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Autri Taheri on Unsplash

Ist es okay, dass mein Date mein ganzes Leben auf Instagram sieht?

von Luise Philine Pomykaj

8 JUNI 2018

Life

Beauty-Praktikantin Luise fragt sich, ob und ab wann sie die Insta-Schnappschüsse vergangener Tage mit einer neuen Bekanntschaft teilen möchte.

Ihr trefft neuerdings jemanden, sagen wir mal so zum siebten Mal, ihr lernt euch gerade kennen. Irgendwann kommt die Freundschaftsanfrage auf Insta. Viele denken sich vielleicht: Warum nicht? Und nehmen an, haben sowieso einen öffentlichen Account oder posten eh nur ab und zu ein Bild vom Sonntagmorgen-Kaffee. Andere machen sich aber vielleicht dieselben Gedanken wie ich.

Instagram ist längst Teil unseres Lebens und wir haben mit der App schon einiges aus unserem Leben mit anderen geteilt. Wie ich zum Beispiel: Seit dem 30. August 2013 sind es mittlerweile genau 1136 Bilder. 

Das Tagebuch macht mich angreifbar

Mein Account ist privat und ich kenne jeden meiner 252 Follower, aber ab wann, in welcher Phase des Kennenlernens, teilt man 1136 Bilder? Ab wann hätte man vor dem Instagram-Zeitalter das private, analoge Fotoalbum gezückt? Ich stellte mir diese Frage, als ich vor kurzem eine Followeranfrage von jemandem annahm, den ich gerade kennen lerne. Hektisch scrollte ich durch meinen Feed, um zu sehen, ob es etwas gibt, das ich (noch) nicht bereit bin zu teilen, oder zu dem ich (noch) keine Fragen beantworten möchte. Man prüft die Bilder auf einmal sehr objektiv: Wie wirke ich eigentlich auf Instagram?, fragte ich mich. 

Sicherlich sind meine Fotos mit dem Filter "Selbstschutz" überzogen: Ich zeige mich nicht mit Handtuch auf dem Kopf beim Onlinebanking, auch nicht vor dem Wäscheberg in meinem Zimmer und ich mache auch kein Selfie von mir, wenn ich gerade geweint habe. 

Dennoch zeige ich ziemlich viel, was mich auf eine gewisse Art und Weise angreifbar macht und bei neuen Bekanntschaften Fragen aufwerfen könnte. Etwa: Wer ist der Typ links neben dir, was lief da 2016? Oder: So viele Fotos mit deiner Nichte. Möchtest du selbst Kinder? Oder auch einfach nur: Ah, du hast also mal in Würzburg gelebt? Fragen, die normalerweise im echten Leben aufgekommen wären, Fragen, die erst zu einem späteren Zeitpunkt Sinn machen. In einem Gespräch, nicht wegen eines Beweisfotos. 

Geht der Funke verloren, wenn er alles von mir sieht?

Möchte ich so viel von mir preisgeben? Ist das nicht ein verfälschtes Kennenlernen? Wann macht man schon Instagrambilder in den besten und echtesten Momenten seines Lebens? Ich eher nicht – ganz im Gegenteil, dann denke ich gar nicht dran. Ich habe Angst, dass dieser Jemand genug von mir haben könnte, wenn er zurück bis ins Jahr 2015 scrollt. Ich habe Angst, dass der Funke verloren geht, wenn mein Date jeden Tag etwas von meinem gefilterten Ich auf dem Silbertablett serviert bekommt. 

Was mich beruhigt: Bisher ist mein neu angenommener Insta-Follower auf keines meiner 1136 Bilder eingegangen und das Offline-Kennenlernen klappt ganz gut. Vielleicht weil er wie ich auch die echten Bilder vorzieht. Die ganz ohne Filter.

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