Malerin Meier Lea
zvg

"Ich war die erste Frau in der Bude"

von Stephanie Vinzens

28 FEBRUAR 2018

Job & Budget

Immer mehr Girls entscheiden sich für eine Lehre zur Malerin. Die 20-jährige Lea Meier erzählt uns, wie es so ist als Frau auf dem Bau.

Der Malerberuf wird bei Mädchen immer beliebter, berichtete der "Tages-Anzeiger" kürzlich. Während Anfang der 80er-Jahre weniger als zehn Prozent der Maler-Lehrlinge weiblich waren, sind es mittlerweile beinah die Hälfte – Tendenz steigend. Denn obwohl der Malerberuf zu den Bauberufen gehört, bietet er jungen Frauen eine kreative, handwerkliche Alternative zu Büro oder Verkauf.


Dass Frauen richtig gute Maler sind, ist mittlerweile auch bei Arbeitgebern angekommen. Renzo Mascherin, Präsident des Malerverbands Schaffhausen und Umgebung, erklärt dem "Tages-Anzeiger", dass Frauen oft schon im Lehrlingsalter eine deutlich höhere Sozialkompetenz als ihre männlichen Kollegen besitzen und man sie deshalb schon früh für selbstständige Kundenarbeiten einsetzen könne.


Uns freut dieser Wandel! Wir wollten deshalb genaueres erfahren und haben die 20-jährige Lea Meier aus Zollbrück im Kanton Bern gebeten, uns aus ihrem Malerleben zu erzählen:


"Eigentlich wollten sie partout kein Mädchen. Schliesslich hat noch nie eine Frau in ihrer Bude gearbeitet. Als ich mich jedoch als beste Anwärterin auf die Lehrstelle entpuppte, mussten sie es trotzdem versuchen. Nun, vier Jahre später, sind im gleichen Betrieb vier von fünf unserer Malertruppe weiblich.


'De bisch de au Tag dreckig u voue Farb!', scherzten meine Freundinnen zu Beginn. Wirklich überrascht über meine Berufswahl war jedoch niemand. Immerhin bin ich auf dem Bauernhof gross geworden. Während meine Schwester, die das KV gemacht hat, immer schon lieber drin war und unserem Mami half, zog ich ständig mit meinen zwei Brüdern los – Holz hacken oder im Kuhstall helfen.


So war mir schon immer klar, dass ich weder im Büro noch im Verkauf oder in der Pflege mein berufliches Glück finden werde. Etwas Handwerkliches musste her! Ich schnupperte also Innendekorateurin – beim Nähen löschte es mir ab –, Bodenlegerin – nein, weil ewiges Knien und eintönig – und kam schliesslich durch eine Kollegin auf die Malerlehre. Hier konnte ich anpacken, kreativ sein und am Abend auch sehen, an was ich den ganzen Tag gewerkt habe.


Durch Farben anderen das Leben erleichtern


Aufs Erste mag mein Alltag langweilig klingen: Um 7 Uhr trudeln wir auf dem Bau ein und dann wird gestrichen bis abends um 17 Uhr (Mittag und Znüni gibts natürlich). Klingt simpel. Aber nebst unterschiedlichen Techniken bringen auch verschiedene Projekte immer wieder interessante Aspekte in meinen Beruf. Wie unser jetziges Projekt für ein Demenz-Haus. Die Idee ist es, den Demenzkranken durch Farben das Leben zu erleichtern. Von Knallrot bis Grasgrün – hier können wir mit richtig auffälligen Farben arbeiten, die sonst nie zum Einsatz kommen.


Ob ich den Beruf anderen Mädels empfehlen würde? Sofern man körperliche Arbeit mag und sich an Dreck und Farbe nicht stört, auf jeden Fall! Auch wenn Frauen vielleicht weniger schleppen können – unser Erfolg im Malerberuf zeigt, dass wir Männern in nichts nachstehen. Schon in meiner Berufsschule zeichnete sich ab, dass der Malerberuf längst nicht mehr die Männerdomäne ist, die er mal war: In meiner Klasse gabs unter 16 Schülern sage und schreibe gerade mal einen Jungen."


Lea Meier arbeitet immer noch als Malerin in ihrem Lehrbetrieb G. Beck AG in Hasle-Rüegsau. 2016 hat sie ihre Malerlehre abgeschlossen und an den Schweizerischen Berufsmeisterschaften, den Swiss Skills, den zweiten Platz belegt. Im Herbst gehts nun weiter an die Euro Skills. Wir wünschen ihr viel Glück!

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