfach besser.

Noch mehr von uns

Was hältst du von diesem Artikel?

  • :(
  • love it no Data :(
  • haha no Data :(
  • wow no Data :(
  • traurig no Data :(
  • wütend no Data :(
  • love it
  • haha
  • wow
  • traurig
  • wütend